Ölpreis: Der Ölpreis ist kaum zu steuern

KommentarÖlpreis: Der Ölpreis ist kaum zu steuern

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Benzin ist teuer. Die saudische Regierung will die Ölfördermenge erhöhen, um den Preis auf ein faires Niveau herabzusenken

von Bert Losse

Saudi-Arabien verspricht, den Ölpreis auf rund 100 Dollar zu drücken. Wenn das nur so einfach wäre. Von Bert Losse

Der Besuch einer Tankstelle ist für die Bundesbürger in diesen Tagen eine trostlose Angelegenheit. Der Spritpreis erklimmt immer neue Höhen, in der vergangenen Woche kostete ein Liter Super an vielen Zapfsäulen erstmals mehr als 1,70 Euro. Längst ist auch die Politik alarmiert – und bangt um den Aufschwung 2012. „Der steigende Ölpreis entwickelt sich zu einer Gefahr für das globale Wachstum“, warnt Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Da kam in der vergangenen Woche eine Meldung aus Saudi-Arabien gerade recht. Die saudische Regierung will durch höhere Fördermengen den Ölpreis auf ein „faires“ Niveau absenken, dem Vernehmen nach auf etwa 100 Dollar. Der saudische Öl-Minister Ali al-Naimi gab zu Protokoll, notfalls könne sein Land die Produktion von derzeit rund zehn Millionen Barrel täglich um bis zu 25 Prozent erhöhen.

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Wenn der größte Ölexporteur der Welt und Anführer des Ölkartells Opec so etwas verkündet, müsste dann nicht eine Trendwende beim Ölpreis unmittelbar bevorstehen? Leider nein. Denn Saudi-Arabien überschätzt seinen Einfluss gehörig. In Wahrheit haben die Saudis längst die Steuerungshoheit über den Ölpreis verloren.

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Schon jetzt ist das Angebot am Ölmarkt größer als die Nachfrage, ohne dass sich der Preis – wie es nach den gängigen Regeln der Volkswirtschaftslehre sein müsste – davon beeindrucken ließe. Experten beziffern den Produktionsüberhang auf 1,5 Millionen bis 2,0 Millionen Barrel pro Tag. Wenn die Saudis nun noch mehr Öl in den Markt drücken, indem sie ihre freien Förderkapazitäten anzapfen, könnte dies sogar einen gegenteiligen Effekt bewirken.

Diese Puffer – bei Saudi-Arabien sind es 2,5 Millionen Barrel pro Tag – haben eine wichtige psychologische Funktion. Sie sind wie das Gold im Tresor einer Notenbank der letzte Rettungsanker in Krisenzeiten. Ist dieses Pulver verschossen, sind die weiteren Reaktionsmöglichkeiten bei neuen Krisen gleich null. Das wissen auch die Märkte – und könnten den Ölpreis mit einem zusätzlichen Risikozuschlag versehen.

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Ohnehin entkoppelt sich der Ölpreis zunehmend von den ökonomischen Fundamentaldaten. Vor allem zwei Faktoren treiben die Notierungen derzeit in die Höhe. Erstens die explosive Lage im Iran. Und zweitens die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken, die massiv Liquidität in die Rohstoffmärkte treibt.

Beides kann Saudi-Arabien nicht beeinflussen. Die Autofahrer werden daher bis auf Weiteres mit grimmigem Gesicht an die Zapfsäule fahren müssen.

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