Post aus Harvard: Zinswende muss im Dezember kommen

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USA: Zinswende jetzt!

Kolumne von Martin S. Feldstein

Die US-Notenbank Fed sollte noch in diesem Jahr die Leitzinsen anheben. Der Verweis auf die schwächelnde Konjunktur in China taugt nicht als Argument, die expansive Geldpolitik in Amerika fortzusetzen.  

Janet Yellen und die Mehrheit ihrer Kollegen im Offenmarktausschuss (FOMC) der amerikanischen Notenbank Fed planen, den Zinssatz für Kurzläufer noch vor dem Jahresende heraufzusetzen. Das hat die Notenbankpräsidentin mit einer Rede an der Universität von Massachusetts höchstpersönlich  klar gemacht: Die lange Zeit des extrem niedrigen Zinses ist bald vorbei.

Angesichts der reichlichen Erfahrung mit wechselnden inhaltlichen Standpunkten der Fed in den vergangenen Jahren bleiben die Märkte indes skeptisch. Von der Fed war monatelang zu hören gewesen, sie würde den Zinssatz anheben, wenn der Arbeitsmarkt annähernd Vollbeschäftigung erreichen würde und gleichzeitig aus Sicht des maßgeblichen Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) eine jährliche Teuerungsrate von zwei Prozent prognostiziert werden könnte. Diese beiden Bedingungen waren Anfang September erreicht. Und was geschah? Nichts, die Fed beschloss, am Zinssatz nichts zu ändern. Mit der Begründung, man sorge sich um die Lage der Weltwirtschaft und vor allem um die Entwicklung in China.

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Wo würde der DAX ohne Notenbanken stehen?

  • 31.10.2014

    Die Bank of Japan weitet ihre Anleihekäufe auf jährlich 583 Milliarden Euro aus. Der Dax steigt um 2,3 Prozent auf 9326,87 Punkte

  • 18.12.2014

    Fed-Chefin Yellen sagt, sie warte „geduldig“ auf den richtigen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung.

  • 15.01.2015

    Die Schweizer Notenbank gibt den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro auf, der Euro sackt ab.

  • 22.01.2015

    EZB-Chef Draghi kündigt für die Zeit ab März Anleihekäufe über monatlich 60 Milliarden Euro an.

  • 10.04.2015

    Dax- Rekord bei 12.374,73 Punkten, im Tagesverlauf erreicht er sogar 12.390,75 Punkte.

Mich hat das nicht überzeugt. Schon seit ein paar Monaten finde ich, die Fed sollte mit einer rigideren Geldpolitik beginnen, um die Risiken finanzieller Instabilität zu reduzieren. Die Instabilität wird vom Verhalten der Investoren und Kreditgeber ausgelöst, die auf die überlange Periode ungewöhnlich langer Zinsen seit der Finanzkrise von 2008 reagieren. Vorgänge in China rechtfertigen kein längeres Abwarten.

Um das zu verstehen, muss man nur auf die wirtschaftliche Situation in den USA schauen, zuerst einmal auf den Arbeitsmarkt. Am Tag der FOMC-Sitzung Mitte September war die Arbeitslosenrate auf 5,1 Prozent gefallen – dieses Niveau hat die Fed früher einmal als Vollbeschäftigung bezeichnet. Auch wenn es noch Amerikaner gibt, die keine Vollzeitbeschäftigung finden, würden Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit unter diese 5,1 Prozent auch nach Ansicht der Fed selber am Ende zu einem unerwünschten Anstieg der Teuerungsrate führen.

Die Inflation selber bietet derzeit in den USA ein diffuses Bild. Die Teuerungsrate in den zwölf Monaten von September 2014 bis 2015 lag bei nur 0,2 Prozent, also weit unter dem Zweiprozent-Ziel der Notenbank. Das spiegelte den dramatischen Rückgang der Energiepreise in diesem Zeitraum wieder: Im Warenkorb der Statistiker war der Preis für Energieträger übers Jahr um 13 Prozent gesunken. Rechnet man das aus der  Inflationsberechnung heraus, ergibt sich für alle anderen Waren und Dienstleistungen eine so genannte Kerninflation von 1,8 Prozent. Diese einfache Rechnung unterschätzt sogar noch die Bedeutung des Energiepreisverfalls für die Inflationsentwicklung, weil das billige Benzin fast alle Transportkosten reduziert, die sich natürlich in den Preisen für alle möglichen Güter niederschlagen.

Ökonomen warnen Lockere Geldpolitik treibt Anleger ins Risiko

Vor der EZB-Sitzung hoffen die Märkte auf weitere Anleihekäufe. Doch die Gefahren aus der lockeren Geldpolitik wachsen. Anleger treiben die Niedrigzinsen ins Risiko, das Finanzsystem wackelt. Ein unlösbares Dilemma?

Lockere Geldpolitik treibt Anleger ins Risiko Quelle: dpa

Die Schlussfolgerung ist simpel: Sobald die Energiepreise nicht mehr weiter fallen, steigt die allgemeine Inflationsrate in die Gegend von zwei Prozent im Jahr.  Kein Wunder also, dass die Teuerungsprognosen der FOMC-Mitglieder für 2017 und 2018 im Median bei 1,8 Prozent und 2,0 Prozent liegen.

Also musste sich die Fed etwas anderes als die amerikanische Konjunktur als Erklärung einfallen lassen, wenn sie den Zinssatz unverändert lassen wollte. Und das tat sie auch: Sie sprach von China, dessen Wirtschaftsentwicklung seit dem Sommer weltweit negative Schlagzeilen gemacht hatte. Gewiss: China hat begonnen, seine Importe zu reduzieren, was möglicherweise die globale Nachfrage nach amerikanischen Produkten reduziert. Chinas Börsen erlebten zuletzt scharfe Kursrückgänge, um die 40 Prozent im Vergleich zu den erst kürzlich erreichten Höchstständen. Ganz plötzlich hat China auch seine Landeswährung abgewertet, was für die USA unter Umständen geringere Kosten für Importe und daraus folgend eine niedrigere Inflationsrate bedeuten kann.

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