Ökonom Thomas Straubhaar: „Es ist dumm, auf Zölle mit Zöllen zu reagieren“

Ökonom Thomas Straubhaar: „Es ist dumm, auf Zölle mit Zöllen zu reagieren“

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Ein Handelskrieg ist für alle Beteiligten die teuerste Alternative, sagt der Hamburger Ökonom Thomas Straubhaar.

von Mona Fromm

Wie kann Deutschland auf den heraufziehenden Protektionismus reagieren? Ein Interview mit dem Top-Ökonomen Thomas Straubhaar.

Herr Straubhaar, nun ist Donald Trump als US-Präsident vereidigt. Den deutschen Autobauern drohte er jüngst mit Strafzöllen. Wie ernst nehmen Sie die Ankündigen Trumps?
Ich denke, die sind ernst zu nehmen. Donald Trump wird ganz sicher „Buy American“ und „Make America Great Again“ als Argumente benutzen, um auch mit protektionistischen Maßnahmen dieses Ziel erreichen zu wollen – ohne die langfristigen Folgekosten im Blick zu haben. Besonders die Konsumgüterindustrie wird sich ernsthaft damit beschäftigen müssen, weil es Restriktionen geben könnte.

Was sind die langfristigen Folgekosten?
Durch den Protektionismus werden amerikanische Verbraucher mehr für ihre Einkäufe bezahlen müssen und eine kleinere Auswahl von Produkten haben. Das führt zu einer geringeren realen Kaufkraft der Verbraucher. Außerdem dürfte sich die Innovationskraft bei US-Herstellern nicht so schnell weiterentwickeln. Bekanntlich ist (internationale) Konkurrenz die Peitsche, die Unternehmen dazu treibt, besser zu werden.

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Thomas Straubhaar ist Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg. Quelle: dpa

Thomas Straubhaar ist Professor für internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg.

Bild: dpa

Ein Blick in Handelsstatistiken zeigt: Deutschland hat einen großen Exportüberschuss, aber Produkte wie Motorenteile oder Erdöl importieren  wir aus den USA. Wir sind also vom amerikanischen Markt abhängig, aber die US-Firmen auch von uns. Sollte Deutschland also im Zweifel mit eigenen Strafzöllen reagieren?
Es ist das Dümmste, auf Zölle auch mit Zöllen zu reagieren. In der Handelspolitik sollte man Gleiches nicht mit Gleichem vergelten. Damit kämen wir dem Thema Handelskriege näher. Das ist – wie bei jedem Krieg – am Ende für alle Beteiligten mit höheren Kosten verbunden.

Aber was ist die Alternative?
Darauf gibt eine ganz klare Antwort: Jene Branchen haben wenig zu befürchten, deren Produkte qualitativ herausragend sind. Dort wird die Trump-Administration kaum protektionistisch handeln, weil die US-Wirtschaft von importierten Spitzenprodukten abhängig ist – gerade auch, um selbst standardisierte Produkte in ihrem Land billig herstellen zu können.

Welche Branchen sind das denn?
Das sind Investitionsgüter, also High-Tech-Maschinen, Präzisionswerkzeuge, moderne Ingenieurskunst, das sind industrielle Baustoffe, das sind im Infrastrukturbereich Brücken- und Straßenbau. In diesen Bereichen stehen deutsche Hersteller weltweit an der Spitze – da ist die Gefahr von Protektionismus geringer.

Wird Europa so viel Vernunft aufbringen? Oder müssen wir uns jetzt auf Handelskriege einstellen?
Ich hoffe, dass wir Europäer klüger sind und uns nicht auf einen Handelskrieg einlassen. Wir sollten rational handeln und beachten, dass Amerika durchaus Interesse an offenen Märkten hat, dass auch amerikanische Produkte auf einen freien Zugang angewiesen sind, dass auch amerikanische Produkte Teile und Vorleistungen enthalten, die in Europa produziert werden. Das iPhone von Apple enthält Bestandteile aus aller Welt. Das Klein-Klein hilft letztlich niemandem.

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