Neue Deutsche Welle: Warum ein Globalisierungsforscher auf Mikrodaten setzt

Neue Deutsche Welle: Warum ein Globalisierungsforscher auf Mikrodaten setzt

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Ökonom Görg

von Malte Fischer

Holger Görg ist einer der profiliertesten Globalisierungsforscher Deutschlands. Mit Mikrodaten aus den Betrieben analysiert er, welche Folgen Globalisierung und Outsourcing haben.

Um diesen Arbeitsplatz dürften Holger Görg viele Kollegen beneiden – vor allem solche, die dem Wassersport zugeneigt sind. Der 39-jährige Forscher von der Universität Kiel hat neben seinem Büro auf dem Campus der Uni noch ein zweites Büro im Institut für Weltwirtschaft (IfW)– direkt an der Kieler Förde. In dem hält sich Görg, kein Wunder, die meiste Zeit auf. So kann der passionierte Segler nach der Arbeit gleich in See stechen.

Die Verbindung von Beruf und Hobby ist aber nur ein angenehmer Nebeneffekt. Der Hauptgrund, warum der gebürtige Westerwälder in die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt kam, ist ein anderer. Die Kieler Universität und das IfW hatten vor drei Jahren auf der Suche nach einem Experten für Außenwirtschaft bei ihm angeklopft. Görg hatte sich auf diesem Gebiet einen exzellenten Ruf in der Forscherszene erarbeitet. Er bekam den Job.

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Dass er zu einem der führenden Globalisierungsexperten in Deutschland aufsteigen würde, hat er zu Beginn seiner Ausbildung nicht ahnen können. Nach der Lehre zum Bankkaufmann sattelte er „aus Karrieregründen“ ein Betriebswirtschaftsstudium oben drauf. Dann stellte er fest, dass ihn die Volkswirtschaftslehre viel mehr interessierte. Er brach zu einem VWL-Aufbaustudium nach Irland auf, später wechselte er an das renommierte Trinity College in Dublin, wo er über „die Auswirkungen multinationaler Unternehmen auf Irland“ promovierte. Mit dieser Arbeit setzte er die Agenda für seine nachfolgende Forschung, die sich um Fragen der Globalisierung, des Outsourcings und die Rolle global agierender Unternehmen rankt.

Während andere Wissenschaftler ihre Themen im Elfenbeinturm entwickeln, gewinnt Görg seine Ideen aus der Beobachtung der Realität. „Mitte der Neunzigerjahre bauten viele Global Player in Irland ihre Europazentralen auf, ich wollte wissen, welche Folgen das hat“, erklärt er sein Interesse an der Globalisierung. Auch wenn es Verlierer der Globalisierung gibt, sieht Görg in ihr eine Entwicklung, die den weltweiten Wohlstand gesteigert hat. Deshalb warnt er, die Finanzkrise jetzt zum Anlass zu nehmen, die Globalisierung zurückzudrehen.

Outsourcing ebbt ab

Die große Welle des Outsourcings dürfte ohnehin vorbei sein. „Die Unternehmen konzentrieren sich jetzt darauf, die Produktion zwischen ihren internationalen Standorten zu optimieren“, sagt Görg. Manche ziehe es auch wieder in die Heimat zurück, weil Qualität und Service durch die Verlagerung gelitten haben.

Görg geht davon aus, dass sich in den nächsten Jahren zwar weitere Länder in die internationale Arbeitsteilung einklinken werden. Allerdings werde das nicht so heftige Folgen auf die Industrieländer haben wie die Öffnung Chinas und Indiens. Die sich öffnenden Länder seien deutlich kleiner als die beiden asiatischen Giganten. Zudem schauten die Firmen aus den Industrie-ländern bei ihren Standort-entscheidungen nicht mehr allein auf die Lohnkosten, sondern auch auf die Qualität der Arbeit.

Während die meisten Globalisierungsforscher mit Makrodaten aus der Vogelperspektive arbeiten, nimmt Görg lieber die Froschperspektive ein – er untersucht die Globalisierung anhand von Unternehmensdaten. „Diese mikrofundierte Analyse lässt Aussagen über das Verhalten einzelner Gruppen von Unternehmen zu“, erklärt Görg seinen Ansatz. Daraus könne man bessere Handlungsempfehlungen für die Politik ableiten. Allerdings sei es in Deutschland – anders als in Irland – schwierig, an die benötigten Daten zu kommen. „In Irland halfen mir meine langjährigen Kontakte zu den Mitarbeitern in den Ministerien, die häufig selbst Ökonomen waren und viel Verständnis für die Forschung aufbrachten“, sagt Görg. Dagegen sei die Verbindung zwischen Wissenschaft und Politik hierzulande noch ausbaufähig.

Gut möglich, dass ihm der Zugang zu Daten leichter fällt, wenn sich in den hiesigen Ministerien und Ämtern herumspricht, dass Görg einer der forschungsstärksten Jung-Ökonomen Deutschlands ist. Im vergangenen Jahr erhielt er den Gossen-Preis, den der Verein für Socialpolitik an international erfolgreiche deutsche Ökonomen unter 45 Jahren vergibt.

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