Opec: Die Strategie der offenen Ölhähne

Opec: Die Strategie der offenen Ölhähne

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Die Opec will ihre Förderquoten unverändert lassen.

von Hans Jakob Ginsburg

Die Opec lässt trotz des Preisverfalls beim Erdöl ihre Förderquoten unverändert. Die Märkte lässt das kalt – kaum jemand hatte mit etwas anderem gerechnet.

Eigentlich müssten die Ölpreise sinken, wenn das Förderkartell seine Quoten trotz des gewaltigen Preisverfalls seit 2014 unverändert lässt. Davon war jetzt nach der Ölministertagung in Wien keine Rede: Die Händler wussten im Grunde schon lange, dass Saudi-Arabien an seiner Strategie der offenen Ölhähne nichts ändern will und dass kleinere Produzenten wie Algerien und Venezuela nichts daran ändern können. Die Ölminister der Opec pflegen sich seit langer Zeit zwei Mal im Jahr in Wien zu treffen: Schon lange nicht mehr, um den Ölpreis in die Höhe zu treiben – das funktioniert.

Aber auch nicht, um öffentlich die Wahrheit zu sagen – das haben sie noch nie gewollt. Nach dem unspektakulären Beschluss, die Förderquoten unverändert zu lassen, sagte der Minister Abdulkarim Luaibi aus dem Irak, sein Land fände das gut. Dabei ist der Irak vielleicht das einzige unter den zwölf Opec-Mitgliedern, das von einer Quotensenkung schnell profitieren würde: Weil dann einerseits der Peis wenigstens für ein paar Tage oder Wochen stiege, und weil der Irak seit längerem schlichtweg so viel Erdöl exportiert, wie er fördern und verkaufen kann – von Kartelldisziplin kann in dem politisch zerrissenen und wirtschaftlich chaotischen Land keine Rede sein.

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Opec-Tagung Die Ölscheichs verteidigen ihre Vormacht

Bei der Ministertagung des Produzentenkartells Opec wird es kaum um Förderquoten gehen. Den Saudis und ihren Verbündeten ist der niedrige Ölpreis ganz recht. Ihre größte Angst ist eine Abkehr vom Ölkonsum.

Teilnehmer einer Veranstaltung zum 50. Geburtstag der OPEC Quelle: AP

Ähnlich leicht nehmen dürfen am Ölpreis interessierte Händler und Verbraucher aber auch die Äußerung des mächtigsten aller Ölminister. Ali Naimi aus Saudi-Arabien ließ in Wien wissen, 60 bis 70 Dollar für das Barrel seien in seinen Augen ein guter Preis – also ein kleines bisschen mehr als derzeit. Naimi, alt gedient und erfahren, ist vor ein paar Wochen von seinem König als Chef des staatlichen Ölkonzerns Aramco abgelöst worden, seine Pensionierung als Minister wird schon bald erwartet.

Mit seiner Politik der fast ungezügelten Produktionssteigerung und des billigen Ölangebots hat er die drohende amerikanische Konkurrenz in die Schranken gewiesen: Bei 60 Dollar rechnen sich viele Investitionen in die Fracking-Technik einfach nicht, und dementsprechend hat der gewaltige Boom der Ölförderung in den USA einen Dämpfer bekommen. Was aber nicht heißen muss, dass Saudi-Arabien diese Politik noch lange fortsetzen wird.

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Eines hat man schon vorher gewusst: In der Opec geben die Saudis und die anderen arabischen Golfstaaten den Ton an; andere, vergleichsweise arme Förderländer haben kein Druckmittel gegen die Scheichs und nicht genug Marktmacht für Alleingänge. Die Saudis aber wollen es sich nach ihrem strategischen Sieg über die Fracking-Leute nicht ganz mit der amerikanischen Ölindustrie verderben. Auch darum lud die Opec den vielleicht mächtigsten amerikanischen Ölmanager diese Woche als Gast nach Wien ein. Der wurde natürlich in öffentlicher Runde gefragt, wie es mit dem Ölpreis weitergehen werde. Seine Antwort: „Wenn Sie Unsicherheit nicht aushalten, dürfen Sie nicht im Ölgeschäft arbeiten!“

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