Kopf-an-Kopf-Rennen: Deutschland und China ringen um Export-Weltmeisterschaft

Kopf-an-Kopf-Rennen: Deutschland und China ringen um Export-Weltmeisterschaft

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Der Hafen von Ningbo in China

Deutschland droht seine Stellung als Weltmeister im Warenexport schon bald an China zu verlieren. In diesem und im kommenden Jahr würden sich beide Länder ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke heute in Berlin.

Wegen der Abkühlung der Weltkonjunktur erwartet die Kammerorganisation 2009 noch einen Zuwachs der deutschen Ausfuhren um sechs Prozent. 2008 werden es nach einer Umfrage unter allen Außenhandelskammern in 80 Ländern sieben Prozent sein. Wichtigster Exportmarkt bleibt Frankreich, die USA werden dagegen wegen ihrer Konjunkturkrise zurückfallen.

Die Bedeutung von China für den deutschen Außenhandel nimmt seit Jahren stark zu. So werden dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zufolge 2009 mehr als ein Drittel aller Ausfuhren in Richtung Asien nach China gehen. Auch als Lieferant ist das Land auf dem Weg an die Spitze. 2009 wird China mit Ausfuhren von rund 70 Milliarden Euro erstmals auf den zweiten Platz der wichtigsten Importländer Deutschlands aufrücken.

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Kommendes Jahr könnte China Deutschland schließlich den Rang als Exportchampion ablaufen. Dabei spielt Nitschke zufolge aber auch der Wechselkurs eine Rolle. Steht der Euro weiter über 1,50 Dollar, kann Deutschland 2009 seine Position voraussichtlich noch einmal halten - das siebte Jahr in Folge.

Der Grund ist, dass China mehr Waren in den Dollar-Raum verkauft, Deutschland hingegen zwei Drittel in die anderen 26 Staaten der EU. Der Umfrage zufolge werden 2009 nur noch acht Prozent der deutschen Ausfuhren in die USA versendet. Trotzdem leidet auch Deutschland unter dem starken Euro. Solange die Weltwirtschaft brummte, hätten die Exporteure die Verteuerung ihrer Waren im Dollarraum besser verkraften können, sagte Nitschke.

Mittlerweile achteten die Abnehmer aber wieder mehr auf den Preis. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt wird dem DIHK zufolge 2008 um 4,8 und 2009 um 4,6 Prozent zulegen. Der Welthandel wächst demnach 2008 um 6,3 und 2009 um 6,6 Prozent.

Exporte in n eue EU-Staaten steigen stark

Trotz der geringeren Dynamik werde die deutsche Wirtschaft 2008 erstmals Waren im Wert von mehr als einer Billion Euro ins Ausland verkaufen, sagte Nitschke. 2009 würden die Exporte nach Frankreich zudem die Marke von 100 Milliarden Euro knacken. Zu der guten Entwicklung tragen verstärkt die neuen mittel- und osteuropäischen EU-Mitglieder bei. Für sie erwartet der DIHK 2009 ein Exportplus von 14 Prozent, bei Rumänien allein sind es 40 Prozent. Polen rückt auf den neunten Rang der Abnehmerländer.

Allerdings wird Deutschland unter dem Strich keine neuen Anteile am Welthandel gewinnen können, erwartet der DIHK. So drücken die hohen Preise für Rohöl und andere Rohstoffe auch das Wachstum in den Käuferländern. Wegen seiner Konzentration auf hochwertige Industriegüter profitiere Deutschland im Gegenzug aber stark von den Investitionen der boomenden Ölförderländer. Bestes Beispiel dafür ist Russland, das 2009 unter die Top Ten der Exportmärkte vorrücken wird. Die Ausfuhren dorthin legen jährlich um 20 bis 25 Prozent zu.

Dagegen mussten die Exporteure ihre Aktivitäten im Iran auf politischen Druck zurückfahren. Großes Potenzial wird dem Irak zugemessen. Wegen der schwierigen Sicherheitslage wurden im vergangenen Jahr aber lediglich deutsche Waren im Wert von 320 Millionen Euro dorthin geliefert. Insgesamt erwirtschaftet Deutschland rund 40 Prozent seines BIP im Export. Die laufenden WTO-Gespräche in Genf über eine Liberalisierung des Welthandel müssten erfolgreich abgeschlossen werden, forderte Nitschke. Ein Abbau von Handelsschranken könne der Konjunktur den neuen Schwung geben, den sie derzeit benötige.

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