Maues Konsumklima: Europas Bürger horten ihr Geld

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Maues Konsumklima: Europas Bürger horten ihr Geld

Die großen Krisen auf der Welt und die niedrige Inflation verunsichern die europäischen Verbraucher. Das Konsumklima trübt sich spürbar ein – und vergrößert die Sorgen vor einem Abschwung.

Die Sorgen haben sich verschoben, das Ergebnis bleibt das gleich: Europas Bürger blicken pessimistisch in die Zukunft - und schieben Konsumausgaben auf die lange Bank. War bis vor kurzem der Wirtschaftsausblick auf dem heimischen Kontinent Sorgenkind Nummer eins der EU-Bürger, drücken nun der Vormarsch der Terrormiliz IS, die Russland-Sanktionen sowie die Ebola-Epidemie auf die Stimmung der Verbraucher.

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„Das europäische Konsumklima hat sich im Verlauf des dritten Quartals spürbar abgekühlt“, sagte Rolf Bürkl vom Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK der Nachrichtenagentur dpa. Die internationalen Krisen sowie die Konjunkturschwäche in mehreren Ländern zeigten deutlich ihre Wirkung. Der Konsumklimaindex für die 28 Länder der Europäischen Union sank zwischen Juli und September von 9,1 auf 4,2 Punkte, wie die GfK am Donnerstag mitteilte.

Konjunkturflaute Verteidigt die schwarze Null!

Die Wirtschaft lahmt, die Regierung hat ihre Herbstprognose senken müssen. Nun werden die Rufe nach Konjunkturprogrammen lauter. Dahinter steckt Ideologie, kein wirtschaftlicher Sachverstand.

Quelle: dpa

Die Spannungen mit Russland wegen der Ukraine, der Kampf gegen die Terrororganisation IS im Irak und in Syrien sowie der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern im Gazastreifen hinterließen ihre Spuren, erläuterte Bürkl. „Was an Bedeutung für die Verbraucherstimmung stark zugenommen hat, ist das Thema Ebola und das Auftreten von Fällen außerhalb Westafrikas, die dann doch zu einer Verunsicherung bei den Konsumenten geführt haben.“

Hinzu komme die wirtschaftliche Lage in Europa - in fast allen Ländern habe sich die Konjunktur schlechter entwickelt als noch im Frühjahr angenommen. „Einige Länder sind wieder in einen Abschwung beziehungsweise sogar eine Rezession gerutscht“, erläuterte Bürkl. Und Deutschland fungiere nicht mehr als Konjunktur-Lokomotive.

Hinzu kommt: Die Inflationsrate in der Euro-Zone ist im September auf das niedrigste Niveau seit rund fünf Jahren gefallen. Wie das europäische Statistikamt Eurostat in Brüssel am Donnerstag auf Basis endgültiger Berechnungen mitteilte, zogen die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um 0,3 Prozent an.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Das Fatale: Sollte der Binnenkonsum – insbesondere in Deutschland, wo die Kauflaune die Konjunktur stabilisiert hat – nachlassen, droht die selbsterfüllende Prophezeiung. In Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet.

An der Politik ist es nun, positive Stimmung zu verbreiten und die Absturzszenarien mit guten Gründen zu widerlegen. Die gibt es durchaus: Wenn man einigen Ökonomen und (linken) Politikern im In- und Ausland glaubt, steht Deutschlands Volkswirtschaft Europas am Abgrund.

Das ist falsch. Deutschland wächst – und zwar immer noch real um mehr als ein Prozent. Über ein solches Plus würden sich die eigentlichen Euro-Problemländer freuen. Crashszenarien sind nicht realistisch.

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Und auch die Einkommen dürften sich in Deutschland positiv entwickeln. Arbeitnehmer haben dank geringer Inflation und ordentlicher Tarifabschlüsse mehr Geld in der Tasche als in den vergangenen Jahren. Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer werden 2014 um 2,6 Prozent und im kommenden Jahr um 2,7 Prozent zunehmen. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften sich um 2,2 Prozent und 2,9 Prozent erhöhen. Dieses Geld kann gerne ausgegeben werden. Der Konjunktur würde es gut tun.

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