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Ökonomie: Warum eigentlich müssen die Notenbanken Liquidität abschöpfen?

von Malte Fischer

Derzeit pumpen die Zentralbanken immer neues Geld in das Finanzsystem. Doch die Währungshüter arbeiten bereits fieberhaft an Exitstrategien, um das Geld wieder abzusaugen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Notenbankchef Bernanke (r) und Quelle: dpa
Notenbankchef Bernanke (r) und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Trichet: Grübeln über die Exitstartegie Quelle: dpa

Wenn sich die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag treffen, wollen sie vor allem über Details ihres Programms zum Ankauf von Covered Bonds (Pfandbriefen) entscheiden, mit dem sie zusätzliche Liquidität in das Bankensystem pumpen wollen. Zugleich dürften sie sich aber schon Gedanken darüber machen, wie sie diese Milliarden wieder aus dem Finanzsystem absaugen, wenn sich die Konjunktur erholt. Auch die Experten der US-Notenbank Fed und der Bank von England basteln derzeit fieberhaft an Exitstrategien, um die Liquidität abzuschöpfen, die sie seit Herbst 2008 in das Bankensystem gepumpt haben.

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Die monetäre Basis ist in den vergangenen Monaten kräftig gewachsen. Dazu zählen der Bargeldumlauf und die Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank. Letztere bestehen aus den Mindestreserven und den freien Überschussreserven. Den Bargeldumlauf kontrolliert die Notenbank durch ihr Emissionsmonopol. Die Mindest- und Überschussreserven beeinflusst sie, indem sie den Mindestreservesatz festlegt und Wertpapiergeschäfte mit den Geschäftsbanken abwickelt. In den vergangenen Monaten haben die Notenbanker den Banken in großem Umfang Wertpapiere abgekauft und im Gegenzug Überschussreserven gutgeschrieben. Das hat die Bilanzsummen der Zentralbanken kräftig ausgeweitet: Die angekauften Wertpapiere haben die Aktivseite, die den Banken gutgeschriebenen Überschussreserven die Passivseite erhöht.

Wie können Notenbanken die Überschussreserven verhindern?

Bisher haben die Banken die Überschussreserven kaum für die Vergabe neuer Kredite genutzt. Erholt sich die Konjunktur, könnte sich das ändern. Gewähren die Banken aber wieder mehr Kredite, gerät mehr Geld in Umlauf. Und das könnte auf mittlere Sicht die Inflation in die Höhe treiben. Die Notenbanken müssen daher die Überschussreserven der Banken rechtzeitig verringern. Und dazu haben sie mehrere Möglichkeiten:

Bilanz verkürzen: Am einfachsten ist es, auslaufende Refinanzierungsgeschäfte mit den Banken nicht zu verlängern. In diesem Fall gibt die Zentralbank am Ende der Laufzeit der Refinanzierungsgeschäfte die als Sicherheit hereingenommenen Wertpapiere an die Banken zurück und entzieht ihnen dafür Überschussreserven. Die Aktivseite der Zentralbankbilanz schrumpft um den Betrag der Wertpapiere, die Passivseite um den entsprechenden Betrag der Überschussreserven. Ob die Zentralbanken den Banken auf diese Weise rasch genug Liquidität entziehen können, hängt von der Laufzeit der Refinanzierungsgeschäfte ab. Bei der EZB haben rund 35 Prozent der Refinanzierungsgeschäfte eine Laufzeit von einer Woche, weitere 15 Prozent enden binnen eines Monats. Nur rund 21 Prozent sind mit einer Laufzeit von sechs Monaten ausgestattet. Die Wertpapiere in der Bilanz der Fed weisen zu rund 44 Prozent eine Laufzeit von weniger als drei Monaten auf.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.06.2009, 22:32 UhrAnonymer Benutzer: Wolfhardt Krause

    Zum Zustand der Volkswirtschaftslehre: Was bekommt der, der einen Kredit aufnimmt? "Geld" und Schulden. Geld ist im Überfluß vorhanden und so ist das Resultat eine Kreditklemme der Wirtschaft. das diese kein Geld mehr Kreditinstituten bekommen kann. Diese bekommen ihr Geld von den Zentralbanken, die den Markt mit Geld überschwemmen. Zu solcher "wissenschaftlichen Problemanalyse", wie jede Analyse darauf gerichtet Probleme zu lösen; zum Zustand einer solchen Wissenschaft fällt mir nur der Satz Werner Finks ein: "Mein Herr, man braucht nur das in klaren Worten wiederholen, was sie sagen; - schon hat man sie lächerlich gemacht.

  • 04.06.2009, 13:27 UhrAnonymer Benutzer: Nebelkerze - Zentralbankbilanz

    Klingt sehr technisch dieser Artikel, oder ? Man hat die Geldproduktion in die Sprache der buchhaltung übersetzt, um so der Masse der bevölkerung die eigentlichen Vorgänge zu verschleiern.

    Man könnte auch sagen, die Fed hat bunte Papierschnipsel gedruckt und in Umlauf gebracht. Sie hat mit selbst angefertigtem Geld wertlose Wertpapiere gekauft. Das neue Geld sorgt für die Entwertung des vorhandenen Geldes. Als Privatperson kämen Sie dafür geradewegs in den Knast. ich bin sehr gespannt, ob irgendeine Zentralbank jemals Geld wieder "abpumpen" wird.

    Das Volk sollte dem Staat das Geldmonopol entreißen und das Geld wieder dem freien Markt überlassen.

  • 04.06.2009, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: Klartexter

    Letztlich wird es bei uns darauf hinaus laufen, dass sich die inflation für einige Jahre etwas erhöht (5-7%), aber die Steuern massiv erhöht werden, jedoch ohne Zeitbegrenzung!

    Vor dem Hintergrund der umfänglichen Steuerverschwendung der letzten Monate für Konzerne, von denen vor allem die misswirtschaftenden Vermögenden (Aktionäre von banken & Co.) profitierten, aber der kleine Mann über Steuern aufkommen musste, ist eine weitere -allgemeine- Steuererhöhung allerdings durch nichts zu rechtfertigen.
    Damit würde der kleine Mann gleich zweimal für ein Problem zahlen, das er nicht verursacht hat. Sinnvoll wäre allerdings eine Erhöhung der Steuern die Vermögende, als vormalig Profitierende, trifft.

    Wenn man sieht welche Kosten die Vermögenden (nein nicht der kleine Häuslebauer und auch nicht der mittelständische Unternehmer) dem Staat derzeit verursachen, wäre eine deutliche Erbschaftssteuer mehr als sinnvoll und sozial gerecht. Hinzu kommt, dass es Eigentümer an Grundflächen gibt, die sich in Hunderten von Hektar bzw. sogar Quadrat-km bemessen. in Deutschland leben aber im Schnitt 250 Personen pro Quadrat-km, macht gerademal 4000 qm pro Person! ich denke alles was über diese 4000 qm hinausgeht, sollte deutlich mit Grund- und Erbschaftsteuern belegt werden. Je mehr darüber desto deutlicher und durchaus auch "verkaufsfördernd"! Wer dann sein Grundeigentum dennoch rettet, der wirtschaftet so gut, dass er sein Erbe auch verdient hat! Die anderen wirtschaften eben schlecht, aber leisten dafür einen beitrag zur Konsolidierung der Staatsfinanzen und Abschöpfen der in einigen bereichen überbordenden Liquidität.

    Wer jetzt profitiert, indem er für sein Versagen den Steuerzahler bluten lässt, der muss eben morgen bluten, zumindest in Form erhöhter Steuern. Wer dies nicht einsehen möchte begibt sich und die Gesellschaft absichtlich in die Gefahr, dass es nicht nur beim finanziellen bluten bleibt.

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