Lebenshaltungskosten: Die Verbraucherpreise in Deutschland steigen an

Lebenshaltungskosten: Die Verbraucherpreise in Deutschland steigen an

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Die Verbraucherpreise sind im März um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Die Verbraucherpreise steigen wieder - allerdings auf niedrigem Niveau. Im März erhöhte sich die Inflationsrate um 0,3 Prozent. Besonders betroffen: Die Preise für Sprit und Haushaltsenergie.

Die Preise in Deutschland steigen wieder stärker. Die Verbraucherpreise zogen im März um 0,3 Prozent zum Vorjahresmonat an. Das war der kräftigste Anstieg seit November 2014, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Damit schwindet die Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front. Im Januar waren die Preise mit 0,4 Prozent erstmals seit 2009 gesunken, ehe sie im Februar um 0,1 Prozent kletterten. Für den Anstieg sorgten diesmal teurere Mieten und Dienstleistungen, zudem verlangsamte sich der Preisrutsch bei Öl.

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Die Inflationsrate liegt aber immer noch klar unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preise spricht. Ökonomen gehen davon aus, dass dies auch eine Weile so bleiben wird. "Die Preise dürften im Jahresschnitt um sehr moderate 0,4 Prozent anziehen", erwartet Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. "Die Inflation bleibt niedrig, obwohl Wirtschaft und Konsum spürbar wachsen."

Wer von der Mini-Inflation profitiert - und wer nicht

  • Kaufkraft der Verbraucher

    Wer längerfristig gleichbleibende Einkommen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen bezieht, kann sich mehr für sein Geld leisten, wenn Preise kaum noch oder gar nicht mehr steigen. Das gilt auch für Menschen, die viel Geld auf der hohen Kante haben. Gleichzeitig bleibt bei Einkommens- und Lohnerhöhungen real - also nach Abzug der Teuerung - deutlich mehr Geld in den Taschen der Verbraucher, wenn die Inflation wie derzeit nahe null ist.

  • Unternehmen

    Wenn die Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben, etwa weil die Sprit- und Heizölpreise fallen, können sie sich mehr andere Waren leisten. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von niedrigeren Einkaufspreisen wichtige Rohstoffe wie Öl: Ihre Kosten sinken.

  • Kreditaufnahme

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Kampf gegen den mickrigen Preisauftrieb auf fast null Prozent gesenkt. Das drückt die Zinsen, die Banken von Privatleuten und Unternehmen für Kredite verlangen. So kommen etwa Immobilienkäufer derzeit so günstig wie nie an Geld. Nach Zahlen der FMH Finanzberatung sind Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit aktuell im Schnitt für 1,6 Prozent Zinsen zu haben. Vor einem Jahr lag das Niveau demnach noch bei 2,67 Prozent, vor fünf Jahren bei 4,19 Prozent. Auch Staaten können sich am Markt günstiger frisches Geld besorgen, das entlastet indirekt die Steuerzahler.

  • Konjunktur

    Vor allem die rasante Talfahrt der Ölpreise schiebt die deutsche Wirtschaft an. Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) werden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau verharren. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat betont: „Diese Entwicklung wirkt ähnlich wie ein kleines Konjunkturprogramm.“

  • Sparer

    Verbraucher sind nicht nur Kreditnehmer, sondern auch Sparer. Durch das magere Zinsniveau ist mit Tagesgeld oder Sparkonto fast nichts mehr zu verdienen. Immerhin: Weil die Preise kaum steigen, unterscheiden sich nominale Renditen kaum noch von den realen. Wer fürs Alter vorsorgen will, muss entweder mehr Geld zurücklegen oder größere Risiken eingehen.

  • Schuldner

    Was für die Kreditaufnahme gut ist, ist für ältere Verbindlichkeiten schlecht: Derzeit knabbert die Inflation die ausstehenden Schulden nämlich nicht weg. Das erschwert den Schuldenabbau und hemmt die wirtschaftliche Erholung, wie EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio betont: „Wenn die Inflation sehr niedrig ist und das Wachstum ebenfalls, dann wird es immer schwieriger, diese Schulden zu bedienen.“

  • Deflationsgefahr

    Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Davon abrücken will die Notenbank nicht, wie Constâncio sagte: „Bei einem Inflationsziel von null Prozent ist die Gefahr hoch, dass die Wirtschaft in eine Deflation rutscht.“ Unter einer Deflation verstehen Ökonomen einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen, steigenden Reallöhnen, niedrigeren Gewinnen und schrumpfender Nachfrage, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Die geringe Nachfrage kann weitere Preissenkungen zur Folge haben: Die Wirtschaft friert ein.

Ein Grund dafür sei auch der sehr starke Wettbewerb der großen Ketten im Einzelhandel, der die Preise dämpfe. Um die Deflationsgefahr - einem für die Wirtschaft schädlichen Preisverfall - in der Euro-Zone zu dämmen, hat die EZB im März mit dem Kauf von Staatsanleihen begonnen. EZB-Chef Mario Draghi wird am Mittwoch erstmals Bilanz ziehen.

Mindestlohn treibt die Preise

Teurer wurden für die Verbraucher Dienstleistungen, und zwar im Schnitt um 1,2 Prozent. "Diese Entwicklung wurde weiterhin maßgeblich durch die Erhöhung der Nettokaltmieten bestimmt, für die private Haushalte etwa ein Fünftel ihrer Konsumausgaben aufwenden", erklärten die Statistiker. Sie zogen um 1,3 Prozent an.

Taxifahrten kosteten 11,4 Prozent mehr, der Friseurbesuch und andere Dienstleistungen für Körperpflege verteuerten sich um 3,3 Prozent. Für Essen und Trinken in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf mussten 2,7 Prozent mehr ausgegeben werden. Hier knnte der seit Jahresbeginn geltende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro eine Rolle gespielt haben. "Viele Unternehmen können höhere Personalkosten wenigstens zum Teil an ihre Kunden weitergeben", sagte Kastens.

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Auch für Süßes musste tiefer in die Tasche gegriffen werden. Hier wurden 3,9 Prozent mehr verlangt. Schokoladentafeln kosteten sogar 16,1 Prozent mehr. Bei Kaffee gab es einen Aufschlag von 17,5 Prozent.

Dagegen kostete leichtes Heizöl fast ein Fünftel weniger als im März 2014, Benzin und Diesel verbilligten sich um 8,8 Prozent. Auch Strom und Gas waren etwas günstiger zu haben. "Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate im März bei 1,0 Prozent gelegen", erklärten die Statistiker.

Für Nahrungsmittel mussten Verbraucher durchschnittlich 0,1 Prozent weniger bezahlen als ein Jahr zuvor. Butter verbilligte sich um 7,6 Prozent, H-Milch um 9,4 Prozent, Obst um 1,3 Prozent sowie Fleisch und Fleischwaren um 0,8 Prozent.

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