Nachfolger von Franz: Clemens Fuest soll Chef des ZEW werden

Nachfolger von Franz: Clemens Fuest soll Chef des ZEW werden

, aktualisiert 09. November 2011, 17:49 Uhr
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Prof. Dr. Clemens Fuest.

von Axel SchrinnerQuelle:Handelsblatt Online

Der Finanzwissenschaftler und Oxford-Professor Clemens Fuest soll Wolfgang Franz als Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) beerben. Damit steigen seine Chancen auf einen noch renommierteren Job.

DüsseldorfClemens Fuest gilt als einer der profiliertesten deutschen Finanzwissenschaftler. Seit 2008 ist er Professor for Business Taxation an der Universität Oxford. Von dort aus beobachtet und bewertet er regelmäßig die Euro-Krise – nicht immer mit Meinungen, die die Politik gern hört. Zuletzt etwa sprach er sich gegen eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms aus. Dadurch würden bloß unumgängliche strukturelle Anpassungen verzögert, so seine Argumentation.

Dennoch ist Fuests Expertise in der Politik gefragt. Bis Ende 2010 war der aus Münster stammende Volkswirt Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium. Eigens für ihn wurden die Grundsätze für die Reisekostenerstattung der Beiräte angepasst, weil dort eine Anreise aus dem Ausland nicht vorgesehen war.

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Nun soll Fuest neuer Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim werden. Der Aufsichtsrat des ZEW hat intern seine Zustimmung bereits signalisiert, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld des Instituts. Der formale Beschluss steht aber Ende November noch aus.

Fuest soll damit das Erbe von Wolfgang Franz antreten, der sich Ende Februar 2013 in den Ruhestand verabschiedet. Mit dem Posten als ZEW-Chef könnten auch seine Chancen auf einen der begehrten fünf Plätze im Sachverständigenrat steigen. Denn Franz ist derzeit einer der „Weisen“; auch dort wird also ein Nachfolger benötigt.

Dem entgegen steht zwar, dass mit Franz ein Arbeitsmarktexperte aus dem Rat ausscheidet und das Thema Finanzpolitik bereits von Lars Feld, dem Leiter des Walter-Eucken-Instituts, abgedeckt ist. Doch Fuest hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der alle anderen ökonomischen Fragen überschattenden Thematik der Euro-Krise befasst, auch in Gastbeiträgen für das Handelsblatt.

Schon einmal wurde Fuest als Nachfolger im Sachverständigenrat gehandelt, damals für den Finanzexperten Wolfgang Wiegard, der turnusmäßig ausschied. Im Frühjahr 2011 allerdings wurde ihm noch sein striktes „Nein“ zu Steuersenkungen zum Verhängnis – und das FDP-geführte Bundeswirtschaftsministerium entschied sich eben für Lars Feld als neuen Wirtschaftsweisen, einen Freund Fuests.

Nicht nur wegen des Renommees gilt das Amt des ZEW-Präsidenten als sehr attraktiv. Während die Wirtschaftsforschungsinstitute in Berlin und Halle sich schwertun, geeignete Kandidaten für ihre Vakanzen zu finden, wurden für den ZEW-Posten gleich fünf namhafte Ökonomen gehandelt.

Das Institut, 1990 auf Initiative der baden-württembergischen Landesregierung, der regionalen Wirtschaft und der Universität Mannheim gegründet, wird als GmbH geführt. Darum kann es seinem Präsidenten ein weitgehend frei verhandelbares Gehalt zahlen, das sich nicht zwingend an der deutschen Professoren-Besoldung orientieren muss. Mit 16,25 Millionen Euro (2010) hat das ZEW das größte Budget der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute.

Quelle:  Handelsblatt Online
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