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Leitzins: EZB muss den nächsten Zinsschritt wagen

von Von Anne Kunz

Die EZB muss bald den nächsten Zinsschritt in Angriff nehmen. Ein Rückzieher wäre unverzeihlich.

Das war mutig: Die Europäische Zentralbank (EZB) läutete im April als erste der großen westlichen Notenbanken die Zinswende ein. Sie tat dies trotz der eskalierenden Staatsschuldenkrise in Europa. Kritiker warnten, steigende Zinsen würden den Volkswirtschaften in Portugal, Irland und Griechenland endgültig den Todesstoß versetzen. Die EZB erhöhte trotzdem um 0,25 Prozentpunkte, um deutlich zu machen, dass es ihr mit der Preisstabilität im Euro-Raum ernst ist. Und es schien klar, dass weitere Zinsschritte im Sommer und Herbst folgen und der Leitzins bis Ende des Jahres auf mindestens 1,75 Prozent steigen würde.

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Doch nun werden die Karten neu gemischt. Manche Auguren argwöhnen, die EZB werde die Zinswende angesichts der anhaltend desaströsen Lage in Griechenland vorerst aussetzen. Wenn sich der geldpolitische Rat der EZB am kommenden Donnerstag zu seiner turnusmäßigen Sitzung trifft, ist ihm die Aufmerksamkeit der Märkte daher gewiss. Der oberste Währungshüter Jean-Claude Trichet hat bereits im Vorfeld klargemacht, dass die Notenbank zumindest im Juni nicht an der Zinsschraube drehen will.

Leitzins in der Euro-Zone
Leitzins in der Euro-Zone

Doch im Juli muss der nächste Zinsschritt kommen. Die Inflationsrate in der Euro-Zone liegt bei 2,7 Prozent, das Wirtschaftswachstum hat – abgesehen von den Peripherieländern – stark zugelegt. Der Leitzins von 1,25 Prozent ist für die meisten Staaten der Euro-Zone viel zu niedrig; Deutschland etwa könnte einen Zins von knapp drei Prozent vertragen. Zudem drohen durch die anhaltende Nieddrigzinspolitik Blasen auf den Vermögensmärkten.

Was gegen höhere Zinsen spricht, ist allein der starke Euro. Steigen die Zinsen, fließt mehr Kapital in Euro-Anlagen; das treibt den Wechselkurs nach oben und verschlechtert die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure. Manche Analysten sehen den Euro bald bei 1,50 Dollar, einige sagen sogar 1,60 Dollar voraus.

EZB muss dranbleiben

Doch für die Wettbewerbsfähigkeit ist die EZB nicht zuständig. Ihr Kerngeschäft ist der Kampf gegen die Inflation. Sie muss daher am Donnerstag klarmachen, dass sie an der Zinswende festhält. Einen Rückzieher würden die Märkte nicht verzeihen, die Glaubwürdigkeit der EZB wäre dahin.

Nach Trichets Ankündigung, im Juni erst mal abzuwarten, hätten die Währungshüter allerdings auch ein Problem, wenn sie die Zinsen sofort erhöhten. Dann gälte die EZB von nun an als unberechenbar. Das sollte eine Zentralbank niemals sein.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 10.06.2011, 16:16 UhrAnonymer Benutzer: Besorgter Europäer

    Wenn die EZb die Zinsen erhöht, könnte das auch bedeuten, daß sie damit den Wert der von ihr gekauften griechischen Staatsanleihen mindert. Aber die EZb findet immer eine begründung dafür, daß sie die von ihr gekauften Staatsanleihen in ihrer bilanz nicht abwerten muß, sondern immer zum Nominalwert bilanzieren kann. Die EZb hat offensichtlich große Angst davor, daß die blase "Staatsanleihen" platzen könnte und Staatsanleihen als Finanzierungsquelle für die Staaten nicht mehr zur verfügung stehen könnten.

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