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Nobelpreisträger: Lasst Daten sprechen

von Malte Fischer

Der Wirtschaftsnobelpreis für Thomas Sargent und Christopher Sims ist eine überfällige Warnung vor dem Glauben an staatliche Konjunkturpolitik.

Wirtschaftsnobelpreisträger Quelle: REUTERS/Tim Shaffer
Wirtschaftsnobelpreisträger Christopher Sims (r) und Thomas Sargent (l) Quelle: REUTERS/Tim Shaffer

Die Entscheidungen des Stockholmer Nobelpreiskomitees sorgen immer wieder für Überraschungen. Doch selten hat es Beobachtern so die Sprache verschlagen wie diesmal. Dass der Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaft 2011 ausgerechnet an die US-Ökonomen Thomas Sargent von der New York University und Christopher Sims von der Princeton University geht, hatte niemand erwartet. Die beiden sind zwar keine Unbekannten in der Zunft. Doch ihre Forschungsrichtung, die empirische Makroökonomie, steht seit Beginn der Finanzkrise heftig unter Beschuss. Politiker und Medien werfen ihr vor, die Finanzkrise nicht vorhergesehen zu haben.

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Zweifel an Staat und Notenbank

Die Vergabe des Nobelpreises an die beiden US-Ökonomen für ihre "Analysen von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen in der Makroökonomie" ist eine mutige Entscheidung gegen den Zeitgeist. Sie stärkt nicht nur der empirischen Makroforschung den Rücken, sondern ist auch ein Signal, staatlichen Konjunkturprogrammen und geldpolitischen Ankurbelungsmaßnahmen mit mehr Skepsis zu begegnen.

Insbesondere die Arbeiten von Sargent wecken Zweifel daran, ob Staat und Notenbank in der Lage sind, die Wirtschaft zu beleben. Bis in die Sechzigerjahre spielten Erwartungen von Unternehmen, privaten Haushalten und staatlichen Instanzen keine große Rolle in der makroökonomischen Analyse. Ökonomen glaubten, es gebe einen negativen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Keynesianische Makromodelle, die damals en vogue waren, legten den Schluss nahe, die Zentralbank könne durch mehr Inflation die Reallöhne und die Arbeitslosigkeit senken.

Gefährliche Stagflation

Als sich in den Siebzigerjahren dann Stagflation einstellte, die üble Kombination aus niedrigem Wachstum, hoher Inflation und hoher Arbeitslosigkeit, geriet die keynesianische Theorie ins Wanken. Ihre Modelle konnten die Realität nicht mehr erklären. Unter dem Einfluss von Milton Friedman und Edmund Phelps begannen die Ökonomen, die Erwartungsbildung der Menschen in ihre Modelle einzubeziehen. Friedman argumentierte, dass Arbeitnehmer nur vorübergehend einer Geldillusion unterliegen. Sobald sie den Reallohnverlust durch höhere Inflation erkennen, setzen sie höhere Löhne durch. Dadurch steige die Arbeitslosigkeit wieder auf das Ausgangsniveau.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.10.2011, 00:01 UhrSven

    Wie in allen anderen berichten, wird auch in diesem Artikel die Sichtweise der beiden Nobelpreisträger vollkommen falsch dargestellt.

    ich zitiere mal:

    Professor Sims doesn’t want to be pigeonholed. “i’m not ‘non-Keynesian,’ ” he said, adding that he has been an active “promoter of new Keynesian macroeconomic models,” because they “are the place in our profession where theory and data and policy decision-making are coming together.”

    “it doesn’t really make much sense to stand on the sidelines and take potshots at them,” he said. “if you don’t like the way they’re working, you should try to do better.”

    He and Professor Sargent have been “trying to do empirical macroeconomics using formal tools of statistics,” he said. “Those tools aren’t in themselves ideological.”

    Professor Sims spoke favorably of the Obama administration’s fiscal stimulus programs, which are Keynesian in their countercyclical spending. “An expansionary fiscal policy is probably what we need right now,” he said.

  • 17.10.2011, 23:08 UhrNobelhobel

    Diese Wirtschafts-Nobelpreisträger sind doch nur VOLLiDiOTEN!
    Der Nobelpreis war ursprünglich für Wirtschaftsleute nicht gedacht; erst unter dem massiven Druck der USA wurde dieser Preis Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf die Wirtschafts-Möchtegern-Wissenschaftler ausgedehnt. Nahezu jedes Jahr werden Nobelpreise für Wirtschaft an die USA vergeben, warum sind dann die USA de facto pleite?!!!!!!!!!!!!
    Wo bleiben denn Nobelpreise für hochverdiente ingenieure und Techniker, wie es ursprünglich gedacht war?!!!!!!!!
    Korruptes Nobelpreiskomitee!!!!!!!!!

  • 16.10.2011, 17:53 UhrDE: nur 40% EWU-Exportüberschüsse (50 Mrd p.a.)

    Zur Wahrheit des so viel propagierten "weil 'WiR/DEUTSCHLAND' davon profitieren" gehört: nur gerade 40% der deutschen Exportüberschüsse stammen PRO JAHR aus dem Euroraum, d.h. NiCHT "WiR", sondern nur PRiVATE DE-Exportunternehmen nehmen +/- PRO JAHR gerade 50 Mrd. Euro brutto als PRiVAT-GEWiNN ein, davon reinvestieren sie auch noch nur ca. 25% (12,5 Mrd p.a.) im inland, der Rest, weitgehend im inland unversteuert, dient im Ausland nur u.a. zum PRiVATEN CDS-Kreditausfallzocken oder PRiVATEN Aufbau weiterer Fabriken in China!

    Dafür zahlen WiR seit dem Start des Euroraums über für UNS hier erhöhte Kreditzinsen und von UNS in anderen EWU-Staaten subventionierte künstlich niedrige EU-Einheitszinsen jährlich ein Vielfaches der o.g. PRiVATEN NETTO-Einnahmen als SUbVENTiONEN durch ALLGEMEiNHEiT an EWU, was jetzt schon in den vom EFSF ausgegebenen Anleihen quasi Eurobonds mit EU-Transferunion und Haftungsgemeinschaft bedeuetet!

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