Nicht nur Konjunkturpaket: Was den schwachen Euro gefährlich macht

Nicht nur Konjunkturpaket: Was den schwachen Euro gefährlich macht

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Die Gemeinschaftswährung schwächelt.

Die Euro-Schwäche wird als Konjunkturprogramm gelobt. Langsam melden sich aber immer mehr Kritiker, die zu Recht auf die Nachteile einer lahmenden Währung hinweisen.

Der schwache Euro gilt derzeit als einer der Glücksboten für die deutsche Konjunktur. Die Bundesbank verbesserte erst am Montag ihre Wachstumsaussichten. Grund für den Optimismus war einmal mehr der schwache Euro. Die Industrie könne von der steigenden Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure profitieren, erklärte die Bank in ihrem Monatsbericht.

Als "Segen für deutsche Exporteure" wird die Gemeinschaftswährung, die mit einem Stand von gut 1,14 US-Dollar so günstig ist wie seit Jahren nicht mehr, gern bezeichnet. Der schwache Euro begünstigt Ausfuhren für deutsche Unternehmen, ihre Waren werden für Ausländer wieder attraktiver. Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie die deutsche anscheinend ein Wundermittel für konjunkturelle Höhenflüge.

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Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Doch was nach eitel Sonnenschein klingt, hat auch seine Schattenseiten, die nicht ignoriert werden sollten.

Innovationsbremse Euro

Am Dienstag warnte Stefan Kapferer, stellvertretender Generalsekretär der OECD in Paris, der schwache Euro könnte die Innovationskraft der heimischen Unternehmen belasten. Denn wenn die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen allein aufgrund der schwachen Währung hoch ist, sind sie nicht gezwungen, neue Produkte und Technologien voranzutreiben. "Mit einem Euro im Sinkflug würde ein Innovations- und Produktivitätstreiber der Vergangenheit entfallen", schreibt Kapferer im "Handelsblatt".

Der ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass in den Zeiten vor der Gemeinschaftswährung in der Euro-Zone deutsche Unternehmen durch die tendenziell aufwertende D-Mark gezwungen wurden, ihre Handelspartner durch Innovationen zu überzeugen. Würden sich die Unternehmen jetzt auf den Vorteilen des schwachen Euros ausruhen und notwendige Anpassungsprozesse in die Zukunft verlagern, wäre das aus Kapferers Sicht ein großer Fehler.

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Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte bereits vor einer allzu positiven Sicht auf die Schwäche der heimischen Währung. In der äußersten Konsequenz drohe ein Währungskrieg, also ein Abwertungswettkampf. Noch unternimmt die USA nichts gegen das Aufwerten des Dollar, aber das muss nicht immer so bleiben. Schon auf dem G20-Treffen in Istanbul vor einigen Tagen warnte US-Finanzminister Jack Lew davor, gezielte Abwertungen der Währungen für Handelsvorteile zu nutzen.

Auch für die deutschen Unternehmen kann der Konjunktur-Booster schnell zum Wachstumskiller werden - wenn der Ölpreis wieder steigt. Dann steigen die Ausgaben der Konzerne für Energie deutlich und machen zumindest einen Teil der exportbedingten Vorteile wieder zunichte.

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