Notenbanken: Der Putsch der Finanzminister

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Notenbanken: Der Putsch der Finanzminister

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Mächtige Finanzminister, schwache Notenbanken - so erscheint im Moment die Geldpolitik der meisten Nationen. Doch die Schuldenkrise könnte durch die rotierenden Notenpressen schnell zur Währungskrise mutieren.

von Frank Doll

Die Zeit unabhängiger Notenbanken ist vorbei. Jetzt folgt ihre völlige Demontage durch die Finanzminister. Die Gleichschaltung der Notenbanken ist eine Gefahr für Demokratie und Gesellschaft.

Es kommt so, wie es kommen muss. Ergeben sich die Notenbanken erst einmal den politischen Zwängen, landen sie irgendwann auf dem Müllhaufen der Geschichte. Doch das Tempo, in dem das derzeit passiert, ist schon erstaunlich. In Großbritannien und Japan ist die Gleichschaltung der Notenbanken bereits  recht weit fortgeschritten. Die Bank of England bekommt im Juni 2013 mit Mark Carney den Terminator der Geldpolitik, derzeit noch tätig in Kanada. Seine Toronto-Rede von Anfang Dezember wird als Dammbruch der Geldpolitik in die Geschichtsbücher eingehen. Carney hat als erster Notenbanker überhaupt den nominalen Wert des Bruttoinlandsprodukts zur monetären Zielgröße erhoben, was übersetzt eine unbefristete und unbegrenzte Geldmengenausweitung bedeutet.

Für einen Bundesbanker grenzt das an Blasphemie. In Japan steht nach dem Wahlsieg des Notenbankbändigers Shinzo Abe möglicherweise eine noch aggressivere geldpolitische Gangart bevor. Abe ist aber nur das Feigenblatt für das allmächtige japanische Finanzministerium, das den halsstarrigen Notenbankenpräsidenten Masaaki Shirakawa schon lange in die Wüste schicken will. Wer dann folgt, ist eigentlich egal. Im japanischen Finanzministerium herrscht seit jeher ein alter Korpsgeist. Für Kontinuität wäre nach der geldpolitischen Machtübernahme gesorgt. Das gleiche gilt für Großbritannien. Die Warnungen des noch amtierenden britischen Notenbankgouverneurs Mervyn King vor einem desaströsen Abwertungswettlauf kommen zu spät. Carney und der hinter ihm stehende britische Schatzkanzler George Osborne werden die Insel mit Geld fluten. Die USA und der Rest Europas drohen dabei abgehängt zu werden.

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US-Anleihekaufprogramm Bernanke verliert die Kontrolle

Der amerikanische Bondmarkt reagiert mit Verkäufen auf das neue Anleihekaufprogramm der Notenbank Fed. Platzt die nächste Blase?  

huGO-BildID: 29141840 U.S. Chairman of the Federal Reserve Ben Bernanke speaks during a news conference in Washington December 12, 2012. In an unprecedented step, the Federal Reserve said on Wednesday it would hold interest rates near zero until it hit the specific target of a 6.5 percent U.S. jobless rate, and it pledged to keep pumping more money into the economy. REUTERS/Kevin Lamarque (UNITED STATES - Tags: POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT) Quelle: REUTERS

Vielleicht bewegte auch das die US-Notenbank Fed, die eigene Bilanz durch den unbefristeten Ankauf Staatsanleihen und Hypothekenpapieren im Volumen von monatlich 85 Milliarden Dollar bis 2015  auf geschätzt sechs Billionen Dollar zu verdoppeln. Es macht sich offenbar Panik breit bei den sonst so beherrscht auftretenden Herren des Geldes. Die Schuldenkrise scheint in ihrem Endstadium angekommen zu sein, wenn jetzt die Wunderwaffen ran müssen.  Zu ihnen gehören auch der direkte Ankauf von Unternehmensanleihen und Aktien.  Die Warnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor einer neuen Kreditblase wird,  trotz aller Vergeblichkeit,  dankbar registriert. Hatte die als Zentralbank der Zentralbanken bekannte Institution ja bereits im Vorfeld der aktuellen Schuldenkrise vor einer solchen gewarnt.

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