New Economics: Große Unternehmen feuern schneller

New Economics: Große Unternehmen feuern schneller

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Große Unternehmen reagieren stärker auf Krisen als kleine, zeigt eine neue Studie. In schlechten Zeiten setzen sie überproportional mehr Mitarbeiter vor die Tür und werben sie dann im Aufschwung für viel Geld wieder ab.

Wem es noch an letzten Beweisen mangelte, dass diese Krise nicht mehr virtuell, sondern real bei den Bürgern ankommt, dürfte jetzt überzeugt sein: Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 1928 ist in einem März der Frühjahrsaufschwung am Arbeitsmarkt ausgeblieben. Die Zahl der Arbeitslosen stieg auf 3,586 Millionen – 34.000 mehr als im Vormonat. Die OECD befürchtet, dass 2010 sogar fünf Millionen Deutsche ohne Job dastehen könnten.

Wohl dem, der jetzt in einem kleineren Unternehmen arbeitet. Immerhin 71 Prozent der 3,5 Millionen kleinen und mittelständischen Unternehmen wollen trotz Krise ihre Stammbelegschaft halten, ergab jüngst eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Dagegen planten 44 Prozent der Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern einen Jobabbau.

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Mittelständler entlassen zögerlicher

Das viel bemühte Zitat vom Mittelstand als Jobmotor untermauern nun auch Arbeitsmarktforscher. In einer Studie des Bonner Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit weisen die Ökonomen Guiseppe Moscarini und Fabien Postel-Vinay empirisch nach, dass große Unternehmen sensibler auf das Auf und Ab der Konjunktur reagieren.*

Sie entlassen während einer Rezession im Verhältnis zu Mittelständlern mehr Mitarbeiter. Selbst wenn das Tal durchschritten ist, stellen die Großen nur zögerlich ein, ergibt die Auswertung umfangreicher Statistiken aus vier Konjunkturzyklen in mehreren Ländern. Erst am Ende des Aufschwungs rekrutieren die Großen kräftig – und wachsen dann schneller als kleine Unternehmen.

Neue Erkenntnisse für ökonomische Feinschmecker

Offenbar versuchen kleine Unternehmen lange an ihrem Personal festzuhalten, weil sie stärker auf ihre Fachkräfte angewiesen sind. Die Autoren beschreiben nämlich, dass am Ende eines Aufschwungs die kleineren Unternehmen von großen Mitbewerbern regelrecht ausgeplündert werden. Die Konzerne werben mit hohen Gehältern die besten Leute ab. Das allerdings braucht seine Zeit, was erklären würde, warum kleine Betriebe im Aufschwung zunächst schneller wachsen und früher ihre Maximalgröße erreichen.

Für ökonomische Feinschmecker ist diese Erkenntnis durchaus von Relevanz. Bisher galt die sogenannte Gibrat-Regel, nach der das Wachstum eines Unternehmens unabhängig von der Zahl der Beschäftigten ist. Die Studie zeigt, dass dem offenbar nicht so ist, berücksichtigt man Konjunkturzyklen. Im Grunde aber bestätigt das Forscher-Duo, was wir schon immer ahnten: Mag es noch so attraktiv sein, bei einem großen Unternehmen zu arbeiten – sobald es ungemütlich wird, geht das Zittern um den Job los.

* Guiseppe Moscarini, Fabien Postel-Vinay: „Large Employers Are More Cyclically Sensitive“. IZA Discussion Paper No. 4014, Februar 2009

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