
Wenn sich die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag treffen, wollen sie vor allem über Details ihres Programms zum Ankauf von Covered Bonds (Pfandbriefen) entscheiden, mit dem sie zusätzliche Liquidität in das Bankensystem pumpen wollen. Zugleich dürften sie sich aber schon Gedanken darüber machen, wie sie diese Milliarden wieder aus dem Finanzsystem absaugen, wenn sich die Konjunktur erholt. Auch die Experten der US-Notenbank Fed und der Bank von England basteln derzeit fieberhaft an Exitstrategien, um die Liquidität abzuschöpfen, die sie seit Herbst 2008 in das Bankensystem gepumpt haben.
Die monetäre Basis ist in den vergangenen Monaten kräftig gewachsen. Dazu zählen der Bargeldumlauf und die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank. Letztere bestehen aus den Mindestreserven und den freien Überschussreserven. Den Bargeldumlauf kontrolliert die Notenbank durch ihr Emissionsmonopol. Die Mindest- und Überschussreserven beeinflusst sie, indem sie den Mindestreservesatz festlegt und Wertpapiergeschäfte mit den Geschäftsbanken abwickelt. In den vergangenen Monaten haben die Notenbanker den Banken in großem Umfang Wertpapiere abgekauft und im Gegenzug Überschussreserven gutgeschrieben. Das hat die Bilanzsummen der Zentralbanken kräftig ausgeweitet: Die angekauften Wertpapiere haben die Aktivseite, die den Banken gutgeschriebenen Überschussreserven die Passivseite erhöht.
Wie können Notenbanken die Überschussreserven verhindern?
Bisher haben die Banken die Überschussreserven kaum für die Vergabe neuer Kredite genutzt. Erholt sich die Konjunktur, könnte sich das ändern. Gewähren die Banken aber wieder mehr Kredite, gerät mehr Geld in Umlauf. Und das könnte auf mittlere Sicht die Inflation in die Höhe treiben. Die Notenbanken müssen daher die Überschussreserven der Banken rechtzeitig verringern. Und dazu haben sie mehrere Möglichkeiten:
Bilanz verkürzen: Am einfachsten ist es, auslaufende Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken nicht zu verlängern. In diesem Fall gibt die Zentralbank am Ende der Laufzeit der Refinanzierungsgeschäfte die als Sicherheit hereingenommenen Wertpapiere an die Banken zurück und entzieht ihnen dafür Überschussreserven. Die Aktivseite der Zentralbankbilanz schrumpft um den Betrag der Wertpapiere, die Passivseite um den entsprechenden Betrag der Überschussreserven. Ob die Zentralbanken den Banken auf diese Weise rasch genug Liquidität entziehen können, hängt von der Laufzeit der Refinanzierungsgeschäfte ab. Bei der EZB haben rund 35 Prozent der Refinanzierungsgeschäfte eine Laufzeit von einer Woche, weitere 15 Prozent enden binnen eines Monats. Nur rund 21 Prozent sind mit einer Laufzeit von sechs Monaten ausgestattet. Die Wertpapiere in der Bilanz der Fed weisen zu rund 44 Prozent eine Laufzeit von weniger als drei Monaten auf.













