Opec: Die Ölscheichs und die Krise

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Die Opec will die Rohölfördermenge wieder reduzieren

Die Opec beschließt erstmals seit zwei Jahren wieder, weniger Erdöl auf den Weltmarkt zu pumpen. Früher hätte so etwas die entwickelte Welt schockiert. Im Zeichen der Krise ist alles ganz anders.

Die Scheichs vom Golf und ihre aus Teheran, Algier und Caracas angereisten Kartellbrüder haben ihre Ankündigung wahr gemacht: Die Opec-Länder drosseln ihre Produktion um 1,5 Millionen Barrel pro Tag, das sind fast fünf Prozent ihrer bisherigen Fördermenge. Und ein ranghohes Mitglied der saudischen Delegation verrät einem der in Wien vor dem Konferenzgebäude wartenden Journalisten, sein Ziel sei ein Anstieg des gegenwärtigen Weltmarktpreises auf 90 Dollar für das Barrel, also fast 40 Prozent.

Im vorigen Jahrhundert haben derartige Nachrichten Schocks, pessimistische Konjunkturprognosen und politische Hektik ausgelöst. Im vorigen Jahr und bis in diesen Sommer hätte eine Opec-Preisdrosselung genauso wirkt, weil der Ölpreis sowieso schon und scheinbar unaufhaltsam stieg. Und heute ist der Wiener Beschluss ein Mosaiksteinchen der großen Krise, eines von vielen. Nicht viel mehr.

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Unmittelbar, nachdem die Kartellminister ihre Entscheidung bekannt gegeben hatten, setzte sich in New York der wichtigste Future-Preis für Rohöl in Bewegung. Nach unten: von gut 67 Dollar auf 63,05 in weniger als zwei Stunden. Erinnern Sie sich noch an den Juli dieses Jahres, als wir bei 147 Dollar fast alle wussten, warum das Erdöl immer nur teurer und teurer werden konnte?

Opec hin oder her - die Erdölspekulanten schauen nicht nach Wien, sondern auf die reale Wirtschaft um sie herum. In dieser fatalen Woche haben Automobilproduzenten rund um den Globus extrem pessimistische Ausblicke auf ihr weiteres Geschäft abgegeben. In Amerika entlässt Chrysler massenweise Arbeitskräfte. Wenn keine Autos mehr gebaut werden, wird schon bald viel weniger getankt.

Eigentlich heute schon. Rohstoffmakler in London schätzen, dass die weltweite Krise schon heute Rohöl-Nachfrage in Höhe von zwei Millionen Barrel pro Tag zerstört hat, das wären ungefähr zweieinhalb Prozent des globalen Tagesverbrauchs vor einem Vierteljahr. Wenn das so ist, tut die Opec mit einem Beschluss keinem weh.

Außer ihren berufsmäßigen Kritikern. Nobuo Tanaka, als Chef der Internationalen Energieagentur in Paris oberster Interessenvertreter der im Prinzip so erdölhungrigen Industrieländer, hatte die Opec-Minister im Vorhinein gewarnt, dass eine Drosselung der Produktion eine „negative Wirkung auf die weltweite wirtschaftliche Erholung haben könnte".

Auf was bitte, Herr Tanaka? Es ist doch schön, dass es noch Optimisten gibt.

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