Ökonom Rolf Langhammer: "Staaten rutschen gemeinsam nach unten"

Ökonom Rolf Langhammer: "Staaten rutschen gemeinsam nach unten"

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Ökonom Rolf Langhammer

von Bert Losse

Der Ökonom Rolf Langhammer warnt im Interview vor wachsenden Risiken für die Weltkonjunktur.

WirtschaftsWoche: Herr Langhammer, die Europäische Währungsunion steckt in der Krise, die USA sind nahezu pleite, in China droht eine Immobilienblase zu platzen. Wird es Ihnen als Ökonom da nicht mulmig?

Langhammer: Nur ein bisschen. Die Weltwirtschaft wächst vorerst weiter, wenn auch langsamer. Wir rechnen 2012 mit 4,1 Prozent – nach 4,5 Prozent in diesem Jahr. Allerdings nehmen die Risiken in allen Regionen der Welt zu. Die während der Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme laufen aus, zudem müssen die Zentralbanken ihre extrem expansive Geldpolitik beenden. Monetäre und fiskalische Stützen der Konjunktur fallen also gleichzeitig weg.

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Wer könnte am ehesten die Rolle der globalen Konjunkturlokomotive übernehmen?

Es gibt keine Konjunkturlokomotiven mehr, dieser Begriff ist überholt. Die wachsende Verflechtung der Weltwirtschaft hat zu einer stärkeren Synchronisation der Konjunkturzyklen geführt. Die Staaten gehen in der Regel zusammen nach oben und rutschen gemeinsam nach unten.

Droht uns damit mittelfristig eine neue globale Rezession?

Das ist nicht völlig auszuschließen, aber nur, wenn es zu exogenen Schocks kommt, die alle erfassen – etwa über die Finanzmärkte. Hier bilden China und die USA eine Schicksalsgemeinschaft für die Welt.

Was heißt das konkret?

Wenn das Vertrauen in den Dollar nachhaltig leidet, könnte China vermehrt Kapital aus Amerika abziehen beziehungsweise keine US-Anleihen mehr kaufen. Dann wären die USA in ernsten Zahlungsbilanzproblemen. Wir wissen auch nicht, wie viele notleidende Kredite bei den untergeordneten Gebietskörperschaften in China schlummern. Das könnte ein Riesenproblem werden. Ich sehe die Gefahr, dass China irgendwann Auslandsanlagen auflösen muss, um Verbindlichkeiten im eigenen Land zu finanzieren und überschuldete Städte, Provinzen oder Staatsbetriebe vor der Pleite zu retten.

Wie ernst ist die Lage in den USA?

Jenseits der Haushaltskrise habe ich größere Zweifel an der mittelfristigen Leistungsfähigkeit der US-Wirtschaft als früher. Amerika ist heute ein riesiger interner Dienstleistungsmarkt – und weniger eine international vernetzte und daher wettbewerbsfähige Volkswirtschaft.

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