Professorenstreit: Das Ökonomen-Weltbild zerplatzt

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Professorenstreit: Der Glaubenskrieg der Ökonomen

Das Ökonomen-Weltbild zerplatzt

Der innerdeutsche und transatlantische Ökonomenstreit wird von Außenstehenden vermutlich eher mit Befremden wahrgenommen. Wenn ausgesprochen prominenten Wissenschaftlern wie Sinn nun von Kollegen dies- und jenseits des Atlantiks vorgeworfen wird, sie seien "Stammtisch-Ökonomen" (Michael Hüther) und ein Nobelpreisträger sie als "Sünder" tituliert, so dürfte dies das Vertrauen der Bevölkerung in die Kompetenzen der gesamten Zunft nicht gerade stärken. Ebenso wenig vertrauenerweckend erscheinen die etwa zehn Ökonomen, die beide Appelle, den von Sinn und den Gegenaufruf, unterzeichneten.

Der mit Beschimpfungen gewürzte Streit scheint eher die Vorbehalte vieler Sozial- und Kulturwissenschaftler gegen "Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie" - so der Titel eines Bestsellers des Wirtschaftsphilosophen Karl-Heinz Brodbeck - zu bestätigen. Vor allem der Anspruch der Volkswirtschaftslehre, allgemein und global gültige Gesetzmäßigkeiten erkennen zu können, wird von anderen Wissenschaftlern als längst überholt angesehen. "Wenn die Bedeutung einer Wissenschaft nach der Genauigkeit und Treffsicherheit ihrer Voraussagen beurteilt werden würde, dann dürfte die Volkswirtschaftslehre keine große Rolle spielen, weder hier noch in irgendeinem anderen Land", schreibt der Düsseldorfer Politologe Torben Lütjen.

Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Der Wirtschaftssoziologe vergleicht Ökonomen mit einer Sekte. Quelle: Pressebild

Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Der Wirtschaftssoziologe vergleicht Ökonomen mit einer Sekte.

Bild: Pressebild

Der tiefsitzende Dissens zwischen den Rezepten der angelsächsischen Ökonomen und der großen Gruppe um Sinn und Krämer zeige, so Wolfgang Streeck, Wirtschaftssoziologe und Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln, wie sehr nationale Erfahrungen die Urteile der Menschen präge.

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Und das wiederum widerspreche dem Weltbild der Ökonomie. "Die Ökonomen sind wie eine Sekte. Sie gehen davon aus, dass es nur eine Wahrheit geben kann", sagt Streeck. Da die Finanzkrise zeige, dass niemand wisse, was absolut richtig sei, "zerplatzen jetzt die Blütenträume eines mechanistischen Weltbildes."

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