Prognose des ifo-Instituts: Die deutsche Wirtschaft berappelt sich

ThemaKonjunktur

Prognose des ifo-Instituts: Die deutsche Wirtschaft berappelt sich

Die Stagnation im Sommerhalbjahr 2014 ist keine Trendwende: Deutschlands Wirtschaft zeigt sich laut ifo-Institut robust - und soll im kommenden Jahr ordentlich wachsen. Hauptrisiko bleibt die Euro-Krise.

Die Konjunktur knickte ein, plötzlich waren die Sorgen zurück: Steuert Deutschland auf eine Rezession zu? Die Antwort ist: nein. Dank konsumfreudiger Verbraucher bleibt Deutschland nach Prognose des Münchner Ifo-Instituts auf einem stabilen Wachstumskurs.

Die Wirtschaftsleistung wird demnach in diesem und im kommenden Jahr um jeweils 1,5 Prozent steigen, wie die Forscher um Ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Donnerstag mitteilten. Die Münchner blicken damit optimistischer auf die Wirtschaft als die führenden Institute in ihrem Herbstgutachten, an dem auch das Ifo beteiligt war: Darin sagen die Forscher ein Plus von 1,3 Prozent für 2014 und von 1,2 Prozent für 2015 vorher.

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Die Erholung erhalte starke Impulse vom Konsum, der im nächsten Jahr um 1,7 Prozent zulegen dürfte. Im laufenden Jahr werde der private Verbrauch nur um 1,1 Prozent anziehen. „Die fallenden Ölpreise und der Kursverfall des Euro haben mitgeholfen, die Schockstarre nach dem Ausbruch der Ukraine-Krise zu überwinden“, sagte Sinn in München. „Die Unternehmen schauen nun wieder etwas gelassener in die Zukunft.“

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Die Arbeitslosenquote dürfte laut Ifo 2015 leicht auf 6,6 Prozent sinken. Das bedeutet, dass im Jahresmittel knapp unter 2,9 Millionen Menschen arbeitslos sein werden. Die Zahl der Erwerbstätigen wird demnach dank der starken Einwanderung einen Rekord von 42,84 Millionen erreichen. Die Preise werden um 0,8 Prozent steigen, etwas weniger als noch 2014. Damit bleibt die Inflation weit niedriger als der EZB lieb sein kann, die stabile Preise bei einer Teuerung von knapp zwei Prozent ansiedelt.

Während die Exporte der Ifo-Prognose zufolge 2015 um 5,2 Prozent zulegen werden, wird für die Importe sogar ein Plus von 5,8 Prozent erwartet. Gleichzeitig dürfte der Überschuss der Leistungsbilanz auf einen neuen Rekord von 222 Milliarden Euro steigen, nach 212 Milliarden in diesem Jahr. Die Investitionen steigen vermutlich um 2,0 Prozent, nach 2,8 Prozent 2014.

weitere Artikel

Ein Hauptrisiko für die Weltkonjunktur stellt nach wie vor die schlechte wirtschaftliche Verfassung mehrerer Euroraumländer dar, so die Studienleiter. Trotz der strukturellen Reformen, die in Spanien, Irland, Portugal und Griechenland in den zurückliegenden drei Jahren durchgeführt wurden, seien die notwendigen Anpassungen noch lange nicht abgeschlossen.

Ein Punkt ist die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit: Viele Staaten würden noch immer zu teuer produzieren, die Anpassung der Preise sei „unabdinglich, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und die langfristige Tragfähigkeit der Auslandsverschuldung zu gewährleisten“. So lange das nicht geschehe, blieben die Länder „fragil“.

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