Neue Geldschwemme gewünscht: Die Deflationspanik gefährdet die Euro-Zone

ThemaKonjunktur

Neue Geldschwemme gewünscht: Die Deflationspanik gefährdet die Euro-Zone

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Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, muss die sinkenden Preissteigerungsraten im Auge behalten

von Malte Fischer

Senkt EZB-Chef Mario Draghi heute den Zins? Politiker und Zentralbanker aus den Krisenländern hoffen darauf und warnen deshalb lautstark vor Deflation. Doch hinter der Panikmache steckt eine durchtriebene Strategie.

Normalerweise scheren sich Banker und Börsianer nicht darum, ob das Osterfest in den März oder in den April fällt. Doch dieses Jahr ist es anders. Denn die ferientypischen Preisaufschläge bei Pauschalreisen wirbeln zurzeit die Inflationsraten in der Währungsunion durcheinander. Und die sind so wichtig wie selten zuvor. Denn seit die Euro-Inflation im März unerwartet auf 0,5 Prozent einkrachte, streiten sich Ökonomen, Politiker und Zentralbanker, ob der Währungsunion eine gefährliche Deflation, also eine Phase mit rückläufigen Preisen, droht.

Deshalb war die Spannung groß, als die europäische Statistikbehörde Eurostat Mitte vergangener Woche die Inflationsrate für den Monat April veröffentlichte. Wegen des späten Osterfestes im April kam es zu einem leichten Teuerungsschub. Doch mit nur 0,7 Prozent liegt die Inflationsrate weiter meilenweit unter dem selbstgesteckten Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent.

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Finanzanalysten fordern Vorgehen der EZB

Das ist Wasser auf die Mühlen all jener, die seit Wochen lautstark vor einer Deflation warnen und die EZB auffordern, die geldpolitischen Zügel zu lockern. So mahnte vergangene Woche Frankreichs Regierungschef Manuel Valls, die Währungshüter sollten eine „angemessenere Geldpolitik“ betreiben, um den vom starken Euro ausgehenden Abwärtsdruck auf die Preise zu bekämpfen.

Interview mit Mark Zandi "Uns droht eine gefährliche Preisspirale"

Der Chefökonom des US-Finanzinstituts Moody’s Analytics rechnet mit einer niedrigen Inflation in den Euro-Ländern und erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) aggressiv gegen die Euro-Stärke vorgeht.

Quelle: dpa/Montage

Unterstützt wird Valls aus der Finanzindustrie. Seit Wochen feuern Analysten von Banken und Finanzdienstleistern Studie um Studie ab, in denen sie das Menetekel einer deflationären Abwärtsspirale für die Euro-Zone an die Wand malen. „Die EZB muss aggressiver gegen den starken Euro und die anhaltend niedrige Inflation vorgehen“, fordert Mark Zandi, Chefökonom des US-Finanzinstituts Moody’s Analytics.

Noch hält die EZB dem Druck stand. Ihr Chef, Mario Draghi, betonte bis zuletzt, er könne keine sich selbst verstärkende Deflation in der Euro-Zone erkennen. Sollten die Abwärtsrisiken für die Preise jedoch zunehmen, sei die EZB zum Handeln bereit. Dass dies schon am Donnerstag dieser Woche der Fall sein könnte, wenn sich die Euro-Hüter in Brüssel treffen, um über die Geldpolitik zu beraten, halten Beobachter für wenig wahrscheinlich. Sie setzen auf das Treffen der Notenbanker Anfang Juni. „Die EZB wird dann nicht darum herumkommen, ihre Inflationsprognose nach unten zu revidieren“, sagt Klaus Bauknecht, Ökonom der Düsseldorfer Bank IKB. Die EZB könnte dies zum Anlass nehmen, die geldpolitischen Schleusen noch weiter zu öffnen.

Es wäre ein geldpolitischer Coup sondergleichen. Denn von einer schweren Deflation, wie sie die Warner an die Wand malen, ist die Euro-Zone so weit entfernt wie der Neptun von der Sonne. „Wir haben das Tief der Inflation hinter uns, bis Ende des Jahres wird sie in Richtung ein Prozent steigen“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

In der Abwärtsspirale

Das legt den Verdacht nahe, dass die Deflationswarner etwas anderes im Schilde führen, als die Wirtschaft vor einer Abwärtsspirale zu bewahren. Mit ihrem alarmistischen Geschrei wollen sie der EZB argumentativ den Weg zu einer Inflationspolitik bereiten. Das Ziel dahinter: Die hoch verschuldeten Staatshaushalte sollen vor dem Bankrott bewahrt und durch die Notenpresse finanziert werden. Weil in den Krisenländern die Bereitschaft zu drakonischen Sparmaßnahmen politisch erschöpft, die Aussicht auf hohe Wachstumsraten gering und ein Schuldenschnitt tabu ist, bleibt ihnen nur, die Zinsen zu drücken und die Inflation zu erhöhen, um ihre Schuldenquoten in den Griff zu bekommen.

Dazu aber benötigen sie die EZB. Bringen sie die Euro-Hüter dazu, Staatsanleihen zu kaufen, wäre die Finanzierung der öffentlichen Haushalte über die Notenpresse gesichert – und der Druck zu harten Reformen endgültig verschwunden. Die Euro-Hüter mutierten in diesem Fall zum Lakai der Finanzminister – und die Euro-Schuldenspirale drehte sich immer schneller.

Was es mit der viel beschworenen Deflationsgefahr wirklich auf sich hat und wie Deflation auf die Wirtschaft wirkt, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

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