Ludwig Georg Braun im Interview: "Keine Angst"

Ludwig Georg Braun im Interview: "Keine Angst"

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DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun

Die Wirtschaft verkraftet den Abschwung, die Erbschaftsteuer könnte einfach sein, und Schüler brauchen Sozialarbeiter, erklärt DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.

WirtschaftsWoche: Herr Braun, das ifo-Weltwirtschaftsklima hat sich zum vierten Mal in Folge verschlechtert, im zweiten Quartal schrumpfte die deutsche Wirtschaft. Sind wir bereits in einer Rezession?

Braun: Die deutsche Wirtschaft ist stark aufgestellt und kann die weltweite konjunkturelle Abschwächung vergleichsweise gut verkraften. Eine Rezession sehe ich nicht, trotz des leichten Rückgangs im zweiten Quartal. Ich rechne weiterhin mit um die zwei Prozent Wirtschaftswachstum für 2008.

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Und für 2009?

Das Wachstum dürfte nicht ganz so gut ausfallen, aber ich erwarte keine Rezession. Der Maschinenbau läuft weiterhin gut, insbesondere die Nachfrage der Schwellenländer Brasilien, Indien und China ist ungebrochen.

Also keine Krise, wie nach dem letzten konjunkturellen Hoch Anfang des Jahrzehnts?

Damals platzte die Internet-Blase. Hinter vielen Unternehmen dieser sogenannten New Economy steckte doch keine Substanz. Die Situation ist heute anders. Zwar kriseln die Finanzmärkte, aber die reale Substanz der Unternehmen ist heute größer. Außerdem sprudeln die Steuereinnahmen in unseren Kommunen, sodass lange aufgeschobene Investitionen in die Infrastruktur jetzt angepackt werden können. Davon profitiert vor allem der Tiefbau. Schwächer läuft es dagegen in Handwerk und Handel – hier macht sich die schwache private Binnennachfrage bemerkbar.

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Sollte die Regierung gegensteuern – mit einem Konjunkturprogramm etwa?

Am meisten nützt der Konjunktur, den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung von derzeit 3,3 Prozent um weitere 0,6 oder 0,7 Prozentpunkte zu senken. Das bringt etwas mehr Kaufkraft und erleichtert Neueinstellungen. Damit ließe sich auch der Beitragsschock neutralisieren, der bei der gesetzlichen Krankenversicherung zum Jahresende droht. Am besten wäre es, auf den unsäglichen Gesundheitsfonds mit seinem einheitlichen Beitragssatz ganz zu verzichten – er macht alles teurer und bürokratischer. Das wäre auch im Sinne der Agenda 2010, die einen positiven Kreislauf von sinkenden Sozialbeiträgen und stärkerem Wachstum in Gang gesetzt hat.

Davon will die SPD des einstigen Agenda-2010-Kanzlers Gerhard Schröder aber nichts mehr wissen.

Leider. Dabei hat die Agenda 2010 eindrucksvoll gezeigt, dass die Selbstheilungskräfte des Marktes funktionieren, wenn man sie nur wirken lässt.

Einer der Väter der Agenda war Franz Müntefering. Würden Sie sich eine politische Rückkehr des SPD-Politikers wünschen?

Ich würde es begrüßen, wenn Herr Müntefering wieder eine bedeutende Rolle in der Politik spielt. Ihm liegen die nachhaltigen Interessen der Arbeitnehmer und Wähler am Herzen, ohne dass er das Gemeinwohl vergisst. Deshalb hat er auch die Agenda 2010 mitgetragen.

Die Zahl der Erwerbslosen ist auch wegen der Agenda in der laufenden Legislaturperiode um zwei Millionen gesunken. Folgt jetzt dem konjunkturellen Abschwung auch ein Einbruch auf dem Arbeitsmarkt?

In diesem Jahr dürfte die Arbeitslosenzahl allenfalls vorübergehend unter drei Millionen sinken, im Jahresdurchschnitt aber wird sie bei rund 3,3 Millionen liegen. Für 2009 rechne ich mit einem weiteren Rückgang um bis zu 200.000. Damit ist der jahrzehntelange Trend einer ständig steigenden Sockelarbeitslosigkeit gebrochen. Die Abschwächung der Konjunktur muss diesmal Millionen Beschäftigten keine Existenzangst mehr machen.

Bekommt denn jeder Schulabgänger im Herbst einen Ausbildungsplatz?

Ein Großteil der ausbildungsfähigen Jugendlichen kann inzwischen aus mehreren Angeboten auswählen. Der Ausbildungspakt, den die Wirtschaft vor gut vier Jahren mit der Regierung geschlossen hatte, wird damit von uns voll erfüllt. Jetzt müssen wir uns noch intensiver um die Kinder und Jugendlichen kümmern, die in der Schule nicht zurechtkommen.

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