
FrankfurtEr hat schon dickere Bücher veröffentlicht, bösartig könnte man sagen, solche mit mehr Gewicht. Dennoch sind fast alle Stühle in der Launch der Frankfurter Börse besetzt, als Otmar Issing gestern sein neuestes Werk präsentiert.
Der 76-jährige Volkswirtschaftsprofessor und frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) ist in der Euro-Debatte ein Schwergewicht. Alle wollen hören, was der Mann, der 1998 maßgeblich die geldpolitische Strategie der EZB ausarbeitete, in diesen Tagen zu sagen hat. Als er 2006 das Direktorium der EZB verließ, war der Euro auf dem Gipfel seines Ansehens. Heute wird Issing – mittlerweile Präsident des Center for Financial Studies in Frankfurt und Berater der US-Investmentbank Goldman Sachs – vor allem nach dem Scheitern der Gemeinschaftswährung gefragt.
Issing redet an diesem Donnerstag druckreif, viele seiner Zitate finden sich in dem Büchlein wieder, das auf 40 Seiten im DIN-A6-Format unter dem Titel „Wie wir den Euro retten und Europa stärken“ seine Sicht darlegt und in Interviewform verfasst ist. „Der Euro wird überleben, aber in einer anderen Zusammensetzung“, sagt Issing. Im Klartext heißt das, die Griechen müssen raus aus der Währungsunion. Immer neue Hilfen und Rabatte seien falsch, denn sie brächten ein „unbegrenztes Erpressungspotenzial“ mit sich und untergrüben den Reformwillen von Ländern wie Portugal, fährt Issing fort.
Auch die EZB gerät in den Fokus von Issings Kritik: Sie habe sich mit dem angekündigten neuen Ankaufprogramm für Staatsanleihen schwacher Euro-Länder zum „Gefangenen der Politik“ gemacht, rügt der Ex-EZB-Chefvolkswirt. „Das ist eine Bahn, die immer schiefer wird, mit Schmierseife immer glitschiger gemacht.“
Vieles an Issings Kritik klingt einleuchtend, ist berechtigt. „Die Politische Union ist nicht ein Instrument, um die gegenwärtige Krise zu bereinigen“, sagt er. Doch welche Instrumente gibt es dann? Jedes Land sei für sich selbst verantwortlich, und ein Zentralbanker habe sich – Krise hin oder her – auf den Auftrag der Preisstabilität zu konzentrieren, sagt Issing. „In der Krise muss man auch pragmatisch sein, aber nur Pragmatismus führt nicht weiter.“
„Wie wir den Euro retten und Europa stärken“ hätte der Titel eines gewichtigen Buches werden können. Leser würde es immer noch genug finden.















