Post aus Harvard: Strategien gegen die Dollar-Schwäche

kolumnePost aus Harvard: Strategien gegen die Dollar-Schwäche

Die Angst vor einem Absturz der Weltwährung ist übertrieben, meint Harvard Ökonom Martin Feldstein. Trotzdem rät er Dollar-Anlegern, ihre Portfolios umzuschichten.

Bild vergrößern

Martin Feldstein ist Professor an der Harvard-Universität. Der renommierte US-Ökonom schreibt jeden Monat exklusiv für WirtschaftsWoche und wiwo.de

Offizielle Vertreter Chinas aber auch internationale Privatinvestoren äußern in aller Öffentlichkeit Sorge über die Sicherheit ihrer Dollar-Anlagen. Da die Pekinger Regierung einen Großteil ihrer gewaltigen Devisenreserven von insgesamt zwei Billionen Dollar in Form der US-Währung hält, hat sie allen Grund, die Wertentwicklung des Greenback im Auge zu behalten. Anleger mit geringeren Dollarbeständen, die leichter als die Chinesen in andere Währungen wechseln könnten, fragen sich mit Recht, ob sie ihre Investments diversifizieren oder den Dollar überhaupt meiden sollten.

Die Sorge um die Zukunft der Weltwährung speist sich aus unterschiedlichen, aber miteinander verwobenen Problemen. Vor allem stehen folgende Fragen im Raum: Setzt der Dollar seinen langfristigen Abwärtstrend gegenüber anderen Währungen fort? Werden die für das nächste Jahrzehnt und darüber hinaus prognostizierten Staatsschulden der USA zu Inflation oder sogar Zahlungsunfähigkeit führen? Gipfelt das explosionsartige Wachstum der Überschussreserven der Geschäftsbanken in galoppierenden Preisen, sobald sich die Wirtschaft erholt?

Anzeige

Chinesen, Saudis und Inder sollten sich Sorgen machen

Manche dieser Sorgen sind durchaus berechtigt, doch die Angst vor einer grundlegenden Instabilität des Dollars ist übertrieben. Die wahrscheinlichste Negativentwicklung ist allerdings, dass der Dollarkurs gegenüber anderen Währungen fällt. Selbst nach seiner jüngsten Erholung im Verhältnis zum Euro liegt der gegenüber einem umfangreichen Währungskorb handelsgewichtete Dollarwert schon heute um 15 Prozent niedriger als vor einem Jahrzehnt - und sogar um 30 Prozent niedriger als vor 25 Jahren.

Obwohl gelegentliche Nervositätsausbrüche an den weltweiten Finanzmärkten einen Anstieg des Dollars bewirken, ist zu erwarten, dass der er gegenüber dem Euro, dem japanischen Yen und der chinesischen Währung Renminbi weiter an Wert verliert. Doch dieser Rückgang ist notwendig, um das enorme Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber dem Rest der Welt zu reduzieren.

Für die Chinesen wäre das übrigens keine Katastrophe. Wenn sie aktuell etwa eine Billion Dollar in ihren offiziellen Portfolios haben, würde ein 10-prozentiger Anstieg des Renminbi-Dollar-Wechselkurses den Wert dieser Anlagen - gerechnet in chinesischer Währung - um denselben Prozentsatz verringern. Das ist zwar ein enormer Buchverlust, aber am Wert amerikanischer Güter oder Anlageimmobilien, welche die Chinesen mit ihren Dollarreserven kaufen könnten, würde sich nichts ändern.

Chinesen, Saudis, Inder oder andere Anleger außerhalb der Eurozone sollten sich aber Sorgen um eine Wertverringerung des Dollars gegenüber dem Euro machen. Denn wenn dieser Rückgang wieder einsetzt, bekommen sie auf den europäischen Märkten für ihre Dollars weniger. Es ist zwar schwierig zu sagen, wie stark dieser Rückgang ausfallen wird, aber ausgehend vom aktuellen Wechselkurs von etwa 1,40 Dollar pro Euro wäre ein Kursabfall von 20 Prozent in den nächsten Jahren nicht überraschend.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%