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Ökonom George Akerlof: "Das Vertrauen ist zurückgekehrt"

von Malte Fischer

Der Ökonom und Nobelpreisträger George Akerlof über die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Ökonom George Akerlof
Ökonom George Akerlof

WirtschaftsWoche: Herr Akerlof, wichtige Frühindikatoren deuten auf eine Erholung der Weltwirtschaft hin. Sind wir endlich über den Berg?

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Akerlof: Wir sollten vorsichtig sein. Es gibt zwar Zeichen, die durchaus optimistisch stimmen. Aber das heißt nicht, dass es nicht noch weitere negative Überraschungen geben kann. Daher sollten wir uns psychologisch nicht zu sehr auf das Aufschwungszenario festlegen. Sonst könnte uns ein weiterer negativer Schock aus der Bahn werfen und eine adäquate wirtschaftspolitische Reaktion erschweren.

Für Sie sind psychologisch begründete Stimmungs- und Wahrnehmungsschwankungen die wichtigste Ursache für das Auf und Ab der Konjunktur.

Ja, die Menschen lassen sich von Instinkten wie Vertrauen und Fairness sowie dem Glauben an Geschichten über wirtschaftliche Zusammenhänge leiten. Auf Phasen mit überbordendem Vertrauen in die weitere konjunkturelle Entwicklung folgen deshalb Phasen mit überzogenem Pessimismus. Diese massenpsychologischen Schwankungen bei der Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität und die daraus abgeleiteten Aktivitäten auf den Güter- und Finanzmärkten spielen die Schlüsselrolle für das Entstehen von zyklischen Schwankungen.

Dann sind doch die Konjunkturprogramme überflüssig.

Auf gar keinen Fall. Gerade das Eingreifen der Regierungen und der Notenbanken hat dazu geführt, dass das Vertrauen zurückgekehrt ist. Dieses Vertrauen in die Eingriffsmöglichkeiten des Staates im Krisenfall ist auch der Grund, warum wir seit dem Zweiten Weltkrieg keine existenzbedrohende wirtschaftliche Depression mehr erlebt haben.

Kehrt die Weltwirtschaft wieder zu den hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre zurück?

Im Hinblick auf das globale Wachstum bin ich recht zuversichtlich. Die meisten Menschen leben in Ländern, deren Pro-Kopf-Einkommen weit unter dem der Industrieländer liegt. Der Aufholprozess dort wird dem Wachstum der Weltwirtschaft in den nächsten Jahren weiter kräftige Impulse geben. Allerdings setzt das voraus, dass die aufholenden Länder politisch stabil bleiben. Was die Industrieländer betrifft, ist die Prognose schwieriger. Viel hängt hier vom Tempo des technischen Fortschritts ab.

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14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.09.2009, 15:55 UhrAnonymer Benutzer: Luzifer

    @Sim
    Das beispiel von Joseph (Joschka) Fischer ist repräsentativ. Er hat damals in Frankfurt nur deshalb mit Pflastersteinen gegen das System agitiert, weil er selbst nicht an den Fleischtöpfen der Gesellschaft sass. Leute wie der Ex-Kanzler Schröder und seine Helfer wie Clement etc. wären eigentlich in der FDP besser aufgehoben gewesen; sie haben die Partei als Karrieresprungbrett benutzt, aber gegen die Parteiprinzipien gehandelt....Wir haben leider keine Poltiker mit durchschlagender Courage, die die gesamte Nation im blickfeld haben und nicht nur mächtige Lobbys. Oder vielmehr: Es gibt sie, nur werden sie nicht vorgelassen, wegbugsiert oder ziehen sich von allein angewidert zurück. Das dann ein Gefühl bei manchen klarsichtigen bürgern entsteht, keine Partei wählen zu können, ist intelligibel.

  • 15.09.2009, 15:13 UhrAnonymer Benutzer: Wemtrauen

    Welches Vertrauen ist zurückgekehrt? Das der Finanzhaie auf die Gier der Anleger und die blödheit der Steuerzahler?

  • 15.09.2009, 13:25 UhrAnonymer Benutzer: Genau

    ich denke z.b. nicht, dass die Krise auf die Naivität und das politische Desinteresse zurückzuführen ist. Unser ganzes System ist auf Wachstum aufgebaut - dies mag ja heute noch für emerging markets Länder gelten, aber für uns.....??? Ständiges Wachstum bedeutet immer mehr Konsum bei sinkendem Lohnniveau - die Preise für Artikel müssen sinken um mehr zu konsumieren, demnach sinkt auch das Lohnniveau (sonst können die Artikel ja nicht billiger hergestellt werden) - ein Teufelskreis. Tatsächlich ist nur durch ständige Verbesserung von Prozessen und Technologiefortentwicklung ein Vorteil zu erzielen. Forschung, Entwicklung und Ausbildung - dass ist der Motor der uns einen Vorteil auf dem Weltmarkt bringen könnte und ein nachhaltiges Lohnniveau beschert. Die Produktion wird weiter ins Ausland abwandern - die Lohnstückkosten sind dort in den meisten bereichen einfach wesentlich günstiger. Und...in der Krise schauen selbst deutsche Firmen auf Grund der Kosten nicht mehr so ganz auf Qualität - Hauptsache billig und wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt. Es ist und bleibt schwierig.

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