Niedrige Energiepreise: Mini-Inflation entlastet Verbraucher

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Niedrige Energiepreise: Mini-Inflation entlastet Verbraucher

, aktualisiert 11. April 2014, 15:37 Uhr
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Billigeres Tanken und Heizen sowie langsamer steigende Lebensmittelpreise haben die Inflationsrate auf den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Jahren gedrückt.

Seit Monaten ist die Inflation in Deutschland niedrig. Günstigerer Sprit, niedrigere Kosten für Heizöl - was Verbraucher freut, könnte die Konjunktur hemmen. Jedoch rechnen Ökonomen mit einer baldigen Trendwende.

Sinkende Energiepreise bremsen den Preisauftrieb in Deutschland weiter. Im März fiel die jährliche Teuerungsrate auf 1,0 Prozent und damit auf den tiefsten Stand seit August 2010, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Damit bestätigte die Behörde ihre erste Schätzung von vor zwei Wochen. Der seit Monaten rückläufige Trend bei den Verbraucherpreisen setzte sich somit fort: Für Dezember war noch ein Wert von 1,4 Prozent ermittelt worden, im Januar dann 1,3 Prozent, im Februar 1,2 Prozent. Von Februar auf März 2014 zogen die Preise um 0,3 Prozent an.

Weil die Werte für den gesamten Euroraum zuletzt noch niedriger lagen - im März bei 0,5 Prozent - warnen manche Volkswirte vor einer gefährlichen Abwärtsspirale sinkender Preise auf breiter Front. Das könnte die ohnehin noch fragile Konjunkturerholung ausbremsen, weil Unternehmen und Verbraucher in Erwartung weiter sinkender Preise Investitionen aufschieben.

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Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

  • Was bedeutet das niedrige Preisniveau für Verbraucher?

    Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird: Die Euro-Stärke verbilligt die in Dollar abgerechneten Rohölimporte. Niedrige Inflation ist also in diesem Fall gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge.

  • Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

    Das Problem ist, wie Verbraucher und Unternehmen die künftige Entwicklung des Preisniveaus einschätzen. Wer weiter sinkende Preise erwartet, verschiebt vielleicht den Kauf der neuen Waschmaschine oder die Investition in die neue Fabrikhalle - denn es kann ja eigentlich nur günstiger werden. Das könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Unternehmen machen weniger Gewinn, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck, Preise weiter zu senken, nimmt zu. Diese Verkettung lähmt die Konjunktur. In der Folge sinken auch die Steuereinnahmen und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

  • Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?

    70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

  • Droht eine für die Konjunktur gefährliche Deflation?

    Darüber gehen die Meinungen auseinander. So warnt das DIW vor der Gefahr „einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale“ bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Im „Focus“ schreibt er: „Ohne ein beherztes Eingreifen der EZB sehe ich schwarz.“ Europas Währungshüter rechnen zwar mit einer niedrigen Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr, Deflationsrisiken sehen sie aber nicht.

  • Was kann die Europäische Zentralbank tun?

    Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihekauf („Quantitative Lockerung/QE). „Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert“, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

  • Wie werden sich die Verbraucherpreise weiter entwickeln?

    Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt, warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.

  • Müssen Verbraucher für Nahrungsmittel weiterhin mehr zahlen als 2013?

    Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

Ein solches Deflationsszenario sieht die Europäische Zentralbank (EZB) bislang nicht, auch wenn die Inflation nach Einschätzung der Notenbank erst 2015 allmählich wieder in Richtung des EZB-Ziels von knapp unter 2,0 Prozent steigen dürfte. Bei diesem Niveau sehen die Währungshüter stabile Preise gewahrt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte vor einer Woche klargestellt, die Notenbank werde sich notfalls auch mit unkonventionellen Mitteln gegen einen zu schwachen Preisauftrieb stemmen. Möglich wäre zum Beispiel ein breit angelegter Kauf von Anleihen.

Ökonomen erwarten Trendwende

Volkswirte gehen jedoch davon aus, dass die Teuerungsraten schon im April wieder anziehen werden - unter anderem weil Ostern in diesem Jahr relativ spät liegt und die Preise für Pauschalreisen daher in diesem April stärker steigen dürften als vor einem Jahr.

Die vergleichsweise niedrige März-Inflationsrate in Deutschland erklärte das Bundesamt wie in den Vormonaten mit sinkenden Preisen für Mineralölprodukte. Heizöl und Kraftstoffe verbilligten sich in der Summe im Jahresvergleich um 4,2 Prozent.

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Dagegen mussten Verbraucher für Nahrungsmittel im Schnitt 2,2 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor. Der Preisanstieg bei Lebensmitteln fiel jedoch deutlich geringer aus als in den Vormonaten. Im Februar hatten die Statistiker noch ein Plus von 3,5 Prozent zum Vorjahr festgestellt.

Dennoch kosteten auch im März einige Lebensmittel deutlich mehr als vor zwölf Monaten: Quark verteuerte sich um 18,9 Prozent, H-Milch um 13,4 Prozent und Butter um 13,3 Prozent. Für Obst mussten die Verbraucher 4,0 Prozent mehr bezahlen als im März 2013. Deutlich günstiger waren hingegen Eier (-7,6 Prozent) und Gemüse (-2,2).

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