Leitzins: EZB plant Zinserhöhung für April

Leitzins: EZB plant Zinserhöhung für April

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Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hat ein bevorstehende Zinserhöhung ungewöhnlich deutlich in Aussicht gestellt

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt sich um die anziehende Inflation. Dennoch kam die Ankündigung des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet einer möglichen Zinserhöhung überraschend - und vor allem überraschend deutlich.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sieht das Zinsniveau nicht mehr als angemessen an. Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert daher auf ihre erste Zinserhöhung seit dem Sommer 2008 zu. Wegen des erhöhten Teuerungsdrucks sei „beim nächsten Treffen im April eine Zinserhöhung möglich“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet heute in Frankfurt. „Möglich ja, aber natürlich nicht sicher.“ Dennoch kam die Ankündigung für die meisten Beobachter überraschend schnell. Eine Serie von Zinserhöhungen sei aber nicht zu erwarten, ergänzte Trichet.

Die EZB hatte zuletzt gegen den Trend so gut wie aller anderen Zentralbanken mitten in der schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten im Juli 2008 ihren Leitzins auf damals 4,25 Prozent angehoben. Sie hatte den von vielen scharf kritisierten Schritt damals mit steigenden Rohstoffpreisen begründet. Angesichts der nun klar über dem Zielwert der EZB liegenden Inflationsrate sei nun „hohe Wachsamkeit“ angebracht, sagte Trichet im Anschluss an eine reguläre Sitzung des EZB-Rats. Mit diesem Ausdruck hatte er vor Ausbruch der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise stets unmittelbar bevorstehende Zinserhöhungen angekündigt.

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Trichet: Wir erleben einen Preisschock

Dieses Mal beließen die Notenbanker um Trichet ihren Schlüsselzins noch bei einem Prozent. Der EZB-Chef erklärte, er haben namens des EZB-Rats bewusst nicht mehr davon gesprochen, dass der Leitzins angemessen sei. Am Devisenmarkt zog der Kurs des Euro kräftig an. Trichet sagte, die Inflationsrisiken seien aus Sicht der EZB zuletzt klar gestiegen und bleiben nach oben gerichtet. „Es ist wichtig, dass der jüngste Anstieg der Inflation mittelfristig nicht in einen breit angelegten Preisauftrieb mündet.“ Deshalb sei der EZB-Rat „darauf vorbereitet, jederzeit angemessen zu reagieren“.

Dass die EZB offenbar nicht nur in diesem, sondern auch im kommenden Jahr wegen der steigenden Energie- und Rohstoffpreise erhöhten Teuerungsdruck fürchtet, geht aus den ebenfalls heute veröffentlichten jüngsten Prognosen der EZB-Ökonomen hervor. Diese erwarten nun in diesem Jahr eine Teuerungsrate von durchschnittlich 2,3 (bislang: 1,8) Prozent und im nächsten Jahr eine Inflation von bis zu 2,4 (bisher: 2,3) Prozent.

Die EZB peilt eine Teuerungsrate von „knapp unter zwei Prozent“ an. Zuletzt stiegen die Verbraucherpreise in der Euro-Zone binnen Jahresfrist um 2,4 Prozent. Verantwortlich für die Rückkehr der Inflation ist derzeit vor allem der kräftige Ölpreisanstieg wegen der Unruhen in Nordafrika und anderen Teilen der arabischen Welt. Trichet sagte: „Wir erleben einen Preisschock.“ Es sei deshalb die Pflicht der Währungshüter, im Zweifelsfall hart gegenzuhalten. „Wir tun, was wir tun müssen, um mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten. Dafür nutzen wir das Zins-Instrument sowie die konventionellen und unkonventionellen Maßnahmen.“

Analysten zeigten sich überzeugt, dass Trichet bereits im kommenden Monat und damit viel früher als bislang gedacht an der Zinsschraube drehen wird. „Viel deutlicher geht es ja gar nicht mehr. Ich denke, es ist so gut wie sicher, dass die EZB im April die Zinsen erhöht“, sagte etwa Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Genauso sieht das Viola Stork von der Helaba: „Mit den Schlüsselwörtern „strong vigilance' und dem fehlenden Verweis auf die Angemessenheit des derzeitigen Zinsniveaus dürfte eine Zinserhöhung seitens der EZB unmittelbar bevorstehen.“

Banken bleiben länger am Tropf

Damit das nach wie vor unter den Nachwehen der Krise leidende europäische Bankensystem von einer möglichen Zinserhöhung nicht zu sehr gebeutelt wird, verlängerten die Hüter des Euro abermals ihre Rundumversorgung für die Geldhäuser. So bekommen die Banken bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften auf jeden Fall noch bis Juni soviel Geld, wie sie nachfragen.

Bei den drei Monate laufenden Refinanzierungsgeschäften gibt die EZB ebenfalls den Banken abermals mehr Zeit und zeigt sich auch hier recht spendabel. Grund hierfür dürfte auch der gerade anlaufende neue Stresstest für Europas Finanzinstitute sein. Sollte es hier zu Problemen kommen, wären die betroffenen Banken über die EZB abgesichert.

Noch-Bundesbank-Präsident Axel Weber nahm an der Sitzung im Frankfurter Euro Tower nicht teil. Weber sei verhindert, sagte ein Bundesbank-Sprecher auf Anfrage. Nähere Hintergründe nannte er nicht. Weber hatte im Februar überraschend seinen Rückzug von der Notenbank bis Ende April angekündigt. Ihn vertrat nun Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler. Trichet wollte sich zum Rückzug Webers nicht äußern.

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