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Notenbanken: Der Putsch der Finanzminister

20. Dezember 2012
Mächtige Finanzminister, schwache Notenbanken  - so erscheint im Moment die Geldpolitik der meisten Nationen. Doch die Schuldenkrise könnte durch die rotierenden Notenpressen schnell zur Währungskrise mutieren. Quelle: dapdBild vergrößern
Mächtige Finanzminister, schwache Notenbanken - so erscheint im Moment die Geldpolitik der meisten Nationen. Doch die Schuldenkrise könnte durch die rotierenden Notenpressen schnell zur Währungskrise mutieren. Quelle: dapd
von Frank Doll

Die Zeit unabhängiger Notenbanken ist vorbei. Jetzt folgt ihre völlige Demontage durch die Finanzminister. Die Gleichschaltung der Notenbanken ist eine Gefahr für Demokratie und Gesellschaft.

Es kommt so, wie es kommen muss. Ergeben sich die Notenbanken erst einmal den politischen Zwängen, landen sie irgendwann auf dem Müllhaufen der Geschichte. Doch das Tempo, in dem das derzeit passiert, ist schon erstaunlich. In Großbritannien und Japan ist die Gleichschaltung der Notenbanken bereits  recht weit fortgeschritten. Die Bank of England bekommt im Juni 2013 mit Mark Carney den Terminator der Geldpolitik, derzeit noch tätig in Kanada. Seine Toronto-Rede von Anfang Dezember wird als Dammbruch der Geldpolitik in die Geschichtsbücher eingehen. Carney hat als erster Notenbanker überhaupt den nominalen Wert des Bruttoinlandsprodukts zur monetären Zielgröße erhoben, was übersetzt eine unbefristete und unbegrenzte Geldmengenausweitung bedeutet.

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Für einen Bundesbanker grenzt das an Blasphemie. In Japan steht nach dem Wahlsieg des Notenbankbändigers Shinzo Abe möglicherweise eine noch aggressivere geldpolitische Gangart bevor. Abe ist aber nur das Feigenblatt für das allmächtige japanische Finanzministerium, das den halsstarrigen Notenbankenpräsidenten Masaaki Shirakawa schon lange in die Wüste schicken will. Wer dann folgt, ist eigentlich egal. Im japanischen Finanzministerium herrscht seit jeher ein alter Korpsgeist. Für Kontinuität wäre nach der geldpolitischen Machtübernahme gesorgt. Das gleiche gilt für Großbritannien. Die Warnungen des noch amtierenden britischen Notenbankgouverneurs Mervyn King vor einem desaströsen Abwertungswettlauf kommen zu spät. Carney und der hinter ihm stehende britische Schatzkanzler George Osborne werden die Insel mit Geld fluten. Die USA und der Rest Europas drohen dabei abgehängt zu werden.

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Vielleicht bewegte auch das die US-Notenbank Fed, die eigene Bilanz durch den unbefristeten Ankauf Staatsanleihen und Hypothekenpapieren im Volumen von monatlich 85 Milliarden Dollar bis 2015  auf geschätzt sechs Billionen Dollar zu verdoppeln. Es macht sich offenbar Panik breit bei den sonst so beherrscht auftretenden Herren des Geldes. Die Schuldenkrise scheint in ihrem Endstadium angekommen zu sein, wenn jetzt die Wunderwaffen ran müssen.  Zu ihnen gehören auch der direkte Ankauf von Unternehmensanleihen und Aktien.  Die Warnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vor einer neuen Kreditblase wird,  trotz aller Vergeblichkeit,  dankbar registriert. Hatte die als Zentralbank der Zentralbanken bekannte Institution ja bereits im Vorfeld der aktuellen Schuldenkrise vor einer solchen gewarnt.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 20.12.2012, 19:18 Uhrmatze

    @ herr reimer: sie sind ein sehr guter beobachter. runter gegangen wie butter ist mir ihre liste der "guten" bundsbänker". sehe ich auch so. nun ist es aber so, dass die währungen bzw. währungsräume ausgesprochen stark miteinander verbunden sind ("kommunizierende röhren"). teils wird die inflation so oder so importier. ebenfalls ist ja so einiges "unter wasser". drum fordere und hoffe ich zur zeit folgendes (sorry scho mal in xy gepostet):

    @ wie wäre die alternative: die skandinavier und auch die schweitz bekommen anteile der ezb mit stimmrecht nach kapitalanteil. eingenkapital der ezb nix unterwasser - refinanzierung der staaten nun "seriöser" strukturiert über die ezb. anteile werden mit de interventionsgelder finanziert und die skandinavier haben als gegenwert anteil am euro. grundlagen eines solchen vorgehens kann nur eine vernüftig einheitliche besteuerung aller sektoren in europa sein. das gemeinwesen braucht eine finanzielle basis. gleichzeitig ist wertspeiche in skandinanvien und co und de transaktionen laufen im euro?

    geht mann/frau umsichtig vor - wär ja nen dynamischer prozess - liesse sich der euro relative gesehen zum.....besser durch die turbulenzen bringen. sicher werden sie sagen "umsichtig" nach dem die politik die presse hat. nun, mir gewittern natürlich auch ne gigantische menge gegenargumente im kopf bei so ner aussage.

    hab ihren artikel gern gelesen. schönen abend, matze.

  • 20.12.2012, 20:28 UhrPinin

    "... Gefahr für die Demokratie"?

    Aber das ist doch der Sinn der ganzen Sache, die Errichtung einer Brüssel-Diktatur, in der die ClubMed-Fürsten das Sagen haben.

    Man kann sich nicht vorstellen, dass der unersättliche EU-Moloch ohne Blutvergießen jemals zur Vernunft zu bringen ist.

    Macht will immer noch mehr Macht, und von DEMOKRATIE konnte bei diesen EU-Konstrukt noch NIE die Rede sein. Und von RECHT ebenso wenig.

  • 21.12.2012, 10:49 UhrHaafJohannes

    Die Zeichen der Zeit sind eindeutig, rechtliche Ordnung und Demokratie werden in kleinen Schritten zerstört, die Verarmung der breiten Masse wird in Kauf genommen, damit die Eliten Macht und Geld behalten, der Steuerzahler trägt die Verluste und Risiken, Gewinne bleiben den Eliten, welche Eliten sind das?
    Europapolitik führt in eine soziale und demokratische Katastrophe
    Die Erwerbslosigkeit in Europa steigt. Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Volkswirtschaften in Europa bleibt über Jahre hinweg schlecht. Die Staatsschulden steigen, weil von Banken und Investoren Schulden hin zum Steuerzahler verschoben werden. Politik wird durch Verschuldung auf Kosten kommender Generationen gemacht. Die Verarmung breiter Massen nimmt zu. Wenige Reiche profitieren von dieser Politik. Kapital fließt unter den Augen der Politik in Steueroasen. Die sogenannten europäischen Eliten bauen systematisch die Demokratie ab, schaffen europäische Institutionen, die weder demokratisch noch gerichtlich kontrolliert werden. Rechtsfreie Räume entstehen, wo man sich selbstherrlich finanziell bedient. Sozialstandart´s werden geschliffen. Übrig bleibt Armut und Feindschaft der europäischen Völker. Deshalb braucht es dringend die Wahlalternative 2013. Dazu finden Sie Informationen im Internet. Unterstützen Sie bitte: http://www.wa2013.de/index.php?id=198 nnnnnnnn

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