New Economics: Mit Keynes plus Hayek durch die Krise

New Economics: Mit Keynes plus Hayek durch die Krise

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John Maynard Keynes: Der Brite forderte eine aktive Rolle des Staates in Wirtschaftskrisen

von Malte Fischer

Um die Wirtschaft nach dem Platzen von Spekulationsblasen wieder flottzumachen, bedarf es staatlicher Nachfragepolitik und marktwirtschaftlicher Bereinigung. Eine Studie empfiehlt die Mischung der ökonomischen Rezepte von Keynes und Hayek.

Wenn es darum geht, wie die Politik auf schwere Rezessionen reagieren soll, gehen die Meinungen der Ökonomen weit auseinander. Die Mehrheit beruft sich auf die Lehren des britischen Ökonomen John Maynard Keynes und argumentiert, der Staat solle mit Konjunkturprogrammen einem drohenden Absturz entgegenwirken.

Andere Ökonomen verweisen dagegen auf die Lehre der österreichischen Schule von Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises. Für sie sind Rezessionen reinigende Gewitter, um die im Boom entstandenen Überinvestitionen und Spekulationsblasen zu liquidieren. Staatliche Konjunkturprogramme würden diese Bereinigung nur verhindern.

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Wer hat recht? Eine neue Studie der Deutschen Bank* sagt: beide. Um eine ungebremste Abwärtsspirale zu verhindern und trotzdem Ungleichgewichte zu beseitigen, bedarf es einer Mischung aus Keynes und Hayek. Setze man nur auf einen der beiden Ansätze, führe das in die Katastrophe.

Aus Japans Fehlern lernen

So habe die von der österreichischen Schule geprägte anfängliche Zurückhaltung der Regierungen und Notenbanken Anfang der Dreißigerjahre dazu beigetragen, dass die Wirtschaft in die Depression stürzte. Die Anhänger der österreichischen Schule hatten ihre Ideen vor dem Ersten Weltkrieg entwickelt, als die Finanzmärkte noch wenig vernetzt waren. Anfang der Dreißigerjahre sah die Lage jedoch schon ganz anders aus. Im Finanzsektor hatte sich ein global umspannendes Netzwerk entwickelt, das Krisenimpulse übertrug und Dominoeffekte in der Realwirtschaft auslöste. In der modernen Welt führt der Verzicht auf staatliche Hilfen bei schweren Finanzkrisen daher leicht zur wirtschaftlichen Kernschmelze.

Allerdings wäre es falsch, allein auf staatliche Nachfragestimuli zu setzen und Bereinigungsprozesse zu blockieren. Das zeigt das Beispiel Japans. Nach dem Platzen der Spekulationsblase hatte die Regierung in den Neunzigerjahren unzählige Konjunkturprogramme aufgelegt. Doch der Funke sprang nicht auf die private Wirtschaft über.

Der Grund: Japan hatte die Bereinigung seines Bankensektors vernachlässigt. Unter dem Druck notleidender Forderungen hielten die Banken sich jahrelang mit Krediten zurück. Stagnation und Deflation waren die Folgen. Mit Blick auf die aktuelle Krise machen die Deutschbanker deshalb Mut. Derzeit gebe es eine Kombination aus finanz- und geldpolitischen Nachfragestimuli und marktwirtschaftlicher Bereinigung, zu der Schuldenabbau, Wertberichtigungen im Bankensektor und Unternehmensfusionen gehörten.

Eine Depression sei daher ebenso unwahrscheinlich wie ein verlorenes Jahrzehnt aus Stagnation und Deflation, wie es Japan erlebt hat.

* Michael Biggs, Thomas Mayer, Francis Yared: Austro-Keynesianism, Deutsche Bank Global Markets Research, Oktober 2009

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