New Economics: Das iPhone-Paradox

New Economics: Das iPhone-Paradox

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iPhone

Das iPhone gilt als Paradeprodukt der amerikanischen Wirtschaft. Doch das US-Handelsdefizit mit China hat sich durch Apples Superhandy noch vergrößert. Warum das Kulthandy jetzt der amerikanischen Ökonomie schadet.

Kaum ein amerikanisches High-Tech-Produkt hat zuletzt so viel Aufmerksamkeit erregt wie das iPhone. 2007 von Apple auf den Markt gebracht, gilt das Luxus-Mobiltelefon als Aushängeschild amerikanischer Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Solche Produkte, könnte man meinen, sollten helfen, das US-Handelsdefizit zu reduzieren und den Dauerstreit zwischen den USA und China über globale Ungleichgewichte und den Dollar-Yuan-Wechselkurs ein wenig zu entschärfen.

Doch weit gefehlt. Laut einer aktuellen Studie des Asian-Development Bank Institute (ADBI)* hat das iPhone Amerikas Handelsdefizit mit China sogar ausgeweitet – alleine 2009 im Umfang von 1,9 Milliarden Dollar. Ein vermeintliches Paradox, das in dem Paper ausführlich beleuchtet wird. Tatsächlich lässt Apple den größten Teil der iPhone-Komponenten im Ausland fertigen: Von den 179 Dollar Produktionskosten pro Stück lassen sich nur rund elf Dollar US-Unternehmen zuordnen. Das Gros der Wertschöpfung wird von Firmen in Japan (Toshiba), Korea (Samsung) und Deutschland (Infineon) erzielt.

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Überraschend ist, dass chinesische Firmen kaum zur Wertschöpfung beitragen: Sie importieren nur die Komponenten und bauen sie zusammen, was nur 6,50 Dollar oder 3,6 Prozent der Stückkosten ausmacht. Doch nun kommt das Entscheidende: Da China das Endprodukt iPhone ausführt, wird ihm der gesamte Produktionswert in der Exportstatistik gutgeschrieben. Die USA importierten danach 2009 11,3 Millionen iPhones aus China, was ein Handelsdefizit von 1,9 Milliarden Dollar ergibt. „Die aus anderen Staaten importierten Komponenten blähen den chinesischen Exportwert enorm auf“, schreiben die Autoren. Rechnete man sie heraus, hätten die USA mit dem iPhone 2009 einen leichten Handelsüberschuss von 48 Millionen Dollar gegenüber China erzielt. Die herkömmliche Statistik verzerre damit die globalen Handelsungleichgewichte stark, kritisieren die Autoren. Am Beispiel iPhone zeigen sie zudem, dass selbst eine relativ starke Aufwertung des Yuan zum Dollar daran wenig ändern dürfte. Würde der Yuan um 20 Prozent zum Dollar gewinnen, würde dies die Stückkosten des iPhone nur um 1,30 Dollar erhöhen – zu wenig, um sich nennenswert auf die Handelsbilanz auszuwirken. Fazit der Ökonomen: Innovative US-High-Tech-Unternehmen sollten mehr Aufträge zur Endfertigung von Produkten im eigenen Land vergeben. Das würde der US-Handelsstatistik mehr helfen als das Jammern über den Wechselkurs.

* Xing, Yuqing/Detert, Neal: How the iPhone Widens the United States Trade Deficit with the People’s Republic of China. ADBI -Working Paper No. 257. Dezember 2010

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