
Gleichzeitig korrigierten die Notenbanker ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone weiter nach unten. Sie erwarten nun, dass die Wirtschaft im Euro-Raum 2009 kräftig schrumpfen und 2010 stagnieren wird.
Unterdessen reduzierte auch die Bank of England ihren Zins heute ebenfalls um 0,5 Punkte auf den historischen Tiefstand von 0,5 Prozent. Gleichzeitig kündigte die Notenbank an, die Geldmenge in den kommenden drei Monaten um 75 Milliarden Pfund zu erhöhen, um das schwächelnde Kreditgeschäft wieder anzukurbeln.
Für den Euroraum schließt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet eine weitere Lockerung der Geldpolitik nicht aus: „Wir haben heute nicht beschlossen, dass die aktuelle Zinsrate die niedrigste ist, die wir erreichen können.“ Allerdings sei der Zins für Bankeinlagen bei der EZB mit 0,5 Prozent schon jetzt auf einem außerordentlich niedrigen Niveau. „Wir haben sehr, sehr niedrige Zinsen“, betonte Trichet. Eine Null-Zins-Politik lehnten die Währungshüter wegen „einer Reihe von Problemen“ aber weiter ab.
Niedrigster Zinssatz seit Einführung des Euros
Mit dem niedrigsten Zinssatz seit Einführung des Euro 1999 will die EZB der europäischen Wirtschaft aus der Rezession helfen. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten die Weltwirtschaft erheblich geschwächt, sagte Trichet. „In einem Klima großer Unsicherheit wurde der starke Rückgang der weltweiten Handelsströme von einem Einbruch des privaten Konsums in den Haushalten der Euro- Zone begleitet.“ Deshalb habe die EZB den Leitzins in nun fünf Schritten um insgesamt 2,75 Prozentpunkte zurückgenommen, seitdem die Bankenkrise im Herbst auch auf die übrige Wirtschaft übergriff. Niedrige Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Verbraucher und können so die Wirtschaft anschieben.
Vom Aufschwung ist die Euro-Zone nach Überzeugung der Notenbanker aber trotz der deutlichen Lockerung der Geldpolitik weit entfernt: Die EZB erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Euro- Zone 2009 um real 2,7 Prozent schrumpft, sagte Trichet. Im Dezember hatte die EZB noch ein Minus von nur 0,5 Prozent prognostiziert. Auch im kommenden Jahr erwartet sie nur eine „allmähliche Erholung“ und eine BIP-Entwicklung in der Bandbreite von minus 0,7 bis plus 0,7 Prozent.
Allerdings könnten sich Konjunkturprogramme und Steuersenkungen positiv auf das Vertrauen der Verbraucher und damit auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Andererseits bestehe weiterhin die Gefahr, dass die Turbulenzen am Finanzmarkt und protektionistische Maßnahmen das Wachstum zusätzlich schwächen.
Die Inflation soll 2009 und 2010 deutlich unter der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent liegen, zeitweise könne die Rate dieses Jahr auch negativ sein, sagte der EZB-Präsident. Im Februar stiegen die Preise im Euro-Raum nach vorläufigen Zahlen der Statistikbehörde Eurostat um 1,2 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet die EZB eine Teuerungsrate zwischen 0,1 und 0,7 Prozent, für 2010 zwischen 0,6 und 1,4 Prozent.








