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Ländervergleich: Das Problem mit dem Leitzins

von Andreas Toller

Seit durch Finanz- und Euro-Krise der Kollaps der Finanzmärke droht, haben wir uns an fallende Leitzinsen gewöhnt. Aber anderswo auf der Welt ticken die Notenbanken ganz anders.

Federal Reserve
Fed-Chef Ben Bernanke begann im November 2008 mit der Quantitativen Lockerung. Sein erstes Kaufprogramm von Anleihen beeindruckte die Märkte. Es hatte ein Volumen von 1,7 Billionen Dollar. Im November 2010 folgte dann ein zweites Programm, das mit 600 Milliarden Dollar deutlich kleiner ausfiel. Die Bilanz der Fed ist durch die bisherigen Ankäufe von 800 Milliarden Dollar auf 2,8 Billionen Dollar gewachsen. Kritik kam lediglich von rechts außen. Viele Ökonomen fordern nun bereits ein drittes Anleihekaufprogramm.

Bild: dpa

Als der Chef der US-Notenbank Ben Bernanke am Mittwochabend hiesiger das Sitzungsprotokoll für die jüngste Zinssitzung im Juni veröffentlichte, reagierten die Märkte enttäuscht. An der Börse hatten sich die Marktteilnehmer deutlichere Signale für eine weitere Lockerung der Geldpolitik erhofft, weil die US-Konjunktur nicht so recht in Schwung kommen will. Dabei schielten die Beobachter weniger auf eine Leitzinssenkung, als weitere großvolumige Anleihenkäufe durch die Notenbank.

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Eine solche Maßnahme stellt die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed genannt, allerdings nur für den Fall einer weiteren Eintrübung der Konjunktur in Aussicht. „Wir würden sicherlich auch weitere Staatsanleihen-Käufe in Erwägung ziehen, wenn die Wirtschaft einer weiteren Stärkung bedarf“, hatte Notenbankchef Bernanke bereits im Juni erklärt. Der Leitzins bleibt jedenfalls wie schon seit Dezember 2008 bei niedrigen 0,25 Prozent. Vergleichbar handelte auch die Bank of England, die an ihrem seit Februar 2009 gültigen Niedrigzins von 0,5 Prozent auf ihrer jüngsten Sitzung festhielt.

Derweil hat sich die Situation der Europäischen Zentralbank (EZB) zwischenzeitlich wieder verschärft, vorrangig durch die Bankenkrise in Spanien. Sie senkte ihren Leitzins am 5. Juli von 1,00 auf 0,75 Prozent. Es ist der niedrigste Stand seit dem Start der EZB 1998 und bereits die dritte Zinssenkung in der Amtszeit von Notenbankchef Mario Draghi, der im November 2011 die Nachfolge von Jean-Claude Trichet antrat. Der hatte aus Sorge um ein Anziehen der Inflation im Euroraum die Zinsen 2011 zweimal moderat angehoben.

Geldpolitik EZB senkt Leitzins unter ein Prozent

Auf einer historischen Sitzung hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) den Leitzins erstmals unter ein Prozent gesenkt. Die Notenbank in Frankfurt verkündete am Nachmittag den neuen Zinssatz von 0,75 Prozent.

Geldpolitik: EZB senkt Leitzins unter ein Prozent

Die Maßnahmen mögen zwar vorübergehend für Entspannung sorgen, die Euro-Schuldenkrise lösen sie indes nicht. Inzwischen werden Stimmen lauter, die die Leitzinssenkungen zur Krisenbekämpfung in den USA und Euro-Zone lediglich für psychologisch wichtig halten. Der Effekt auf die Investitionstätigkeit ist auf dem ohnehin schon niedrigen Niveau eher gering, den kriselnden Banken helfen Aufkäufe kritischer Staatsanleihen eher weiter. „Einen nennenswerten konjunkturellen Effekt wird diese Zinssenkung von ‚nahe Null‘ auf ‚noch näher Null‘ nicht haben“, sagte etwa Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 13.07.2012, 09:48 Uhreinfachmaldieweltretten

    • Das Desaster ist vollendet, wenn den Banken nicht sofort ein Stopp gesetzt wird

    Lesen Sie -lesen sie - lesen sie - lesen sie

    Der Ökonomiker fasst in diesen Tagen alle wichtigen Ereignisse der letzten Jahre zusammen.

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/03/standpunkt-191-update-enteignung.html

    http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/stanpunkt-291-derivate-desaster.htmltp://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-300-sinn-lich-okonomenstreit.html

    • http://www.heise.de/tp/artikel/37/37234/1.html

    • http://der-oekonomiker.blogspot.de/2012/07/standpunkt-301-nachrichten-ticker-1007.html

    • Lesen Sie standpunkt 301 hier ein Auszug
    • Kommentar: Nein, es ist eine Bankenkrise mit inkludierter Vertrauenskrise von Bank zu Bank. Die geschilderten Lösungsansätze sind grundsätzlich richtig, aber nur nützlich, wenn vorher die Bankenbilanzen vom Giftmüll befreit, Schattenbanken und Zweckgesellschaften konsolidiert und nicht mehr lebensfähige Banken abgewickelt werden, ohne jede Rücksicht auf Rang und Namen.

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