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Ludwig von Mises: Der unbeugsame Visionär

von Malte Fischer

Hätte man die Finanzkrise vorhersehen können? Ja. Man hätte nur die Werke von Ludwig von Mises lesen müssen. Seine Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie sind so aktuell wie nie zuvor.

Ludwig von Mises Quelle: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA
Ludwig von Mises gilt als einer der wichtigsten Vordenker des wirtschaftlichen Liberalismus. Quelle: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA

Fragt man fünf Ökonomen nach den Ursachen der Finanzkrise, erhält man oft fünf verschiedene Antworten. Doch in einer Sache sind sich alle Vertreter der Zunft einig: Niemand habe die Krise vorhersehen können. Wirklich nicht? Oh doch! Man hätte nur die Werke eines Ökonomen lesen müssen, der zwar schon seit knapp 40 Jahren tot ist, dessen Ideen und Theorien aber so aktuell sind wie nie zuvor. Die Rede ist von Ludwig von Mises.

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Der österreichische Ökonom hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen die Zentralbank dann mit noch mehr Geld und Kredit zu noch niedrigeren Zinsen zu bekämpfen versucht, was weitere Boom-Bust-Zyklen auslöst.

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Mises’ Theorie fand in Fachkreisen zunächst große Anerkennung, geriet dann jedoch durch das Vordringen der staatsinterventionistischen Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes ab Mitte der Dreißigerjahre in den Hintergrund. Seit Ende der Neunzigerjahre ist das Interesse an von Mises und der österreichischen Schule der Nationalökonomie, dessen herausragender Vertreter er war, neu erwacht. Mises’ Œuvre geht dabei weit über die Geld- und Konjunkturtheorie hinaus. Er zeigte, dass der Sozialismus zum Scheitern verurteilt ist und der Kapitalismus die einzig geeignete Wirtschaftsform für eine freie Gesellschaft darstellt. In seinem Opus magnum „Human Action“ entwickelte Mises unter Rückgriff auf die erkenntnistheoretischen Arbeiten von Immanuel Kant eine Theorie der Logik menschlichen Handelns, in die er die Ökonomie als Teildisziplin einbettete.

Ludwig Heinrich Edler von Mises wurde am 29. September 1881 in Lemberg geboren, einer Stadt im damaligen Österreich-Ungarn (heute Ukraine). Er war noch ein Kind, als sein Vater, der im österreichischen Eisenbahnministerium arbeitete, mit der Familie nach Wien übersiedelte. Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums entschloss sich Mises, Rechtswissenschaften in Wien zu studieren. Dies war damals die einzige Möglichkeit, Vorlesungen in Ökonomie zu belegen. Unter dem Einfluss des Marxisten Carl Grünberg wurde Mises dort zunächst in der Tradition der Historischen Schule ausgebildet, deren Vertreter sich als Sozialingenieure verstanden, die praktische Lösungen für die sozialen Probleme ihrer Zeit entwickelten. Im Zentrum stand für sie das Kollektiv. Entsprechend sprachen sie dem Staat die Aufgabe zu, korrigierend in die Wirtschaft einzugreifen. Eine übergreifende Wirtschaftstheorie lehnten sie ab, stattdessen betteten sie die Analyse in den historischen Kontext ein.

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8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.12.2012, 17:42 UhrPDVler

    Löblich, dass man sich endlich mal getraut hat, einen recht ausführlichen Artikel über den "letzten Ritter des Liberalismus" zu verfassen, schade nur, dass man vergessen hat, die PDV-Partei der Vernunft, zu erwähnen, die sich ja immerhin anschickt, dem Liberalismus in Deutschland, und zwar nach den Lehren Mises´, zu neuem Auftrieb zu verhelfen.

  • 25.04.2012, 14:08 Uhrmad

    Und warum schlägt die "unsichtbare Hand" den Schwachen ins Gesicht?
    Jede Lehr ist nur so gut,wie Mensch sie umsetzt.Moral Hazard hatte in diesen Lehren zu wenig oder hat heute gar einseitige und populistische Beachtung gefunden.

  • 22.04.2012, 10:34 UhrSebastian

    "Das politische Pendant zu Rothbards radikal-libertärem Anarchokapitalismus ist in den USA die Tea-Party-Bewegung." Das ist inkorrekt. Die Tea Party ist im Kern eine konservative Partei, welche die Macht des Staates nicht reduzieren, sondern ausbauen möchte, zB im militärisch-industriellen Komplex. Das politische Pendant ist die Libertarian Party, die drittgrößte Partei der USA.

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