Mario Draghi: "EZB kann Geldspritzen noch verstärken"

Mario Draghi: "EZB kann Geldspritzen noch verstärken"

, aktualisiert 22. Oktober 2015, 18:31 Uhr
Bild vergrößern

Mario Draghi

Die EZB hat die Zinsen quasi abgeschafft und flutet die Märkte mit Geld. Trotzdem sinken die Preise. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Währungshüter noch mehr Geld in den Markt pumpen? Die Börse sagt ja.

Die Hoffnung auf eine noch stärkere Geldflut der Europäischen Zentralbank hat den Dax am Donnerstag zeitweise über die Marke von 10 500 Punkten getrieben. Rückenwind lieferten zudem der von den EZB-Aussagen zugleich geschwächte Euro, da er heimischen Firmen den Export erleichtert, sowie die sehr positive Stimmung an den US-Börsen. Der deutsche Leitindex beendete den Handel schließlich mit einem Plus von 2,48 Prozent auf 10 491,97 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit dem 19. August.

Das Geld im Euroraum bleibt extrem billig: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat wie erwartet am Donnerstag bei seiner auswärtigen Sitzung auf Malta, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Seit März versuchen die Währungshüter zudem, die Konjunktur und den Preisauftrieb zusätzlich mit einem gewaltigen Kaufprogramm anzuschieben: Monatlich 60 Milliarden Euro sollen in Staatsanleihen und andere Vermögenswerte investiert werden, insgesamt 1,1 Billionen Euro bis September 2016 - mindestens. Bis zum 16. Oktober hat die EZB in diesem Rahmen allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 371 Milliarden Euro erworben.

Anzeige

Das frische Geld kommt im Idealfall über Geschäftsbanken in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an. Das soll Investitionen und Konsum anschieben und so die Konjunktur in Schwung bringen und die Inflation anheizen. Doch die Teuerung im Euroraum ist weiterhin weit vom EZB-Ziel von knapp unter 2,0 Prozent entfernt. Im September sank die Inflation sogar auf minus 0,1 Prozent nach plus 0,1 Prozent im August - vor allem, weil die Ölpreise erneut abstürzten.

Der Kampf der EZB gegen die Krise

  • 15. September 2008

    Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers öffnen die großen Zentralbanken die Geldschleusen, um mitten in der Panik an den Finanzmärkten die Geschäfte am Geldmarkt am Laufen zu halten.

  • 8. Oktober 2008

    Die wichtigsten Notenbanken der Welt senken gemeinsam die Zinsen - ein historischer Schritt.

  • 4. Dezember 2008

    Die EZB senkt ihren Leitzins überraschend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit der Einführung des Euro.

  • 24. Juni 2009

    Die EZB stellt den Banken der Euro-Zone erstmals für ein ganzes Jahr Liquidität zur Verfügung. Mehr als 1000 Banken rufen 442 Milliarden Euro ab.

  • 8. August 2011

    Die EZB beginnt mit dem Ankauf von Anleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren zuvor ins Visier der Märkte geraten.

  • 3. November 2011

    Der neue EZB-Präsident Mario Draghi startet seine Amtszeit mit einem Paukenschlag und senkt den Leitzins auf 1,25 Prozent. Unter seinem Vorgänger Jean-Claude Trichet hatte die EZB den Schlüsselzins zuvor in zwei Schritten von einem auf 1,5 Prozent angehoben.

  • 30. November 2011

    In einer koordinierten Aktion stellen die EZB, die amerikanische Fed sowie die Zentralbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz den von der Krise gebeutelten europäischen Banken Dollar zur Verfügung. Den Instituten fiel es zuvor schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren hatten ihnen aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht.

  • 8. Dezember 2011

    Die EZB senkt den Leitzins auf ein Prozent. Zudem werden die Refinanzierungsgeschäfte für die Banken angekündigt.

  • 29. Februar 2012

    Die EZB stellt den Geschäftsbanken in zwei Tranchen zusammen mehr als eine Billion Euro an Liquidität zur Verfügung.

  • 25. Juli 2012

    Die EZB senkt den Leitzins auf 0,75 Prozent. Sie kappt zudem den Einlagesatz auf null Prozent. Sie will damit die Institute ermuntern, mehr Geld an Unternehmen und Haushalte zu verleihen.

  • 26. Juli 2012

    Draghi erklärt in einer mittlerweile berühmten Rede, die Zentralbank werde "alles tun, was nötig ist, um den Euro zu retten". Dieses Versprechen gilt bis heute vielen Experten als Wendepunkt in der Krise. Seitdem haben die Schwankungen an den Finanzmärkten deutlich abgenommen und die Länder können sich wieder günstiger verschulden.

  • 6. September 2012

    Der EZB-Rat beschließt gegen den Widerstand der Bundesbank neue umfangreiche Staatsanleihenkäufe am Sekundärmarkt. Ziel des sogenannten OMT-Programms ist es, die Zukunft des Euro in der Schuldenkrise zu sichern. Tatsächlich wurden aber bis heute keine Anleihen aus dem Programm gekauft.

  • 7. November 2013

    Die EZB senkt ihren Leitzins auf 0,25 Prozent. Als Grund nennt sie die Gefahr einer zu langen Periode zu niedriger Teuerungsraten - sie will also mit noch billigerem Geld verhindern, dass die Wirtschaft der Euro-Zone in einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen und Investitionen gerät.

  • 5. Juni 2014

    Die EZB senkt den Leitzins auf 0,15 Prozent. Erstmals ist zudem der Einlagesatz für Banken negativ. Das hat zur Folge, dass Institute, die lieber Geld bei der Notenbank parken als es an Unternehmen und Haushalte zu verleihen, künftig eine Strafgebühr von 0,1 Prozent zahlen müssen.

  • 4. September 2014

    Die EZB senkt die Leitzinsen auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. Sie will zudem mit zusätzlichen milliardenschweren Geldspritzen die schlappe Konjunktur in der Währungsunion anschieben und die für den Geschmack der Notenbank viel zu niedrige Inflation anheizen. Die EZB kündigte an, ab Oktober den Banken Kreditverbriefungen und auch Pfandbriefe abzukaufen.

  • 22. Januar 2015

    Die EZB kündigt an, monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere zu kaufen. Bis Herbst 2016 dürften auf diese Weise mehr als eine Billion Euro zusammenkommen.

EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, dass die Notenbank die Geldschleusen noch weiter öffnen könne. Auf der Zinssitzung im Dezember werde geprüft, ob die Geldpolitik die Konjunktur ausreichend stimuliere, sagte Draghi. "Der EZB-Rat ist gewillt und in der Lage zu handeln, indem er alle Instrumente nutzt." Das Programm solle bis September 2016 laufen, notfalls auch länger.

Zuletzt waren am Finanzmarkt wegen der niedrigen Inflation Spekulationen aufgekommen, die EZB könne die Maßnahmen ausweiten. Experten glauben allerdings, dass die EZB erst im Dezember nachlegen wird - wenn überhaupt. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner hält eine abwartende Haltung der EZB jedenfalls für angebracht: „Die Erholung der Eurozone ist weiterhin intakt. Gleichzeitig haben sich die Finanzmärkte beruhigt, und für die Schwellenländer gibt es erste Signale der Stabilisierung.“ In einer solchen Situation müsse die EZB ihr Pulver trocken halten.

Weitere Artikel

Ohnehin sieht etwa Bundesbankpräsident Jens Weidmann in der schwachen Preisentwicklung keinen Anlass für eine weitergehende geldpolitische Lockerung: „Ich rate dazu, nicht in hektischen Aktionismus zu verfallen und jetzt Kurs zu halten“, sagte er.

Neben der sehr schwachen Preisentwicklung bereitet der Notenbank auch die Abschwächung der Konjunktur in den Schwellenländern Sorgen. „Die Unsicherheit, die von der Entwicklung in vielen Schwellenländern und nicht zuletzt China ausgeht, und das extrem billige Öl wirken dämpfend auf die Preisentwicklung“, räumte Martin Moryson, Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, ein. Darauf müsse die EZB aber nicht reagieren: „Beides sind Faktoren, die sich nicht von der EZB beeinflussen lassen und die nur vorübergehend wirken.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%