Professorenstreit: Historische Vergleiche

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Professorenstreit: Der Glaubenskrieg der Ökonomen

Historische Vergleiche

Wie sicher die Economist-Redaktion sich ihrer Sache ist, zeigt deren Reaktion auf eine Gegenkarikatur des Handelsblatts: Deren Graphiker hatten der sinkenden Weltwirtschaft Säcke voller Schulden als Ballast beigefügt. Der Economist antwortete besserwisserisch: „Das Handelsblatt-Bild zeigt, dass die Deutschen es immer noch nicht kapieren.“ Der Glaube, die Wahrheit gepachtet zu haben, ist offenbar fest verankert.

Unterstützung für Merkels Kurs ist in der englischsprachigen Ökonomenwelt sehr selten. Nur so ist das Aufsehen zu erklären, das das US-Magazin "Time" mit seinem Titel erregte: "Warum alle es lieben, Angela Merkel zu hassen. Und warum damit alle falsch liegen." 

"Der Sparwahnsinn muss beendet werden"

Das Rezept der meisten amerikanischen Ökonomen ist das von Nouriel Roubini: "Der Sparwahnsinn muss beendet werden", verlangt er im Interview mit der Bild-Zeitung. Er geizt auch nicht mit konkreten Vorschlägen: "Die deutsche Regierung sollte jedem deutschen Haushalt einen 1000-Euro-Reisegutschein schenken. Der darf aber nur für Urlaub in den Krisenländern ausgegeben werden." In der Financial Times Deutschland forderte er gemeinsam mit dem britischen Historiker und Nebenberufsökonomen Niall Ferguson die Deutschen auf, ihre Inflationsangst zu überwinden und die "Lehren der Vergangenheit" anzunehmen: Merkel wiederhole die Fehler von Reichskanzler Heinrich Brüning, der die Wirtschaftskrise in den frühen 1930er Jahren durch seine Sparpolitik verschärft habe. Auch Eichengreen und der ehemalige US-Vize-Finanzminister und Berkeley-Professor J. Bradford DeLong, schreiben gemeinsam in einem Vorwort, dass die Parallelen zwischen Europa in den frühen 30ern und in der Gegenwart "beängstigend" seien. Dass Europa damals gerade einen Weltkrieg hinter sich hatte und der Sozialstaat nur ansatzweise existierte, scheint kaum erwähnenswert.

Der Ökonom Nouriel Roubini (links)  von der New York University wird wegen seiner frühen Vorhersage der US-Immobilienkrise und der Euro-Krise "Dr. Doom" genannt. Niall Ferguson (rechts) ist Professor für Finanz- und Wirtschaftsgeschichte an der Harvard University. Beide werfen Angela Merkel vor, die Fehler von Reichskanzler Heinrich Brüning zu wiederholen. Quelle: dpa

Der Ökonom Nouriel Roubini (links) von der New York University wird wegen seiner frühen Vorhersage der US-Immobilienkrise und der Euro-Krise "Dr. Doom" genannt. Niall Ferguson (rechts) ist Professor für Finanz- und Wirtschaftsgeschichte an der Harvard University. Beide werfen Angela Merkel vor, die Fehler von Reichskanzler Heinrich Brüning zu wiederholen.

Bild: dpa, Reuters

Die Rezepte der angelsächsischen Ökonomen

Wenn es um Deutschland geht, sind sich Amerikas Ökonomen vom notorischer Pessimisten Roubini ("Dr. Doom") bis zum Keynesianer Paul Krugman einig: Europa braucht eine Bankenunion, und Deutschland muss den anderen Ländern der Euro-Zone aus der Patsche helfen, sonst geht die Währungsunion unter. An Selbstgewissheit mangelt es Krugman nicht: "Wir haben das Wissen und die Mittel, um dem Leiden ein Ende zu machen."  

Krugman präsentiert als Vorbild die Unterstützung Floridas durch die US-Zentralregierung: Washington hat für den unter der Immobilienkrise, sinkenden Einnahmen und dem demografischen Wandel leidenden Staat ein Hilfspaket geschnürt, das größer ist als jeder Bail-Out eines Euro-Staats. Dennoch steigen die Zinsen für US-Anleihen kaum, die Kapitalmärkte denken nicht daran, gegen den US-Dollar zu wetten. Er folgert daraus, dass Berlin gegenüber Athen, Madrid und Rom so handeln soll wie Washington gegenüber Florida: Zahlen, bis das Geld ausgeht – und dann über die EZB die Notenpresse anwerfen, um weiter liquide zu sein.

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