Kreditklemme: Kapitaler Mangel gefährdet Unternehmen - Seite 4

Kreditklemme: Kapitaler Mangel gefährdet Unternehmen

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Das räumt nun auch das Bundesfinanzministerium unter Schäuble ein. „Einzelne steuerliche Maßnahmen, die die Eigenkapitalbasis deutscher Unternehmen stärken sollten, können in einer rezessiven konjunkturellen Entwicklung wachstumshemmend wirken“, schreiben die ministerialen Fachleute. Erste Korrekturen nimmt die neue Regierung mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz vor, das bis Jahresende in Kraft treten und rasche Linderung schaffen soll. Dazu gehört auch eine Anhebung der Zinsschranke. „Mittelfristig“ will Schäuble dann das Dilemma der unterschiedlichen Besteuerungssituation von Eigen- und Fremdkapital anpacken, so wie es auch im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP vereinbart ist.

Unter einem Mangel an Vorschlägen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis wird Finanzminister Schäuble nicht leiden müssen.

Leo Dautzenberg, finanzpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, will beispielsweise „das Problem der zweifachen Besteuerung von Unternehmenserträgen auf der Ebene der Unternehmen und Anteilseigner einerseits und der nur einfachen Besteuerung der Erträge aus risikoarmen Zinsprodukten andererseits“ angehen.

Peer-Robin Paulus vom Familienunternehmerverband ASU schlägt vor, für Eigenkapital einen fiktiven Zins anzusetzen, den der Unternehmer dann wie Fremdkapitalzinsen als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen könnte.

Bei vielen kleinen Mittelständlern, deren Gewinne gerade mal die Höhe eines Angestelltengehalts erreichen, schlage jede Art von Substanzbesteuerung ins Kontor, gibt Gerd Pieper zu bedenken. Der Herr über 111 Parfümerien kritisiert vor allem die Gewerbesteuer, die seit 2008 auch auf Mieten und Pachten erhoben wird und jetzt „das ohnehin knappe Eigenkapital der kleinen Einzelhändler aufzehrt“.

Zugunsten größerer Unternehmen empfiehlt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise eine „Stärkung der Aktienkultur“, etwa einen hälftigen Abgeltungsteuersatz für Dividenden oder Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne bei langfristiger Aktienanlage.

Bundesfinanzminister Schäuble wird die vielen Vorschläge wägen – auch unter fiskalischen Aspekten vor dem Hintergrund hoher öffentlicher Haushaltsdefizite in den nächsten Jahren.

Dabei gibt es durchaus andere Optionen. So bieten die KfW-Bankengruppe und die mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Länder sogenanntes mezzanines Beteiligungskapital an. Für derzeit elf bis zwölf Prozent Zinsen können sich Mittelständler mit solchem Eigenkapital vollsaugen. Ein bedenkenswertes Instrument, wirbt ZDH-Chefvolkswirt Barthel, mit dem sich Bilanz und Bonität aufpolieren ließen.

Auf eine andere Möglichkeit weist Deloitte-Experte Reifert hin. Unternehmen mit stillen Reserven könnten diese verkaufen und mit dem Veräußerungsgewinn ihr Eigenkapital stärken. Andere könnten wiederum versuchen, Kredite in Beteiligungskapital umzuwandeln, also Gläubiger zu Gesellschaftern zu machen.

Zwar mag sich manch ein Herr-im-Haus-Unternehmer dagegen sträuben. Doch die Zeiten, in denen ihnen Banker aus ihrem Rotary- und Lions-Club stets hilfreich mit Krediten zur Seite standen, sind definitiv passé. Und auch die Kanzlerin wird mit ihrem Finanzminister realistischerweise nicht alle Wünsche erfüllen können.

Am Ende zählt daher „nur eine solide Eigenkapitalbasis“, weiß Matthias Kelch. Eine Insolvenz wie 2005 soll den Werkzeugmaschinenhersteller mit seiner neuen Firma Kptec nie mehr ereilen.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.12.2009, 18:29 UhrAnonymer Benutzer: mephisto

    Die Einkommen aus Kapital und Unternehmertätigkeit sind doch in den letzten Jahren durch die Decke gegangen. Einfach mal ne immo weniger kaufen und die Kohlen im UN belassen. Nun kanns wieder der Steuerzahler ausbaden...Subventionenschmarotzer......

  • 03.12.2009, 15:34 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Prima Artikel.

    "Doch die Zeiten, in denen ihnen banker aus ihrem Rotary- und Lions-Club stets hilfreich mit Krediten zur Seite standen, sind definitiv passé. Und auch die Kanzlerin wird mit ihrem Finanzminister realistischerweise nicht alle Wünsche erfüllen können."

    Schön gedacht, aber die Realität ist eine andere. Fremdkapital ist in Deutschland absolut unerwünscht, denn es bedeutet Emanzipation von der herrschenden politischen Oligarchie (beamte/Konzerne). Wenn Deutsche plötzlich investieren würden, hätten wir einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der die Verteilung zwischen den Gewinnern und Verlierern zu Ungunsten des aktuellen Status Quo bedeuten muss.

    Als Unternehmer habe ich versucht, Kapitalgeber für interessante Projekte zu bekommen. Leider darf man nur Projekte haben, die staatlich gefördert werden, und Software (mein Geschäft) ist leider nicht dabei. Schwarzgeld in unglaublichen Mengen - ja, das wurde mir angeboten. Aber einigermaßen seriöse investoren? Fehlanzeige.

    Niemand ist jedoch daran interessiert, die Situation zu ändern, also werden wir wohl oder übel so weitermachen müssen wie bisher. Und die Rotary-Connections werden weiterhin die Grundlage des Geschäftemachens in Deutschland sein, denn wir haben keine andere Kultur.

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