Optimistische Konjunkturprognosen: In Deutschland ist Besserung in Sicht

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Optimistische Konjunkturprognosen: In Deutschland ist Besserung in Sicht

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Weihnachtseinkäufe. Die Wirtschaft könnte wieder stärker wachsen.

von Tim Rahmann

Die Konjunkturforscher sind sich einig: Die deutsche Wirtschaft wird 2015 und 2016 anziehen. Allerdings: Lange Zeit gingen die Experten auch für dieses Jahr von robusten Wachstumszahlen aus.

Egal ob arbeitgeber- oder arbeitnehmernah, ob öffentliche Behörde oder privates Institut: Die Konjunkturforscher sind sich einig, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren wieder stärker wächst. Nach dem ifo-Institut haben nun auch die Bundesbank in ihrem Monatsbericht Dezember und das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) ihre optimistischen Projektionen vorgestellt.

Besserung ist in Sicht, spekulieren die Autoren aus Frankfurt wie aus Düsseldorf. „Die deutsche Wirtschaft ist weiterhin in einer bemerkenswert guten Verfassung“, schreibt die Bundesbank. Sie profitiere nicht nur von der hohen Nachfrage im Inland, sondern könne auch von den Auslandsmärkten neuen Schwung bekommen - wenn sich die Euro-Krise abschwächt und der Welthandel Fahrt aufnimmt.

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„Unter diesen Bedingungen könnte die deutsche Wirtschaft nach einer Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,4 Prozent im laufenden Jahr im kommenden Jahr um 1,0 Prozent und im darauf folgenden Jahr um 1,6 Prozent expandieren“, prognostiziert die Bundesbank. Die deutsche Wirtschaft profitiere von der Zuwanderung. Negative Effekte erwarten die Autoren von der abschlagsfreien Rente mit 63 Jahren und dem flächendeckenden Mindestlohn.

Die Stärken und Schwächen des deutschen Arbeitsmarkts

  • Arbeitseinkommen

    Das Arbeitseinkommen umfasst das Einkommensniveau und den Grad der Einkommensungleichheit.

    Der Durchschnittsverdienst in Deutschland gehört zu den höchsten im OECD-Raum. Auch die Einkommensungleichheit ist vergleichsweise gering, obgleich Staaten wie Belgien, die Niederlande oder die Schweiz Deutschland in diesem Punkt noch etwas voraus haben.

  • Arbeitsmarktsicherheit

    Die Arbeitsmarktsicherheit definiert die OECD über das Risiko, arbeitslos zu werden und die soziale Sicherung für Arbeitslose.

    Das Risiko, in Deutschland arbeitslos zu werden, schätzt die OECD im Vergleich zu anderen Ländern als relativ gering ein. Das deutsche Sozialsystem sichere zudem Arbeitslose und ihre Familien effektiv ab.

  • Qualität des Arbeitsumfelds

    In puncto Qualität des Arbeitsumfeldes liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt. 2010 empfanden 19 Prozent der deutschen Arbeitnehmer die Arbeitsbedingungen als schwierig bzw. stressig. In Dänemark und in den Niederlanden lag die Zahl nur halb so hoch (9 Prozent).

    Die OECD weist darauf hin, dass die Hälfte aller Arbeitnehmer in Europa angibt, schlechte Arbeitsbedingungen beeinträchtigen ihre Gesundheit und die Qualität ihrer Arbeit.

Höhere Realeinkommen und niedrige Arbeitslosigkeit

Auch das IMK der arbeitnehmernahen Hans-Böckler-Stiftung erwartet eine neue Wachstumsdynamik. Höhere Realeinkommen und niedrige Arbeitslosigkeit in Deutschland seien die größten Unterstützer eines Aufschwungs.

„Der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts wird im Jahresdurchschnitt 2015 1,6 Prozent betragen, im Verlauf des Jahres sogar 2,1 Prozent“, so die IMK-Studie. Gleichwohl warnen die Autoren, dass es mehrere Faktoren gibt, die die Wirtschaft und den Aufschwung gefährden könnten. Dazu zählen die Klassiker: ein erneutes Aufflammen der Euro-Krise, eine Schwächephase der Schwellenländer oder eine drohende Deflation in Südeuropa.

Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

  • Was bedeutet das niedrige Preisniveau für Verbraucher?

    Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird: Die Euro-Stärke verbilligt die in Dollar abgerechneten Rohölimporte. Niedrige Inflation ist also in diesem Fall gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldkonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert. Allerdings wären die Einbußen für Sparer noch größer, wenn die Inflation höher läge.

  • Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

    Das Problem ist, wie Verbraucher und Unternehmen die künftige Entwicklung des Preisniveaus einschätzen. Wer weiter sinkende Preise erwartet, verschiebt vielleicht den Kauf der neuen Waschmaschine oder die Investition in die neue Fabrikhalle - denn es kann ja eigentlich nur günstiger werden. Das könnte eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang setzen: Unternehmen machen weniger Gewinn, Mitarbeiter werden entlassen. Diese können sich dann weniger leisten und der Druck, Preise weiter zu senken, nimmt zu. Diese Verkettung lähmt die Konjunktur. In der Folge sinken auch die Steuereinnahmen und die Belastungen durch Schulden und Sozialleistungen nehmen zu.

  • Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig?

    70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

  • Droht eine für die Konjunktur gefährliche Deflation?

    Darüber gehen die Meinungen auseinander. So warnt das DIW vor der Gefahr „einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale“ bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten. DIW-Präsident Marcel Fratzscher fordert ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank. Im „Focus“ schreibt er: „Ohne ein beherztes Eingreifen der EZB sehe ich schwarz.“ Europas Währungshüter rechnen zwar mit einer niedrigen Inflationsrate in diesem und im kommenden Jahr, Deflationsrisiken sehen sie aber nicht.

  • Was kann die Europäische Zentralbank tun?

    Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihekauf („Quantitative Lockerung/QE). „Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert“, glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

  • Wie werden sich die Verbraucherpreise weiter entwickeln?

    Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt, warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.

  • Müssen Verbraucher für Nahrungsmittel weiterhin mehr zahlen als 2013?

    Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

Per se gilt: Die Konjunkturprognosen sind ein Hinweis auf wirtschaftliche Erholung - eine Garantie geben sie noch lange nicht. Wie schnell sich die Lage ändern kann, zeigte sich 2014.

Einhellig prognostizierten die Konjunkturforscher ein starkes Wirtschaftswachstum. Bis zum Frühjahr signalisierten alle Frühindikatoren einen stabilen Aufschwung. Dann setzte ein drastischer Stimmungsumschwung ein, der sogar eine technische Rezession erwarten ließ.

Doch so weit ist es nicht gekommen. Die Wirtschaft legte im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu, trotz aller Krisen und Negativmeldungen. Sollte sich deren Zahl verringern, steht einem Aufschwung wenig bis Nichts im Weg.

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