Leitzinsen: Inflation bestärkt EZB in ihrem harten Kurs

Leitzinsen: Inflation bestärkt EZB in ihrem harten Kurs

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Die EZB fährt weiter einen harten Kurs

Wer geglaubt hatte, die Europäische Zentralbank (EZB) würde in dieser Woche die Zinsen senken, dürfte diese Hoffnung jetzt wohl endgültig begraben.

Denn die jüngsten Inflationszahlen sprechen eindeutig gegen niedrigere Leitzinsen: Im März kletterte die Inflationsrate um 0,2 Punkte auf 3,5 Prozent – das ist der höchste Stand seit Gründung der EZB. Hauptursache für den Inflationsschub ist der hohe Ölpreis, der im Vergleich zum Vorjahr um gut 50 Prozent zugelegt hat. Damit ist die Teuerung weit höher, als die Frankfurter Währungshüter hinnehmen können, ohne ihre Glaubwürdigkeit als Verteidiger der Geldwertstabilität aufs Spiel zu setzen. Die EZB strebt offiziell eine Inflationsrate von weniger als zwei Prozent an.

Hinzu kommt, dass auch das Geldmengenwachstum keine Entwarnung signalisiert. So legte die Geldmenge M3, der von der EZB bevorzugte Frühindikator für künftige Inflationsgefahren, im Februar um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Das sind zwar 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vormonat, ist aber noch immer beunruhigend hoch. EZB-Chef Jean-Claude Trichet und seine Mitstreiter dürften sich also in ihrer Ansicht bestätigt fühlen, dass derzeit die Gefahr einer Beschleunigung der Inflation schwerer wiegt als die Konjunkturrisiken, die von der Finanzmarktkrise und der schwachen US-Konjunktur ausgehen. Deshalb wird jetzt erwartet, dass der EZB-Rat bei seinem Treffen am kommenden Donnerstag den Leitzins unverändert lassen wird – bei 4,0 Prozent, wo er sich bereits seit Mitte vergangenen Jahres befindet.

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Allerdings rechnen die meisten Experten auch damit, dass sich die harte Haltung der EZB in den kommenden Monaten aufweichen wird. Die US-Konjunkturschwäche dürfte bald auch die Konjunktur in Europa stärker belasten. Dann dürfte der Inflationsdruck nachlassen und den Weg frei machen für niedrigere Zinsen.

Ökonomen erwarten, dass die Dreimonatszinsen bis Anfang nächsten Jahres von derzeit 4,7 auf 3,7 Prozent zurückgehen. Dennoch weitet sich die Zinsspanne zu Amerika bei den Kurzfristzinsen immer weiter aus. Denn jenseits des Atlantiks dürfte Notenbankchef Ben Bernanke die Zinsen in den kommenden Monaten noch weiter senken – nachdem er sie seit vergangenem September schon von 5,25 auf 2,25 Prozent heruntergeschleust hat. Die Commerzbank zum Beispiel rechnet angesichts der Finanzkrise und extrem schwacher US-Konjunkturdaten bis zur Jahresmitte mit weiteren Zinssenkungen um einen vollen Prozentpunkt auf dann nur noch 1,25 Prozent. Der Zins für Dreimonatsgeld dürfte dann von derzeit 2,5 Prozent auf etwa 1,5 Prozent zurückgehen.

Am langen Ende der Zinsstruk-turkurve liegen die Renditen in Euroland und Amerika dagegen deutlich näher beieinander. Beträgt die Zinsdifferenz bei den Kurzläufern mehr als zwei Prozentpunkte, so ist es bei den zehnjährigen Staatsanleihen nur etwa ein halber Prozentpunkt. Der Grund: Die Märkte antizipieren offenbar, dass sich der Abschwung in den USA mittelfristig auch auf Europa auswirken wird – und dass es am Ende auch wieder aufwärts geht. Deshalb dürften die Zinssenkungen der Fed auch nicht voll auf die Langfristzinsen durchschlagen, zumal viele Ökonomen sich von der aggressiven Zinspolitik der amerikanischen Notenbank eine Verkürzung der Krise und eine baldige Erholung der US-Konjunktur versprechen. Dies führt dazu, dass die Zinsstrukturkurve steiler wird – das heißt, mit längerer Laufzeit steigen die Zinsen stärker an.

Auch Japan schwächelt Derweil häufen sich die Anzeichen für eine deutlich schwächere Konjunktur in Japan. Vor allem belasten der Abschwung in Amerika und die Aufwertung des Yen im Vergleich zum Dollar die Industrie: Deren Output ging im Februar um 1,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, nach einem Minus von 2,2 Prozent im Januar. Damit dürfte ein deutlicher Rückgang der Industrieproduktion im ersten Quartal kaum mehr abzuwenden sein: Selbst wenn die optimistische Prognose des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) eintritt, das für März einen Zuwachs von 2,0 Prozent erwartet, würde für das Quartal noch ein Minus von 1,9 Prozent herauskommen.

Auch die weiteren Aussichten für Nippons Wirtschaft sind nicht gerade rosig. So zeigt die vierteljährliche Tankan-Umfrage der Notenbank, dass die Stimmung der großen Industrieunternehmen deutlich pessimistischer geworden ist – der Index ging von 19 auf 11 Punkte zurück, den niedrigsten Stand seit vier Jahren. Die Meinungen über die weitere Entwicklung sind gespalten: Die einen werten die Tankan-Umfrage als Beleg, dass Japan den USA in die Rezession folgen werde. Die anderen halten diesen Schluss für voreilig: Immerhin ist der Tankan-Index noch positiv, was bedeutet, dass mehr Unternehmen die Aussichten positiv beurteilen als negativ.

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