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Kreditklemme: Kapitaler Mangel gefährdet Unternehmen

von Christian Ramthun

Viel zu lange haben sich die deutschen Unternehmen auf Fremdfinanzierungen, vor allem durch Banken, verlassen. Jetzt droht eine Kreditklemme. Mehr Eigenkapital lautet die Lehre aus der Krise. Steuerliche Anreize sollen nun beim Substanzaufbau in der Wirtschaft helfen.

Die Paradebranche Maschinenbau Quelle: AP
Die Paradebranche Maschinenbau leidet am stärksten Quelle: AP

Die Wirtschaftskrise währte schon zwei Jahre. Die Aufträge brachen weg, die IG Metall blockierte eine Restrukturierung. Das Eigenkapital schmolz wie Schnee in der Sonne, die Banken stellten die Kreditvergabe ein. Der Präzisionsmaschinenhersteller Kelch aus dem baden-württembergischen Schorndorf ging zum Jahreswechsel 2004/05 in die Insolvenz und überlebte nur, weil ihn ein chinesisches Unternehmen mit reichlich Kapital übernahm.

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Das Schicksal des 67 Jahre alten Traditionsunternehmens war Gesprächsstoff beim Maschinenbaugipfel Mitte Oktober im Berliner Maritim Hotel, bei einigen Mittelständlern kam das mulmige Gefühl auf, in der aktuellen Wirtschaftskrise ein ähnliches Schicksal zu erleiden.

„Das Eigenkapital wird von Monat zu Monat aufgezehrt“, sorgt sich Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VMDA). 20 Prozent Produktionseinbruch in diesem Jahr werden bei den Maschinenbauern am 31. Dezember 2009 tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Dann setzt ein „gefährlicher Automatismus“ (Hesse) ein: Weil das Eigenkapital schrumpft, werden die Banken laut Basel-II-Vorschriften ihre Kreditkonditionen verschärfen (müssen), die Zinsen erhöhen oder Darlehen kündigen.

Lehre aus der Krise

Und was dann? Diese Frage treibt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel um. Mittwoch hatte sie zum Krisengipfel nach Berlin geladen. Zusammen mit Unternehmens- und Bankenvertretern will die Regierung Auswege aus der drohenden Kreditklemme suchen. Fast ein Drittel der Unternehmen hatte es schon im Oktober schwerer, Kredite von ihrer Hausbank zu bekommen, berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach einer Befragung von 25.000 Unternehmen.

In der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Bundesregierung bislang hauptsächlich den Banken geholfen und ihnen Hunderte Milliarden Euro an Bürgschaften und Eigenkapital zur Verfügung gestellt. Doch die Hoffnung, auf diese Weise den Finanzkreislauf der Wirtschaft zu stabilisieren, erfüllte sich nicht. Auch der Deutschlandfonds, mit 115 Milliarden Euro für Bürgschaften und Darlehen ausgestattet, kommt kaum bei den Unternehmen an. Nun will die Regierung nachbessern – und eine entscheidende Lehre aus der Krise ziehen: Deutschlands Unternehmen brauchen mehr Eigenkapital.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.12.2009, 18:29 UhrAnonymer Benutzer: mephisto

    Die Einkommen aus Kapital und Unternehmertätigkeit sind doch in den letzten Jahren durch die Decke gegangen. Einfach mal ne immo weniger kaufen und die Kohlen im UN belassen. Nun kanns wieder der Steuerzahler ausbaden...Subventionenschmarotzer......

  • 03.12.2009, 15:34 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Prima Artikel.

    "Doch die Zeiten, in denen ihnen banker aus ihrem Rotary- und Lions-Club stets hilfreich mit Krediten zur Seite standen, sind definitiv passé. Und auch die Kanzlerin wird mit ihrem Finanzminister realistischerweise nicht alle Wünsche erfüllen können."

    Schön gedacht, aber die Realität ist eine andere. Fremdkapital ist in Deutschland absolut unerwünscht, denn es bedeutet Emanzipation von der herrschenden politischen Oligarchie (beamte/Konzerne). Wenn Deutsche plötzlich investieren würden, hätten wir einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der die Verteilung zwischen den Gewinnern und Verlierern zu Ungunsten des aktuellen Status Quo bedeuten muss.

    Als Unternehmer habe ich versucht, Kapitalgeber für interessante Projekte zu bekommen. Leider darf man nur Projekte haben, die staatlich gefördert werden, und Software (mein Geschäft) ist leider nicht dabei. Schwarzgeld in unglaublichen Mengen - ja, das wurde mir angeboten. Aber einigermaßen seriöse investoren? Fehlanzeige.

    Niemand ist jedoch daran interessiert, die Situation zu ändern, also werden wir wohl oder übel so weitermachen müssen wie bisher. Und die Rotary-Connections werden weiterhin die Grundlage des Geschäftemachens in Deutschland sein, denn wir haben keine andere Kultur.

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