Ökonomengipfel: Wird der Euro überleben?

Ökonomengipfel: Wird der Euro überleben?

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Euromünze

von Malte Fischer

Die Schuldenkrise in Europa und die Sorgen um den Fortbestand der Europäischen Währungsunion schlagen auch in den USA hohe Wellen. Auf dem Jahrestreffen der American Economic Association in Denver, dem größten Ökonomentreffen der Welt, diskutierten die Experten kontrovers, ob der Euro eine Überlebenschance hat.

Eigentlich haben die Amerikaner ja genug eigene Probleme. Die Schulden im Staatshaushalt laufen aus dem Ruder, viele Banken und Bürger sind überschuldet und die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessert sich nur langsam. Doch wer glaubt, Amerikas Ökonomen schmorten deshalb im eigenen Saft und nähmen die Probleme auf der anderen Seite des Atlantiks nicht wahr, irrt. Auf der diesjährigen Tagung der American Economic Association in Denver, dem größten und wichtigsten Ökonomentreffen der Welt, wurden die wirtschaftlichen Probleme der Euroländer ebenso intensiv diskutiert wie die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den USA.  

"Will the Euro survive"?, lautete eine der zahlreichen Veranstaltungen, die sich mit der Zukunft der Währungsunion beschäftigten. Dabei waren sich die Experten einig, dass die Euro-Zone kein optimaler Währungsraum ist. Von einem optimalen Währungsraum sprechen Ökonomen, wenn diese mehrere Voraussetzungen erfüllt.

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"Die Euro-Zone hätte gar nicht errichtet werden dürfen"

Dazu zählen vor allem flexible Löhne und Preise sowie eine hohe Mobilität der Arbeitskräfte. Beides versetzt Länder in die Lage, negative Schocks abzufedern, etwa das Platzen von Häuserpreisblasen. Doch während die Arbeitskräfte in den USA ohne großes Murren von der West- zur Ostküste umziehen, wenn es darum geht, einen neuen Job zu ergattern, kleben die Arbeitskräfte in Europa an der heimischen Scholle.  

Zu einem optimalen Währungsraum gehört auch, dass die teilnehmenden Länder über eine diversifizierte Branchenstruktur verfügen. Branchenkrisen können sie dann ohne Abwertung der Währung wegstecken. Länder wie Griechenland und Irland erfüllen diese Bedingung nicht. Sie sind  von einzelnen Branchen wie dem Tourismus- und dem Reedereigeschäft (Griechenland) oder dem Immobilien- und Finanzgeschäft (Irland) abhängig.

Geld an die Griechen ist verloren

Ein weiteres Problem sahen die in Denver versammelten Ökonomen darin, dass die wirtschaftspolitischen Strategien der Regierungen in Euroland weit auseinanderlaufen. „Gemessen an den Kriterien des optimalen Währungsraums hätte die Euro-Zone gar nicht errichtet werden dürfen“, urteilte Dominick Salvatore von der Fordham University.

Dabei seien die aus dem Ruder laufenden Staatsschulden nur das Symptom der Krise. Der wahre Kern der Probleme liege in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wie Griechenland, Portugal und Irland. Die Ökonomen in Denver waren daher überzeugt, dass Griechenland die bilateralen Hilfskredite nicht zurück zahlen wird: "Deutschland sollte sich keine Illusionen machen -  das an die Griechen verliehene Geld ist verloren", hieß es.

Eine Umschuldung, bei der die Gläubiger der Schuldnerstaaten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen, sei daher unvermeidlich. Die Euro-Zone könne sich dabei an den Erfahrungen Lateinamerikas in der Schuldenkrise der 1980er Jahren orientieren, hieß es in Denver. Damals hatten die Gläubiger Lateinamerikas auf einen Teil ihrer Forderungen verzichtet. Im Gegenzug wurden ihre Restforderungen durch sogenannte Brady-Bonds abgesichert, für die die amerikanischen Steuerzahler bürgten.

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