Öl: Der Ölpreis sinkt – aber wie lange noch?

Öl: Der Ölpreis sinkt – aber wie lange noch?

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Ein Kunde greift am18. April 2008 an einer Tanksaeule fuer Benzin und Diesel in Rosenheim nach einer Zapfpistole. Der Benzinpreis wird nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen BP, Uwe Franke, langfristig auf hohem Niveau bleiben. Denn es gebe kein billiges Oel mehr, sagte Franke.

Machen wir uns nichts vor – auch Ölpreis-Pessimisten, die vor ein paar Wochen schon locker über 200 US-Dollar für das Barrel in nächster Zukunft plauderten, würden sich freuen, wenn es ganz anders kommt. Zumindest, wenn sie nur geplaudert und nicht spekuliert haben. Eine Analyse von WirtschaftsWoche-Redakteur Hans Jakob Ginsburg.

Im Augenblick sieht es ja auch so aus, als hätten wir uns alle ganz übertriebene Sorgen gemacht. 

Von 145 Dollar ist der in London notierte Ölpreis binnen zweier Wochen auf weniger als 127 Dollar gefallen.In New York kostet das etwas leichtere und damit wirtschaftlich wertvolle Erdöl aus Texas zwei, drei Dollar mehr, aber das ist eigentlich immer so.

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Chart-Analysten, die auf den Ölpreis nicht anders schauen als auf Aktienkurse und Wechselkurse, sehen einen jahrelangen Aufwärtstrend gebrochen oder zumindest unterbrochen. Wer sich ernsthaft mit dem Ölmarkt beschäftigt, sieht sehr viel und gerade darum sehr wenig: Es gibt sehr viele mögliche Erklärungen für den jähen Preisabsturz wie zuvor für die Verdoppelung des Preises seit vergangenem Sommer. So viele, dass keine allein überzeugt, zumal fast jeder Faktor in sich schon die Möglichkeit der Gegenbewegung birgt.

Die amerikanische Konjunktur ist der wichtigste Faktor

Der wahrscheinlich doch wichtigste Faktor ist die amerikanische Konjunktur – besser gesagt: Die Erwartungen der Ölmarktteilnehmer in Sachen US-Konjunktur. Der Notenbankchef Ben Bernanke hat vor einem Senatsausschuss in Washington von „nachlassendem Wohlstand“ gesprochen und von einem „schlechten Arbeitsmarkt“ in Folge der Finanzkrise.

Gemeint hat er damit wohl,  dass seine Fed mit der Politik des billigen Geldes fortfahren muss. Bewirkt hat er einen einfachen Gedankengang bei allen, die mit Erdöl handeln: Amerikaner und in ihrem Gefolge die Bürger anderer Industrieländer werden ärmer, Kaufkraft sinkt, an der Zapfsäule wird gespart, die Benzinnachfrage sinkt und damit entspannt sich der Ölmarkt.

Wenn eine US-Rezession auch noch dazu fürht, dass die chinesische Industrie weniger Waren in Amerika absetzen kann, reduziert sich auch noch die chinesische Erdölnachfrage, und der Markt für Texas Light, Brent und die vielen anderen Erdölmarken kippt.

Kann alles so kommen. Der Wirtschaftsforscher Klaus Matthies vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, ein vorsichtiger und nüchterner Beobachter der Szene, sieht den Barrel-Preis im kommenden Jahr in der Gegend von 100 oder 120 Dollar.

Das hieße natürlich auch weniger Inflation, bei uns im Euroland und auch in den USA. Neue Kauflaune der Konsumenten wäre vorstellbar, nach Ende der Finanzkrise vielleicht auch eine schnelle Erholung der amerikanischen Wirtschaft – und der Ölpreis hätte keinen fundamentalen Grund mehr, weiter zu steigen.

 Viele Konjunkturforscher werden dieses Szenario für allzu optimistisch halten. Konjunkturforscher sind aber als Akteure am Erdölmarkt weniger wichtig als Händler, Produzenten, ölhungrige Industrie und Spekulanten – und die sind alle zusammen viel weniger nüchtern als die Wissenschaftler.

Der Anteil der Spekulation an der Ölpreisentwicklung schätzen Experten auf rund 10 Dollar pro Barrel

Wenn Fed-Chef Bernanke mit einer eigentlich überhaupt nicht überraschenden Äußerung die Märkte in New York und London beben lässt, kann kurz- wie mittelfristig alles Mögliche den Ölpreis zu schauerlichen Höchstpreisen treiben oder auf das Niveau von vor zwei, drei Jahren, als wir alle schon über die Preise an der Zapfsäule schimpften.

Die Ölpreis-Expertin Claudia Kemfert hat vor ein paar Wochen den Anteil der Spekulation an der Ölpentwicklung auf ungefähr 10 Dollar für den Barrel geschätzt. Wenn das stimmt, wäre der Spekulationsfaktor jetzt aus dem Preis heraus. Aber so genau weiß das niemand.

 Nach dem jähen Preisrückgang nach der Bernanke-Rede in der vorigen Woche ist das Erdöl seit vergangenem Wochenende noch einmal drei Prozent billiger geworden. Die gängige Erklärung unter den Experten: Die Zahlen aus Washington über den Pegelstand in den amerikanischen Vorratsspeichern haben das ausgelegt.

Jeden Mittwochnachmittag veröffentlicht die US-Regierung die Menge des in Amerika gelagerten Rohöls, Heizöls und Benzins. Die Faustregel seit vielen Jahren: Sinkende Vorratsstände bedeuten höhere Preise, steigende niedrigere.

Soweit einleuchtend für Studenten im ersten Semester Volkswirtschaft, aber so einfach ist es mal wieder nicht. Die Zahlen sind nämlich vergangenen Mittwoch im Verglich zur Vorwoche gesunken, nur ein bisschen weniger als vom Konsens der Experten zuvor erwartet.

Den Marktteilnehmern ist derzeit eben auch noch das schwächste Argument für fallende Preise recht – das ist der größte Unterschied zu den zurück liegenden Monaten. Da wird die Veröffentlichung der staatlichen amerikanischen Geologie-Behörde über vermutete Ölschätze in der Arktis ebenso gefeiert wie das harmlose Ende eines karibischen Hurrikans und die Anwesenheit eines Diplomaten aus Washington bei europäischen Verhandlungen mit dem Iran. Dabei hat der Diplomat bei den Verhandlungen geschwiegen, die Geologen haben nur längst bekannte Aufsätze in Buchform herausgebracht und der Hurrikan war nur der Anfang der diesjährigen Wirbelsturmsaison. Mit einem Wetterumschwung ist zu rechnen, in der Karibik oft und auf dem Ölmarkt sowieso.      

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