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Post aus Harvard: Angst vor dem Pleite-Virus

Kolumne von Von Martin Feldstein

Griechenland ist pleite. Doch die EU meidet das Wort Bankrott - zumindest offiziell. So will sie anderen Wackelkandidaten Zeit zu verschaffen, sich zu sanieren. Eine gefährliche Strategie – die Märkte lassen sich nicht täuschen.

Martin Feldstein ist Professor an der Harvard-Universität. Der renommierte US-Ökonom schreibt jeden Monat exklusiv für WirtschaftsWoche und wiwo.de Quelle: Laif/Polaris
Martin Feldstein ist Professor an der Harvard-Universität. Der renommierte US-Ökonom schreibt jeden Monat exklusiv für WirtschaftsWoche und wiwo.de Quelle: Laif/Polaris

Wie geht es weiter mit Griechenland? Tragen wir die ökonomischen Fakten noch einmal zusammen: Die Staatsschulden haben ein untragbares Niveau von 150 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreicht, allein in diesem Jahr ist der Wert um zehn Prozentpunkte gestiegen. Die Wirtschaft bricht zusammen, die Arbeitslosenquote ist auf 16 Prozent nach oben geschossen. Der Staat leidet unter einem chronischen Zahlungsbilanzdefizit– aktuell acht Prozent vom BIP –, und den Banken kommen rapide die Einlagen abhanden. Was nun?

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Der einzige Ausweg für Griechenland ist, den Schuldendienst einzustellen. Wenn das geschieht, müssen mindestens 50 Prozent des Nennwerts dieser Schulden abgeschrieben werden. Der aktuelle Plan, den Barwert der privat gehaltenen Anleihen um 20 Prozent zu reduzieren, ist nur ein erster Schritt in diese Richtung.

Die Märkte sind sich bewusst, dass Griechenland vor dem Bankrott geht

Wenn Griechenland nach einer Pleite die europäische Währungsunion verlässt, kann es seine neue Währung abwerten, um so die Nachfrage anzukurbeln und Handelsbilanzüberschüsse zu erzielen. Eine derartige Strategie der "Pleite und Abwertung" ist bei Ländern in anderen Teilen der Welt die Regel, wenn sie mit untragbar hohen Staatsschulden und einem chronischen Leistungsbilanzdefizit kämpfen.

Die Märkte sind sich vollkommen bewusst, dass Griechenland insolvent ist und am Ende bankrott gehen wird. Das ist der Grund, warum der Zinssatz für dreijährige griechische Staatsanleihen in letzter Zeit auf über 100 Prozent gestiegen ist und die Rendite der zehnjährigen Anleihen bei 22 Prozent liegt. Daraus ergibt sich, dass eine in zehn Jahren zu zahlende Forderung im Wert von 100 Euro heute weniger als 14 Euro wert ist. Warum aber gibt sich die Politik speziell in Frankreich und Deutschland die größte Mühe, das Unvermeidliche zu verhindern – oder, genauer gesagt, hinauszuschieben?

Griechenland-Pleite hätte katastrophale Auswirkungen für Deutschland

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens haben Banken und andere Finanzinstitutionen in Deutschland und Frankreich enorme Bestände an griechischen Anleihen in den Büchern. Der politische Aufschub des Bankrotts verschafft den Banken nun Zeit, Kapital aufzubauen und ihr Engagement bei griechischen Banken zu reduzieren, indem sie fällige Kredite nicht erneuern und griechische Anleihen an die Europäische Zentralbank (EZB) verkaufen.

Der zweite und wichtigere Grund ist die Angst, dass der Fall Griechenlands auch Staatspleiten in anderen Ländern und einen Sturm auf die Banken, vor allem in Spanien und Italien, auslösen könnte. Ein Bankrott eines dieser großen Länder hätte katastrophale Auswirkungen für die Finanzbranche in Frankreich und Deutschland. Der Europäische Rettungsfonds ist groß genug, um den griechischen Finanzbedarf zu decken, aber nicht ausreichend, um Italien und Spanien zu finanzieren, wenn sie den Zugang zu den privaten Märkten verlieren. Die europäischen Politiker hoffen daher auf folgende Entwicklung: Wenn die Märkte sehen, dass Griechenland den Bankrott verhindern kann, steigt das Vertrauen in Italien und Spanien – worauf diese dann weiterhin Kredite zu vernünftigen Zinsen erhalten.

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36 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2011, 17:29 UhrAnonymer Benutzer: SCHÄUBLES/MERKELS JANUSKÖPFIGE VERNEBELUNGTAKTIK

    Schäuble in ARD "berlin direkt" vom So,16.10.11:
    "..eine Ansteckungsgefahr im bankensektor, da die Kapitalausstattung zu knapp sei. Es sei deshalb „eine wichtige Vorsorge“ , dass die banken mit ausreichend Kapital ausgestattet seien."

    Merkel/Schäuble führen seit Jahren in besten FDJ-"Agitations & Propaganda" Dialektik bauerntheater für konservative Wähler auf:
    "nur einmalig", "starke Sanktionen", "es darf sich nicht wiederholen", "konsequent regulieren", "Soliditäts-Union", "eine wichtige Vorsorge"..

    in Wirklichkeit sind's gerade die beiden, die dem Pferd erst richtig Zucker zu Deutschlands Untergang geben, stets analog Schäubles sinngemäßem Hinweis (ZEiT-Forum), als dass er nicht so ganz unglücklich sondern ja gar entspannt sei, weil je mehr Druck nun herrscht, desto mehr kann von überholten Nationalstaaten weg und nach brüssel übertragen werden. April, April, bVerfG!

    Von seinen "ertüchtigten Faszilitäten", als Umschreibung der "mit mehr Schlagkraft" erst nach blind vorlaufenden Parlamentszustimmung vervielfachtem EFSF/ESM, nicht zu sprechen!
    Und Merkel träumt weiter von "aufgewerteten EU-institutionen" und weiter vom Wahlen/beitrittreferenden nicht legitimierten EU-Rat der Staatschefs als nun quasi demokratische "EU-Wirtschaftsregierung"!

    Dabei ist DE mit 9.000 Mrd Staats-/Sozialschulden selbst überschuldet und hat in 40 Jahren nicht 1 Cent getilgt, zahlt so schon selbst TÄGLiCH 100 Mio EUR bANKZiNSEN!
    Und EU-bANKEN haben lt. bARROSO bereits 4.600 Mrd Euro (50% EU-biP, 30x DE-Städteschulden) "vom Steuerzahler", trotz eigener 30 biLL. EUR AKTiVA (biZ, FTD), bekommen!

    Trotzdem leiten Schäuble/Merkel im gezielt vernebelnden Wortdurchfall gerade nächste "einmalige", "alternativlose" und "unbeschränkte" bANKEN-bETANKUNG mit Geld ungeborener Generationen ein, statt einer marktwirtschaftlichen Abwicklung dieser, obwohl in USA in selben Situation über 500 banken abgewickelt wurden!

  • 17.10.2011, 16:39 UhrAnonymer Benutzer: Alfred

    Dass hier im täglichen Rythmus ausgerechnet US-Ökonomen sich über die "europäische" Krise auslassen dürfen, spricht bände. Dabei müssten sie gar nicht über den Teich schauen, um den 500-Pfund Pleitegorilla zu untersuchen. in Europa wird seit 2 Jahren das Problem angegangen, in den USA wird noch nicht einmal zugegeben, dass es ein Problem gibt.

  • 17.10.2011, 11:33 UhrAnonymer Benutzer: Ulrich

    Auf Dauer werden sich die Südeuropäer den Euro Terror sowiese nicht gefallen lassen. im Moment geht es ja nur darum, dass vor der Wahl in Frankreich keines dieser Länder aus dem Euro aussteigt.

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