Ölpreis: Das ökonomische Roulette der Ölscheichs

KommentarÖlpreis: Das ökonomische Roulette der Ölscheichs

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

von Bert Losse

Der schwache Dollar setzt die Opec unter Druck – und könnte den Ölpreis deutlich nach oben treiben.

Den Libyer Shokri Ghanem kennen hierzulande nicht übermäßig viele Menschen. Auch der Bekanntheitsgrad von Ali al-Naimi dürfte eher überschaubar sein. Trotzdem haben in der vergangenen Woche schon einige Nebensätze und Andeutungen der beiden Herren die Märkte in Aufregung versetzt. Naimi ist Ölminister von Saudi-Arabien und hatte verlauten lassen, eine Preisspanne von 70 bis 90 Dollar sei für die Verbraucher noch „komfortabel“ – zuletzt hatte das Ölkartell Opec den Preis zwischen 70 und 80 Dollar zu halten versucht. Ghanem, Chef des staatlichen libyschen Ölkonzerns NOC, ging noch weiter. Er gab zu Protokoll, dass sich der Preis für das schwarze Gold bald wieder der 100-Dollar-Marke nähern werde.

Die Scheichs sind in der Klemme. Rohöl wird in Dollar gehandelt , somit lässt der sinkende Dollar-Kurs die Kaufkraft ihrer Öleinnahmen schrumpfen. Da die meisten arabischen Förderländer ihre nationalen Währungen an den Greenback gekoppelt haben, verteuern sich zugleich die Importe aus dem Nicht-Dollar-Raum wie Europa. Anders ausgedrückt: Saudi-Arabien und Co. können sich weniger leisten.

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Außerplanmäßige Sitzung der Opec

Im Dezember wollen sich die zwölf Opec-Staaten zu einer außerplanmäßigen Sitzung treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte das Kartell die tägliche Fördermenge um rund 15 Prozent nach unten geschraubt. Vor allem Saudi-Arabien macht nun Opec-intern Druck, die Fördermenge nicht wieder auszuweiten. Auf diese Weise wollen die Scheichs die Preise nach oben treiben.

Doch das ist ökonomisches Roulette. Ein höherer Ölpreis bringt den Förderländern zwar kurzfristig mehr Geld in die Kassen. Doch er bremst auch die Weltwirtschaft und senkt damit die Nachfrage nach dem Treibstoff der Wirtschaft – was wiederum zu sinkenden Öleinnahmen führt. Die Fundamentalfaktoren jedenfalls sprechen derzeit nicht für stark steigende Preise, die Rohstoff-Analysten der Commerzbank etwa sehen das fundamental gerechtfertigte Niveau bei etwa 70 Dollar. Die Ölvorräte in den Industriestaaten befinden sich auf hohem Niveau, in den USA etwa liegen sie 14 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt und nur noch knapp unter ihrem historischen Rekordwert. Gleichzeitig verliert der globale Aufschwung an Dynamik. Die OECD hat ihre Wachstumsprognosen für 2011 nach unten revidiert. Für den OECD-Raum erwarten die Ökonomen nur noch ein Wachstum von 2,0 bis 2,5 Prozent; zuvor hatten sie 2,8 Prozent vorhergesagt.

Doch womöglich müssen die Ölstaaten gar nicht selbst aktiv werden, um den Preis nach oben zu treiben. Nach dem Beschluss der US-Notenbank über den Ankauf weiterer Staatsanleihen stieg der Preis für Öl (WTI) am Donnerstag auf ein Sechs-Monats-Hoch von 86 Dollar. „Die zusätzliche Liquidität könnte auch in die Rohstoffmärkte fließen und zu dauerhaft überhöhten Ölpreisen führen“, warnt die Commerzbank. Für die Konjunktur verheißt all dies nichts Gutes.

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