OECD-Studie: Grobes Werkzeug Geldpolitik

OECD-Studie: Grobes Werkzeug Geldpolitik

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Der US-amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke auf einer Konferenz der Europäischen Zentralbank zur Rolle des Geldes und der Geldpolitik

Wer ist schuld an der Finanzkrise? Eine neue Studie der OECD belegt, dass die Notenbanken zur Entstehung der US-Immobilienblase beigetragen haben – und zeigt die Grenzen der Geldpolitik auf.

Immer neue Hiobsbotschaften aus Amerika, weitere Milliardenabschreibungen bei Banken in Europa – fast sieht es so aus, als würde die Finanzkrise jetzt erst richtig Fahrt aufnehmen. Die Debatte über Gründe und Schlussfolgerungen aus dem Debakel hat derweil erst begonnen. Eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) widmet sich jetzt der Rolle der Geldpolitik, die noch immer umstritten ist. So bestreitet der ehemalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, bis heute vehement, durch die extrem niedrigen US-Leitzinsen in den Jahren 2002 bis 2004 zur Entstehung der Blase auf dem US-Immobilienmarkt beigetragen haben.

Greenspans Unschuldsbeteuerung hält der Überprüfung durch die OECD-Ökonomen Rüdiger Ahrend, Boris Cournède und Robert Price nicht stand. Sie vergleichen den Leitzins in den USA mit dem Zins, der nach der sogenannten Taylor-Regel fundamental gerechtfertigt gewesen wäre. Das ist eine Formel, die den Leitzins aus Größen wie Inflation und gesamtwirtschaftlichem Output berechnet und als Benchmark dafür herangezogen werden kann, ob der Zins zu hoch oder zu niedrig ist. Und tatsächlich war Greenspans Zinspolitik in den vergangenen Jahren deutlich expansiver, als sie nach der Taylor-Regel hätte sein sollen (siehe Grafik). Dies war auch in anderen Ländern so – und meist schossen auch dort die Häuserpreise in die Höhe. „Niedrigzinsphasen sind im allgemeinen mit der Entstehung von Ungleichgewichten auf den Immobilienmärkten verbunden“, so die Forscher.

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Könnten Krisen also künftig dadurch vermieden werden, indem die Notenbanken einfach die Zinsen anheben, sobald sich eine Immobilienblase bildet? Ganz so einfach ist es nicht. Denn wenn sich schon eine Blase gebildet hat, können zu starke Zinserhöhungen eine Krise verschärfen; wenn die Blase aber erst im Entstehen ist, kann niemand sicher sagen, dass es eine ist. „Der Leitzins ist ein ziemlich grobes Werkzeug für den Umgang mit finanziellen Ungleichgewichten“, schreiben die Autoren. Sie plädieren daher für feinere regulatorische Instrumente, um die Entwicklung von Immobilienblasen künftig zu verhindern.

Zum Beispiel schlagen sie vor, bei Immobilienfinanzierungen Mindestanforderungen an Eigenkapital und Einkommen der Käufer einzuführen, wenn die Preise von Häusern und Wohnungen aus dem Ruder laufen. Den Einwand, dass solche Regulierungen den Markt behindern, lassen die Autoren nur bedingt gelten – angesichts der Gefahr eines neuen Crashs, gegen den die Notenbanken dann wieder machtlos sind.

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