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kolumnePost aus Harvard: Inflation ist eine reale Gefahr

Kolumne von Martin S. Feldstein

Der inflationäre Druck ist derzeit gering, doch das kann sich schnell ändern. Ob dann die Exit-Strategien der Notenbanken in den USA und Euro-Land funktionieren, ist mehr als unsicher.

Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993

Währung: Manat

Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage

Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore

Bild: AP

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Die Lage scheint entspannt: Momentan ist in allen Industrieländern die Inflation niedrig – und angesichts hoher Arbeitslosigkeit und stagnierendem Wachstum entfallen auch die üblichen Gründe für einen Aufwärtsdruck auf die Preise. Dennoch sorgen sich Finanzinvestoren und Ökonomen, dass die Inflation wegen der von der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) veranlassten enormen Ausweitung der Reserven der Geschäftsbanken bald ansteigen könnte. Sie erinnern sich daran, dass Inflation typischerweise die Folge einer monetären Expansion ist – und befürchten, dass es auch diesmal nicht anders sein wird.

Die Anleger reagieren auf das Inflationsrisiko unter anderem mit dem Kauf von Gold und Agrarflächen. Der Goldpreis stieg jüngst auf ein Vier-Monats-Hoch; auch bei Silber, Platin und anderen Metallen gab es Preissprünge. Die Preise für Ackerland in Iowa und Illinois sind 2011 um über zehn Prozent gestiegen.

Aber im Gegensatz zu privaten Anlegern glaubt die Fed nicht an wachsende Inflation. Sie verweist darauf, dass die enorme Expansion der Reserven der Geschäftsbanken nicht zu einem vergleichbaren Anstieg bei Geldmenge und Krediten geführt habe. Obwohl die Reserven in den vergangenen drei Jahren jährlich um 22 Prozent anstiegen, ist das Geldmengenaggregat M2, welches das nominale BIP-Wachstum und die Inflation über lange Zeit am besten reflektiert, in diesem Zeitraum um weniger als sechs Prozent gestiegen.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen.

Dramatische Zunahme des Kreditvolumens

In den vergangenen Jahrzehnten führten starke Ausweitungen der Bankreserven zu einer drastischen Zunahme des Kreditvolumens. Dies ließ die Geldmenge steigen und schürte das inflationäre Ausgabenwachstum. Nun aber sind die Banken bereit, überschüssige Reserven bei der Fed zu halten, weil sie dafür Zinsen bekommen. Auch die EZB zahlt Zinsen für Einlagen; auch sie kann im Prinzip verhindern, dass höhere Reserven zu einer ungewollten Kreditexpansion führen.

Die Zinszahlungen der Fed sind der Schlüssel zu der „Exitstrategie“ aus der quantitativen Lockerung. Gewinnt der Aufschwung an Fahrt, werden die Geschäftsbanken die von der Fed geschaffenen riesigen Reserven nutzen wollen, um Kredite an Firmen und Verbraucher zu vergeben. Steigen die Kredite zu rasch an, kann die Fed die Einlagenzinsen erhöhen. Bei ausreichend hohen Zinssätzen könnten die Banken dann der von der Fed gebotenen Kombination aus Liquidität, Sicherheit und Ertrag gegenüber einer Ausweitung der Privatkredite den Vorzug geben.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.09.2012, 11:28 UhrVomMinisteriumfuerUeberfluss

    ..lesen sie alle das Buch "Vom Gelde - Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn" von Argentarius aus den Jahren 1921-1923! Darin wird sehr detailiert beschrieben, warum es keine EXIT-Strategien geben wird und kann. Einmal gedrucktes Geld, führt zu Preisblasen in lukrativen Assetklassen. Die Assetklassen welche jedoch eigentlich das Geld benötigen, weil illiquide, werden keines erhalten! Logisch, da die Geld-Allokation und die Arbitrage dort nichts einbringt. Liebe Leute, kauft regelmäßig physisches Gold und Silber oder andere Sachwerte. Lasst die Finger weg, von Papier, so gut es nur geht!

  • 25.09.2012, 09:00 UhrWegweiser

    Hieran zeigt sich wieder einmal, wie wichtig und lebensnotwendig eine eigene, unabhängige und stabile Währung ist. Eine Budget-, Notenbank-, Steuer-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik sind eine ökonomische Einheit, die unabdingbar zu einer Währung gehören. Diese sind jedoch innerhalb der Eurozone überhaupt nicht miteinander abgestimmt. Dies ist auch nicht möglich, da viele Volkswirtschaften völlig unterschiedliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten haben, die zu weiteren Ungleichgewichten führen. Leistungsbilanzüberschüsse in Höhe von 274 Milliarden Euro standen Leistungsbilanzdefizite in Höhe von 280 Milliarden Euro gegenüber, hinzu kommen Bundesbank-Forderungssalden (Target 2) in Höhe von 750 bis 780 Milliarden Euro.

    Die Höhe des Rekapitalisierungs- und Abschreibungsbedarfes des südeuropäischen Bankensektor ist noch völlig unabsehbar und kaum einzuschätzen. Auch hier hat die EZB über LTRO ohne ausreichende Besicherungen, ELA ohne Limit und Transparenz und einen einheitlichen Niedrigstzinssatz erhebliche Stabilisierungshilfen geleistet. Eine Bankenunion ist in Planung mit einer einheitlichen Einlagensicherung. Der nächste logische Schritt wäre eine Zusammenfassung aller Sozialversicherungssysteme und dann auch einen direkten Finanzausgleich über die einzelnen nationalen Budgets.

    Diese Währungsunion ist auch nicht mehr mit einer ungebremsten Monetarisierung ihrer staatlichen und privaten Verschuldungen und ihre unbekannten unkalkulierbaren Kreditausfallrisiken zu retten. Die Vergemeinschaftlichung von Schulden ist gescheitert, die Monetarisierung läuft und die Sozialisierung (Inflation) wird eine Kapitalflucht mit zusätzlichen Kapitalverkehrskontrollen bewirken.

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