
Der Fotovoltaikmarkt werde auch im Krisenjahr 2009 wachsen, brüstet sich der Bundesverband Solarwirtschaft.
Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erreicht die Nachricht zur rechten Zeit: Diese Woche streitet er mit Amtskollegen auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Posen über einen Nachfolge-Vertrag für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft. Das neue Abkommen soll Ende nächsten Jahres in Kopenhagen unterzeichnet werden.
Einigkeit ist mit Klimasündern wie den USA, China und Russland derzeit nur schwer herzustellen – da könnte es helfen, wenn der Musterschüler Deutschland mit gutem Vorbild vorangeht.
Die sonnigen Aussichten zwischen Alpen und Ostsee werfen aber auch Fragen auf: Wie kommt es in der Nieselregen- und Graupelschauer-Republik zu diesem Solarwunder? Wurde der Erfolg durch Subventionen in Milliardenhöhe erkauft? Und welche Alternativen gibt es, die Produktion von CO2-freiem Strom zu fördern?
Ein Blick auf deutsche Dächer zeigt: Schon heute ist das Land Weltmeister beim Bau von Solaranlagen – Sonnenstrom made in Germany macht fast die Hälfte der Weltproduktion aus. Auch bei Wind, Biomasse und Co. sind die Deutschen Spitze. Längst sind erneuerbare Energien kein Liebhaberthema für Umweltaktivisten mehr, sondern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Regenerative Quellen, so schwärmt Genosse Gabriel, tragen zur sicheren und nachhaltigen Energieversorgung bei, stärken die Innovationskraft – und schaffen jede Menge Arbeitsplätze.
Grund für den Ökoboom ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das Paragrafenwerk trat 2000 in Kraft und zwingt seitdem die großen Versorger, jede beliebige Menge an Öko-strom zu einem staatlich festgelegten Preis abzunehmen – der den Erzeugern dann für die nächsten 20 Jahre garantiert ist. Dabei übersteigen die fixen Einspeisetarife die Kosten für konventionellen Strom um ein Vielfaches.
Die dahinterstehende Hoffnung ist, dass der Ökostrom bei steigenden Preisen für fossile Brennstoffe irgendwann auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig wird. Bei Windkraft könnte das mittelfristig durchaus der Fall sein. Die Fotovoltaik aber ist davon noch weit entfernt.
Im Grunde gleicht die Förderung durch einen überhöhten Einspeisetarif einer staatlichen Subvention. Der Unterschied: Nicht der Staat finanziert das Ganze, sondern die Konzerne E.On, EnBW, RWE und Vattenfall müssen die Zuschläge zahlen – und geben die Mehrkosten dann an ihre Kunden weiter.
Die erneuerbaren Energien sind vor dem Gesetz nicht gleich
Die wirtschaftlichen Belastungen sind enorm: Allein für die zwischen 2000 und 2007 in Deutschland installierten Fotovoltaikanlagen summieren sich die Kosten bis zum Jahr 2027 auf real rund 26,5 Milliarden Euro, errechnete das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).
Ein weiterer Kritikpunkt: Die erneuerbaren Energien sind vor dem Gesetz nicht gleich. Das EEG verlangt je nach Technologie unterschiedlich hohe Vergütungssätze. Rund neun Cent pro Kilowattstunde kostet etwa die Einspeisung von Windstrom in das Netz, bis zu 17 Cent der Strom aus Biomasse und knapp 47 Cent der Solarstrom.
Zum Vergleich: Die Kosten der Stromerzeugung durch konventionelle Technologien auf Basis von Kohle, Kernkraft oder Gas liegen nur zwischen zwei und acht Cent.
Der Gesetzgeber subventioniert damit ausgerechnet besonders teure Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasen. Studien verschiedener Institute zeigen: Die Vermeidung einer Tonne CO2 mithilfe von Fotovoltaik kostet bis zu 1000 Euro. Bei der Windkraft liegen die Kosten bei rund 100 bis 200 Euro – während der Preis für CO2-Emissionszertifikate bislang noch nie über 30 Euro lag.
Die Emissionen werden nur verlagert – aber nicht verringert

Ungewiss ist auch, ob die kostspieligen Eingriffe des Gesetzgebers zum Erfolg führen, im Gegenteil: Experten befürchten, dass wegen der Koexistenz von EEG und dem auf EU-Ebene etablierten Emissionshandel nicht eine Tonne CO2 eingespart wird.
Da die Versorger durch die Einspeisung von Ökostrom weniger Elektrizität mit fossilen Brennstoffen erzeugen, brauchen sie auch weniger Emissionsrechte und können diese an andere Unternehmen verkaufen – etwa an benachbarte Stromerzeuger in der EU oder Firmen aus der Zement- und Stahlindustrie. Die Emissionen werden also nur verlagert – aber nicht verringert.
Namhafte Ökonomen wie Carl Christian von Weizsäcker, Charles Blankart und Christoph Schmidt fordern deshalb eine Kehrtwende. Sie raten, die Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien deutlich zu reduzieren – oder ganz einzustellen. Stattdessen sollte deren Erforschung und Entwicklung stärker als bisher gefördert werden.
Aus wirtschaftlicher Sicht sei es weitaus sinnvoller, neue und effizientere Energien technologieoffen zu fördern sowie Geld in die Erforschung von Speichertechnologien und zur Abscheidung und Speicherung von CO2 zu stecken.













