New Economics: Der Mindestlohn bleibt umstritten

New Economics: Der Mindestlohn bleibt umstritten

Bild vergrößern

Lohndumping verboten? Der Mindestlohn bleibt umstritten

Ein flächendeckender Mindestlohn würde den Armen helfen und die Ungleichheit verringern, sagen Befürworter. Eine neue Studie des DIW zeigt: Das stimmt nicht.

Ein flächendeckender Mindestlohn würde den Armen helfen und die Ungleichheit verringern, sagen Befürworter. Eine neue Studie des DIW zeigt: Das stimmt nicht.

Der Kampf um den Mindestlohn geht in die nächste Runde. In Bayern will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ihn jetzt sogar mithilfe eines Volksbegehrens durchsetzen – am 1. Mai wurden Unterschriften dafür gesammelt. Die Vorgehensweise ist neu, die Argumente nicht: Gewerkschaften und SPD-Linke wollen einen flächendeckenden Mindestlohn, um zu verhindern, dass Armut und Ungleichheit in Deutschland weiter zunehmen.

Anzeige

Experten halten dem entgegen, dass ein hoher Mindestlohn Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor vernichten würde. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin nähert sich dem Thema jetzt aus einer ganz anderen Richtung. In einem noch unveröffentlichten Studienentwurf, der der WirtschaftsWoche vorliegt, untersuchen die DIW-Ökonomen Kai-Uwe Müller und Viktor Steiner die Verteilungseffekte des vom DGB geforderten Mindestlohns von 7,50 Euro – unter der Annahme, dass dadurch keine Jobs verloren gehen würden. Ihr überraschendes Ergebnis: Selbst unter dieser wagemutigen Annahme sei der vorgeschlagene Mindestlohn „kein effektives Instrument zur Einkommens-umverteilung und zur Verringerung der Armut“.

Dabei würden die Stundenlöhne im Niedriglohnbereich, die im Schnitt bei 5,70 Euro liegen, natürlich kräftig steigen – die Differenz zu 7,50 Euro beträgt gut 30 Prozent. Die Nettoeinkommen der vom Mindestlohn betroffenen Haushalte verändern sich dadurch aber nur vergleichsweise geringfügig, und zwar um 2,1 Prozent im Westen und 4,0 Prozent im Osten. Das liegt daran, dass die Einkommen im Niedriglohnbereich durch das Arbeitslosengeld II aufgestockt werden, dieser Zuschuss bei steigendem Einkommen aber weitgehend wegfällt. Daher sind auch die Verteilungseffekte des Mindestlohns kaum messbar.

Der Befund ist also eindeutig: Ein flächendeckender Mindestlohn von 7,50 Euro würde die von seinen Befürwortern erhoffte Wirkung gänzlich verfehlen. Dies gilt umso mehr, wenn mögliche Jobverluste auch noch mitberücksichtigt würden – dann, so die Autoren, „dürfte das Urteil über die Nützlichkeit des Mindestlohns als Mittel zur Armutsbekämpfung noch pessimistischer ausfallen“. Die DIW-Studie fügt damit der überwältigenden wissenschaftlichen Evidenz, die gegen einen flächendeckenden Mindestlohn spricht, einen weiteren Mosaikstein hinzu. Einen Mosaikstein von Gewicht, zumal das DIW gänzlich unverdächtig ist, neoliberale Ideologie zu verbreiten. Da bleibt zur eine mögliche Schlussfolgerung: Die Mindestlohnpläne von SPD und Gewerkschaften sollten jetzt endgültig in der Schublade verschwinden.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%