OECD-Wirtschaftsausblick: Es geht bergauf, bleibt aber gefährlich

OECD-Wirtschaftsausblick: Es geht bergauf, bleibt aber gefährlich

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Licht am Ende des Tunnels: Die OECD hat die Konjunkturprognose für Deutschland deutlich hinaufgesetzt.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geht von einem stärkeren Wachstum aus als bisher gedacht. Deutschland muss aber aufpassen, dass es sich nicht nur auf steigende Exporte verlässt - und vor allem: Das staatliche Geldausgeben muss schnellstens ein Ende haben!

Es geht wieder aufwärts, und zwar schneller als erwartet – das ist die gute Nachricht im Wirtschaftsausblick der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die schlechte: Gleichzeitig nehmen die Risiken zu.

Nach Meinung der Ökonomen wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr bereits um 1,9 Prozent wachsen, 2011 sogar um 2,1 Prozent. Allerdings bezieht sich das Wachstum auf den Vorjahreszeitraum, also 2009 – dem Rezessionsjahr, in dem das BIP um 4,9 Prozent schrumpfte.

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Getragen wird der Aufschwung vor allem von den anziehenden Exporten und den hohen öffentlichen Investitionen aus dem Konjunkturpaket, nicht aber vom privaten Konsum.

Der nämlich  entwickelt sich laut OECD-Experten azyklisch: Normalerweise sparen die Menschen in der Krise mehr und steigern ihren Konsum, sobald es wieder aufwärts geht. Doch 2009 haben die Deutschen viel Geld ausgegeben, 0,3 Prozent mehr als im Jahr vor der Krise, 2008. Dafür wird nun im Aufschwung stärker gespart. Die Konsumausgaben sinken in diesem Jahr um 1, 4 Prozent. Dieses Verhalten – John Maynard Keynes wäre entzückt gewesen – ist der Abwrackprämie zu verdanken. Ebenso wie die Tatsache, dass der Auto-Absatz im ersten Quartal diesen Jahres drastisch zurückgegangen ist.

Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr entgegen aller Befürchtungen nur relativ gering steigen: 200.000 Menschen verlieren bis Ende Dezember ihren Job, prognostizieren die Ökonomen. Damit würde die Arbeitslosenquote von 7,4 auf 7,6 steigen, und 2011 auf acht Prozent. Deutschland bleibt damit deutlich unterhalb des Durchschnitts in der Eurozone.

Wagniskapital statt Abwrackprämie

Trotz des optimistischen Ausblicks warnt die OECD die Bundesregierung davor, sich alleine auf den exportgestützten Aufschwung zu verlassen. Durch die Schwäche des Euros dürften die Ausfuhren in Länder außerhalb der Eurozone wie die USA oder China zwar noch stärker zunehmen als erwartet. Doch dürfe Deutschland sich nicht darauf ausruhen, dass Schrauben und Autoteile made in Germany jetzt weltweit billiger werden, sondern müsse „Strukturreformen“ in Angriff nehmen, um als Investitionsstandort attraktiver zu werden. „Deutschland muss stärker auf Qualität setzten, denn es wird immer Länder geben, die billiger sind“, mahnte OECD-Ökonom Eckhard Wurzel heute Morgen bei der Vorstellung des Ausblicks am Hauptsitz der OECD in Paris.

So seien nach wie vor die freien Berufe zu stark reguliert, angefangen von der Zwangsmitgliedschaft etwa von Handwerkern in den Kammern bis hin zu Honorarober- und untergrenzen beispielsweise für Anwälte. Problematisch sei auch der „branchenspezifische Mindestlohn“, solange er vor allem dazu diene, Konkurrenz aus Osteuropa fernzuhalten.

Auch mangelt es in Deutschland immer noch an Wagniskapital, das es Forschern und Erfindern ermöglicht, ihre Ideen umzusetzen und damit Geld zu verdienen. „Hierzulande muss man sich schon fragen, ob riskante Finanzprodukte eigentlich in erster Linie dazu dienen sollen, uninformierten Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen“, kritisierte Wurzel.

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