Kritik am Papiergeldsystem: Dem Staat muss die Hoheit über das Geld genommen werden

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GastbeitragKritik am Papiergeldsystem: Dem Staat muss die Hoheit über das Geld genommen werden

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Thorsten Polleit, Chefökonom der Degussa Goldhandel GmbH.

US-Dollar, Euro, Renminbi, Schweizer Franken: Alle großen Währungen der Welt sind ungedecktes Papiergeld. Das verursacht ökonomische Schäden, sorgt für Finanz- und Wirtschaftskrisen. Zeit für neue Modelle.

Haben Sie den Eindruck, dass sich die Finanz- und Wirtschaftskrisen häufen und immer schwerwiegender werden? Werden Sie das Gefühl nicht los, dass die Kaufkraft Ihres Geldes dahinschwindet? Dass einige immer reicher werden – und zwar auf Ihre Kosten? Sorgen Sie sich, dass der Staat immer mächtiger wird, die Freiheiten und Bürgern und Unternehmen dahinschmelzen?

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Keine Angst: Sie sind nicht paranoid. Sie erkennen nur die Folgen des ungedeckten Papiergeldsystems.

Alle großen Währungen der Welt – ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, britisches Pfund oder Schweizer Franken – sind ungedecktes Papiergeld. Das Produktionsmonopol für dieses Geld liegt bei den staatlichen Zentralbanken: Sie schaffen – mit Hilfe der Geschäftsbanken – neues Geld durch Kreditvergabe, und zwar sprichwörtlich „aus dem Nichts“. Dieses Geld kann auch als Kreditgeld, als Fiat-Geld (der Ausdruck fiat stammt vom lateinischen, es heißt: „es werde bereitet“) oder auch als Zwangsgeldsystem bezeichnet werden.

Zum Autor

  • Thorsten Polleit

    Thorsten Polleit, Jahrgang 1967, ist seit September 2014 Honorarprofessor an der Universität Bayreuth. Seine Interessen- und Forschungsschwerpunkte sind monetäre Ökonomik, Kapitalmarkttheorie und insbesondere die Österreichische Schule der Ökonomik. Er ist Mitglied der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft, des Forschungs-Netzwerks Research on Money in the Economy (ROME) und Adjunct Scholar of the Faculty of the Ludwig von Mises Institute in Auburn, Alabama. Neben seinem aktuellen Buch "Geldreform" sind von ihm "Der Fluch des Papiergeldes" und "Ludwig von Mises" im FinanzBuch Verlag erschienen.

Das ungedeckte Papiergeld verursacht schwerwiegende ökonomische und ethische Schäden. Es destabilisiert die Wirtschaft, sorgt für „Boom-und-Bust“-Zyklen, für Finanz- und Wirtschaftskrisen. Der Grund: Die neue, per Kredit geschaffene Geldmenge senkt die Zinsen künstlich ab. Unternehmen werden dadurch verlockt, Investitionen zu tätigen, die eigentlich gar nicht profitabel sind. Früher oder später kippt die konjunkturelle Scheinblüte („Boom“) jedoch in einen Abschwung („Bust“) um.

Umverteilung von Einkommen 

Das ungedeckte Papiergeld sorgt für eine nicht-marktkonforme Umverteilung von Einkommen und Vermögen, zu neudeutsch: Es ist sozial ungerecht. Es bereichert einige wenige auf Kosten vieler. Gewinner dieser Zwangsumverteilung sind diejenigen, die eng mit den Staat und seiner Papiergeld ausspeienden Zentralbank eng zusammenarbeiten – wie zum Beispiel Großindustrie und Banken. Verlierer sind zum Beispiel die gutgläubigen Sparer. Die Einkommensschere tut sich unverdient auf, Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen leiden besonders.

Das ungedeckte Papiergeld führt die Volkswirtschaften in eine Überschuldungsfalle, unter der sie letztlich zusammenbrechen: Das Geldmengenvermehren durch Kreditvergabe aus dem Nichts lässt eine Schuldenpyramide entstehen, die nicht mehr zurückzahlbar ist. Um dem drohenden Kollaps zu entkommen, wird zu drastischen Mitteln gegriffen: Zum Beispiel werden die Marktzinsen von den Zentralbanken auf de facto Null Prozent abgesenkt und vollends kontrolliert; und strauchelnde Staats- und Bankenschuldner mit neu geschaffenem Geld vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt.

"Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld" (zusammen mit Dr. Michael von Prollius) ist im Oktober 2014 im FinanzBuch Verlag erschienen. Quelle: Presse

"Geldreform: Vom schlechten Staatsgeld zum guten Marktgeld" (zusammen mit Dr. Michael von Prollius) ist im Oktober 2014 im FinanzBuch Verlag erschienen.

Bild: Presse

Hinter diesen als „Rettungspolitik“ bezeichnenden Maßnahmen verbirgt sich nichts anderes als ein Frontalangriff auf die Marktwirtschaft: Um die Schäden zu übertünchen, für die das staatliche Zwangsgeld sorgt, müssen die auf Korrektur drängenden freien Marktkräfte ausgehebelt werden.

Die Volkswirtschaft verliert damit ihren Kompass, der unverzichtbar ist, um knappe Mittel zum besten Wirt zu lenken. Ohne Marktwirtschaft sind Fehlentwicklungen, Verluste bei Wachstum und Beschäftigung, Verarmung vorprogrammiert, politisch läuft es auf totalitäre Verhältnisse hinaus.

Ausweg: Währungswettbewerb

Die Schäden, für die das staatliche Zwangsmonopolgeld bereits gesorgt hat, lassen sich zwar nicht mehr aus der Welt schaffen, aber es kann immerhin verhindert werden, dass es noch schlimmer kommt. Wenn Freiheit und Wohlstand bewahrt und gefördert werden sollen, muss dem Staat die Hoheit über das Geld genommen und ein Währungswettbewerb zugelassen werden: Fortan hat nicht mehr der Staat und seine Zentralbank über die Geldmenge zu befinden, sondern diese Aufgabe übernimmt der freie Markt.

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