Österreichs Nationalbankchef Nowotny: "Märkte übertreiben"

Österreichs Nationalbankchef Nowotny: "Märkte übertreiben"

Bild vergrößern

Ewald Nowotny vor dem Sitz der Österreichischen Nationalbank

von Konrad Handschuch und Elke Pickartz

Zentralbankchef Ewald Nowotny über den Euro-Rettungsschirm, die Zukunft der Währungsunion und neue US-Risiken.

WirtschaftsWoche: Herr Nowotny, die Euro-Krise ist noch nicht ausgestanden. Haben wir nun das Schlimmste überstanden, oder liegt es noch vor uns?Ewald Nowotny: Wir müssen hier klar unterscheiden: Es hat eine Krise einzelner Euro-Staaten gegeben, und ihre Lage ist weiterhin sensibel. Aber der Euro als solcher steckte nie in einer Krise – seine Funktionsfähigkeit und Stabilität waren immer gesichert, und das wird so bleiben.

Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Irland und Portugal sind auf neue Rekordstände geklettert – gibt Ihnen das nicht Anlass zur Sorge?Natürlich müssen wir aufmerksam bleiben. Aber es gibt keinen Grund für negative Spekulationen gegenüber diesen Staaten. Die Märkte übertreiben hier die Risiken. Vor der Krise haben sie sie unterzeichnet, da waren die Aufschläge zu niedrig, jetzt sind sie zu hoch. In Griechenland sind die Strukturreformen auf einem guten Weg. Das wird auch die Märkte überzeugen.

Anzeige

In Griechenland ist die Sorge groß, dass sich das Land nun in die nächste Rezession hineinspart...Es gibt keine kostenlose Bewältigung von Krisen, das haben wir alle schmerzlich lernen müssen. Aber nach den Korrekturen wird es auch wieder eine Phase des Wachstums geben.

Der EU-Rettungsschirm gilt zunächst für drei Jahre. Reicht diese Zeit aus, um Ländern wie Griechenland ausreichend Rückendeckung zu geben, oder sollte man den Fonds auf Dauer anlegen?Das wäre keine gute Idee. Die Dinge müssen ja zu einem guten Ende kommen. Aber wenn man nach einer Weile sieht, dass die Staaten in puncto Reformen viel erreicht haben, wäre eine gewisse Flexibilität denkbar. Für Griechenland selbst sehe ich derzeit keinen Diskussionsbedarf.

Wenn es in einem neuen Stabilitätspakt keinen dauerhaften Fonds geben soll, müsste es dann nicht eine Insolvenzordnung für Staaten geben?Theoretisch mag das ein interessantes Konzept sein. Praktisch habe ich Probleme, es mir vorzustellen. Es gibt viele historische Beispiele für geordnete Staatsinsolvenzen – etwa beim Londoner oder Pariser Club. Aber auf EU-Ebene wäre es nicht einfach, dies zu formalisieren und in die bestehenden rechtlichen Regelungen einzupassen.

Wie lässt sich aber dann Ausgabendisziplin und Stabilität im Euro-Raum herstellen?Wir sollten vor allem die mittelfristige Sicht stärker betonen und unsere Kriterien des Stabilitätspakts erweitern. Die derzeitigen Defizitkriterien alleine greifen aus meiner Sicht zu kurz. Wir brauchen eine umfassende Bewertung, die auch die Realwirtschaft, die Wirtschaftsstruktur der Länder und die Nachhaltigkeit der Entwicklung im Auge behält. Entscheidend wird etwa sein, ob wir es schaffen, unsere Renten- und Gesundheitssysteme langfristig zu stabilisieren. Die Stabilität eines Euro-Staates sollte auch daran gemessen werden.

Das klingt nach weichen Regeln, die in der Vergangenheit nicht funktioniert haben...Da würde ich differenzieren. Dass sich die Finanzlage in der EU und weltweit so verschlechtert hat, ist zu mehr als 50 Prozent auf den Wirtschaftseinbruch in der Krise zurückzuführen. Man muss die Defizitkriterien ernst nehmen, und jede Abweichung braucht eine besondere und sehr strikte Begründung. Aber es war richtig, die Maßnahmen zur Konjunkturstabilisierung nicht durch ein starres Festhalten an ihnen auszubremsen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%