Ölpreis: Konjunkturpessimismus sorgt für neue Tiefstände

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KommentarÖlpreis: Konjunkturpessimismus sorgt für neue Tiefstände

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Die Preise für Rohöl in London und New York bewegen sich seit drei Monaten fast stetig nach unten

von Hans Jakob Ginsburg

Die Preise für Rohöl in London und New York bewegen sich seit drei Monaten fast stetig nach unten. In erster Linie hat das mit den dramatisch gesunkenen Konjunkturerwartungen der Marktteilnehmer zu tun.

So billig war das Rohöl in London oder New York seit Ende 2010 nicht mehr zu haben gewesen: 93 US-Dollar für das Barrel der Nordseesorte Brent in London Dienstagabend, und am Mittwoch wiesen alle Signale am Markt weiter nach unten. Die Analysten des französischen Bankhauses Société Générale rechnen mit 90 Dollar für die im August fälligen Kontrakte noch in dieser Woche. Und ein Ende des Preissturzes scheint nicht in Sicht.

So richtig freuen kann sich der Ölkonsument darüber nicht. Denn der neuerliche Preissturz hat fast nur einen Grund: Investoren und Spekulanten verkaufen den Rohstoff, weil sie das weltweite Wirtschaftswachstum im Niedergang sehen, angefangen mit schwachen Daten aus China und Indien, verstärkt durch die gerade für viele Außenstehende unendlich und unlösbar scheinende Euro-Krise. Da wird dann auch die Lockerung der Notenbankpolitik in den USA überhaupt nicht mehr als konjunktureller Hoffnungsschimmer gesehen, sondern als Zeichen, wie schlecht es derzeit um die amerikanische Wirtschaft bestellt ist.

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Das Energieministerium in Washington hat gerade mitgeteilt, dass die Rohölreserven in amerikanischen Vorratsspeichern vergangene Woche auf 387 Millionen Barrel gestiegen sind. Das ist der höchste Wert seit 1990. Die Société Générale sieht einen „bemerkbaren Nachfragerückgang“ am Werk, also keineswegs das Phänomen der frühen Neunzigerjahre, als Erdölkonzerne den Rohstoff in Erwartung früherer Preissteigerungen willentlich horteten. Die Londoner „Financial Times“ zitiert heute einen ungenannten New Yorker Banker mit der Erwartung, der Preis für texanisches Rohöl (in der Regel immer etwa zehn Dollar unter dem Londoner Brent-Preis) werde sehr wahrscheinlich bald auf 75 Dollar sinken.

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Und auf der Angebotsseite steuert keiner der üblichen Verdächtigen gegen. Saudi-Arabien fördert derzeit angeblich zehn Millionen Barrel pro Tag, mehr als irgendwann in den vergangenen 30 Jahren: Die saudischen fürchten einen ganz schlimmen Absturz der Weltkonjunktur mehr als ein paar verschmerzbare Milliarden durch niedrige Ölpreise entgangener Gewinne.  Weil Libyen und der Irak derzeit mit gewaltigen Produktionssteigerungen auf den Weltmarkt drängen, haben die übrigen Produzenten keine Möglichkeit, durch Produktionsdrosselungen den Preis nach oben zu hieven.

Und auf der Nachfrageseite kommt hinzu, dass der weltweit immer noch mit Abstand größte Ölverbraucher USA immer mehr Energie aus den in wachsenden erschlossenen heimischen Schiefergas-Beständen bezieht. Kommt es nicht gerade zu einem Krieg im Nahen Osten, ist in einer solchen globalen Situation eine erneute Wende auf dem Ölmarkt so gut wie ausgeschlossen.

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