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Ökonomie-Nobelpreis: Manager-Boni - eine 40 Jahre alte Debatte

von Silke Wettach (Brüssel)

In diesem Jahr wird der Ökonomie-Nobelpreis 40 Jahre alt. Der erste Preisträger war 1969 der Niederländer Jan Tinbergen. Er hat die Volkswirtschaftslehre bis heute geprägt.

Jan Tinbergen (1903 - 1994) Quelle: dpa/ picture-alliance
Jan Tinbergen (1903 - 1994) Quelle: dpa/ picture-alliance
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Der Mann gilt als Wegbereiter der Ökonometrie. Er erhielt 1969 als Erster den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Er machte sich Gedanken zu einer angemessenen Managerentlohnung, schon Jahrzehnte bevor das Thema weltweit zum politischen Streitpunkt erster Güte wurde. Vor allem aber war Jan Tinbergen ein Idealist.

Die Wirtschaftswissenschaften müssten die größten Probleme der Welt angehen, forderte er und beschäftigte sich bis zu seinem Tod 1994 immer wieder mit der ungleichen Verteilung von Wohlstand. Nobelpreisträger Paul Samuelson nannte den 1903 in Den Haag geborenen Tinbergen einen „humanistischen Heiligen“.

Sein Idealismus war es, der ihn überhaupt erst zur Ökonomie führte. Er glaubte, dass er als Ökonom der Menschheit nützlicher sein könnte, als wenn er auf den Gebieten der Mathematik und Physik (seinen beiden Studienfächern) forschen würde. Nach einer Doktorarbeit in Physik absolvierte er seinen Zivildienst beim Nationalen Statistikamt der Niederlande in Den Haag, wo er 1929 die Leitung der Konjunkturabteilung übernahm. Sein Hauptinteresse galt der Weltwirtschaftskrise und der Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit. Er begann, einzelne Märkte zu analysieren, und verlegte sich auf so unterschiedliche Güter wie Anchovis, Kartoffelstärke und Wertpapiere.

Vater der ökonometrischen Konjunkturmodelle

Dies war die Vorarbeit für sein ambitioniertes Projekt, die Konjunkturzyklen ganzer Volkswirtschaften zu modellieren. 1936 stellt er als erster Ökonom ein solch bahnbrechendes Modell für die Niederlande vor, das aus 24 Gleichungen bestand. Zwei Jahre später entwickelte er ein ähnliches Modell der US-Ökonomie. Tinbergen schuf damit die Grundlagen für ökonometrische Konjunkturmodelle, die heute aus der Volkswirtschaftslehre nicht mehr wegzudenken sind. Gleichwohl war er sich der Grenzen solcher Konstrukte bewusst: „Modelle stellen einen Rahmen oder ein Skelett dar. Das Fleisch und Blut muss durch jede Menge Vernunft und Detailkenntnis hinzugefügt werden.“

Einen Namen machte sich Tinbergen auch mit der nach ihm benannten Regel zur Effektivität der Wirtschaftspolitik. Danach darf jede Maßnahme nur einem Ziel dienen. Verfolgen Politiker mit einem Instrument gleich mehrere Ziele, sind sie zum Scheitern verurteilt. So könne etwa eine Zentralbank nicht für Preisstabilität und Beschäftigung sorgen. Sie solle sich allein der Inflationsbekämpfung widmen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.10.2009, 11:25 UhrAnonymer Benutzer: Olaf Henkel

    Normalerweise ist es ja so, dass ein Unternehmen eine Person sucht, die eine gewisse Leistung erbringen soll. Für diese Leistung wird sie dann bezahlt, wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Warum soll er boni bekommen? Wenn er besser ist, dann soll er doch selbst ein Unternehmen gründen und dann kann bekommt er genau soviel wie seine Arbeit wert ist. Jedoch wissen die meisten, dass sie doch nicht so toll sind wie sie ständig behaupten. Das Risiko ist ihnen zu groß. Deshalb geht man am besten in ein Aktienunternehmen, denn dort kann man am besten abkassieren, da man dort die Mehrheitseigentümer (vertreten wiederum durch Manager) sehr leicht korrumpieren kann.
    Da, wo es keine boni gibt, läuft alles korrekter ab!!!!

  • 02.10.2009, 18:35 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    Es gibt zwei Möglichkeiten:

    a) die astronomischen Managergehälter sind betriebswirtschaftlich gerechtfertigt. Dann sollten sie ja auf jeden Fall erhalten bleiben.
    b) sie sind unternehmensschädigend. Wenn es so ist, dann sollten wir schauen, warum ein Unternehmen, das ja zumindest prinzipiell gewinnorientiert agiert, diese Gehaltsorgie nicht unterbindet.

    Vermutlich ist b) richtig. Die Kontrollmechanismen versagen, wenn die Verbindung von Ursache und Wirkung unterbrochen wird. Heißt im Klartext: es ist egal, wie es dem Unternehmen geht, die Chefs verdienen immer noch Millionen. in solchen Fällen sind die Kontrollgremien in der Regel schlicht korrupt.

    Nun stellt sich die Frage: wieso gibt es so viele Unternehmen, in den der Fall b) zutrifft, und sie überleben trotzdem? Das kann nur daran liegen, dass sie im Grunde gar nicht wirtschaftlich arbeiten müssen, denn sie geniesen leistungsneutrale Staatssubventionen.

    Nun stellt sich die Frage: wieso subventioniert der Staat korrupte Konzerne?

    Es gibt im Management-Handbuch diese schöne Methode "Five Whys". Warum nicht einmal hier anwenden? Weil es vielleicht - möglicherweise - zu einem Umsturz im Staate Dänemark käme?

  • 02.10.2009, 18:33 UhrAnonymer Benutzer: Manfred

    Er hätte in den Ostblock fahren sollen.

    Dort hätte er erfahren, welchen volkswirtschaftlichen Wohlstand Vorschriften bei der Entlohnung und begrenzung der Vertragfreiheit hervorbringen.

    Nicht viel.

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